WETTBEWERB: Wählen Sie den dritten unbekannten Helden

Heute stellen wir den dritten Zweiervorschlag für die Wahl der Zentralschweizer Helden des Jahres vor. Zur Auswahl stehen Anita und André Müller und Esther und Franz Brun.

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Anita und Robert Müller (links) und Esther und Franz Brun. (Bild: Nadia Schärli und Manuela Jans / Neue LZ)

Anita und Robert Müller (links) und Esther und Franz Brun. (Bild: Nadia Schärli und Manuela Jans / Neue LZ)

Andrés Familie ist rund um die Uhr für ihn da

Im Oktober wird André Müller 34 Jahre alt. Für andere ein ganz normaler Geburtstag, in seinem Fall ein Wunder. Unweigerlich werden seine Eltern Anita und Robert Müller an diesem Tag an die Wochen nach der Geburt zurückdenken: Als die Ärzte von Lungenproblemen und der schweren Hirnhautentzündung sprachen, mit der André bereits als kleines Baby zu kämpfen hatte. «Zum Glück kann man sich nicht vorstellen, was alles kommen kann», sagt Anita Müller. Denn nun, fast 34 Jahre später, weiss sie, was für Auswirkungen die frühen Infektionen ihres Sohnes hatten.

André ist heute 30 Kilogramm schwer, der Rücken ist krumm, die Nahrung muss er hauptsächlich über eine Magensonde aufnehmen. Das Schlimmste aber ist wohl, dass er auf keine der liebevollen Berührungen seiner Eltern reagieren kann. Die einzige Reaktion auf sein Umfeld sind seine Augen, die umherblicken, und das unregelmässige Atmen. Trotzdem merken die Eltern, dass ihre Vertrautheit ihn stabiler macht.

Viele Tränen vergossen

Die heute 56-jährige Mutter verbrachte die Tage von Anfang an mit ihrem schwer behinderten Sohn, ihr Mann war damals noch als Lastwagenfahrer berufstätig. Die ersten Jahre waren sehr schwer für die junge Familie. «Mit den vergossenen Tränen hätten wir Strom produzieren können», sagt Anita Müller. Und ihr Mann Robert (72) ergänzt: «Am Anfang wechselten wir jeweils die Strassenseite im Dorf, um nicht immer dieselben Fragen beantworten zu müssen.»

Stundenlang auf der Bank sitzen

Am heutigen Tag wirken beide aufgestellt, Anita Müller lächelt oft und spricht viel. Sie habe sich verändert durch André, sagt sie. Die Zeit hat eine andere Dimension erhalten, seit sie stundenlang mit André auf der Bank vor dem Haus sitzt, ihm Geschichten erzählt oder ihn einfach im Arm hält. Alltagsprobleme von anderen könne man weniger gut nachvollziehen, und mit vielen Freunden hätten sie den Kontakt verloren. Denn ausgehen konnten sie schlicht nicht mehr.

Am liebsten bleibt die Familie ohnehin in der näheren Umgebung: hier kennen sie die Wege für die Spaziergänge und müssen nicht mit dem Auto fort, was ohnehin mühselig sei. Schliesslich reicht es für den Rücken der 56-jährigen Mutter schon, André jeweils die zwei Stockwerke tiefer ins Erdgeschoss zu tragen.
Mittlerweile ist auch Robert Müller pensioniert, und Anita Müller kann ab und zu im Service aushelfen. Der Frühaufsteher schaut morgens nach André, während sich die Mutter um die Abende kümmert. Sie sagt: «Wir leben immer für den Moment.» An morgen oder übermorgen möge sie nicht denken. Dann lächelt sie und sagt mit André im Arm: «Ich habe mich verändert, ja. Ich bin zufriedener geworden.»

Unbekannte Krankheit im Griff

Der kurze Weg vom Haus der Familie Brun zum Bahnhof Schachen spricht Bände. Beim Weg hinauf wurde von der Gemeinde ein Geländer angebracht, und die SBB liessen den Bahnübergang rutschsicher machen. Esther und Franz Brun, vor allem aber ihre Kinder Florian und Linda, sind dankbar für diese Unterstützung. Zuvor haben sie sogar Schleifpapier oder Eisen an ihre Schuhe montiert, damit sie den Weg im Winter selbstständig begehen konnten.

Florian (29) und Linda (22) können nur eingeschränkt gehen: Ihre Schritte sind steif und unsicher, manchmal verlieren sie das Gleichgewicht. Ihr Gehör ist zudem schlecht und das Fokussieren mit den Augen fällt ihnen schwer. Eine Bezeichnung für ihre Krankheit gibt es bis heute nicht. Die Ärzte haben versucht, ähnliche Krankheitsbilder zu suchen, sind aber auf der ganzen Welt nicht fündig geworden. Ihre Mutter sagt: «Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Weil wir nicht wissen, was für eine Krankheit sie haben, wissen wir auch nicht, wie sie sich entwickelt.»

Erste Anzeichen im Kindergarten

Angefangen hat alles, als sich Florian im Kindergarten immer schlechter konzentrieren konnte. Es stellte sich heraus, dass er nicht gut hörte. Als Florian etwa zehn Jahre alt war, begann auch der unsichere Gang. Seine Eltern absolvierten daraufhin einen Ärztemarathon, probierten alle möglichen Medikamente aus. Es half nichts. Die Symptome kamen auch bei der sieben Jahre jüngeren Linda, die mittlere Tochter Julia blieb verschont.
Die Familie kaufte daraufhin ein Haus in der Nähe des Bahnhofs und baute es zu einem grossen Teil selbst um. Ein Lift musste rein und die Schwellen zwischen den Räumen weg. Esther und Franz Brun setzen alles daran, damit Florian und Linda selbstständig leben können. Durch ihr Wohnen bei den Eltern bleibt trotzdem eine gewisse Abhängigkeit. Manchmal fragen sich beide, was einmal sein wird, wenn die Eltern nicht mehr für sie sorgen können.

Beide können arbeiten

Linda und Florian machen heute beide regelmässig Physiotherapie, um ihre Beweglichkeit beizubehalten. Florian, der Kommunikative, pflegt zudem viele Kontakte, hat eine Freundin, geht Schwimmen und Turnen. Als Bürohilfe bei der Heitzmann AG hat er sogar eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden. Lindas grosse Leidenschaft ist das heilpädagogische Reiten, in dem sie sehr erfolgreich ist. Sie konnte zudem in der Stiftung Brändi in Willisau Industriepraktikerin anlernen. Die Krankheit ist momentan bei beiden stabil, und die Kinder strahlen eine grosse Zufriedenheit aus. «Es hat sich alles gut eingespielt», sind sich Esther und Franz Brun einig. Nicht zuletzt dank ihnen: Die beiden haben für ihre Kinder nicht nur den Weg an den Bahnhof geebnet.

Stimmen Sie jetzt ab

Heute stellen wir den dritten Zweiervorschlag für die Wahl der Zentralschweizer Helden des Jahres vor. Die Personen zeichnen sich aus durch ihr selbstloses, mutiges und aussergewöhnliches Handeln. Aus diesem Duo wählen Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt den dritten Quartalshelden aus. Ende Jahr werden vier Helden aus unserer Region feststehen. Aus diesem Quartett wählt die Jury unter dem Präsidium des Einsiedler Abtes Martin Werlen den «Unbekannten Helden» des Jahres.

Stimmen Sie ab via Telefon:

Anita und Robert Müller:
0901 81 80 01

Esther und Franz Brun:
0901 81 80 02

Tarif: Fr. 1.–/Anruf, Festnetztarif

oder im Internet:
Die Abstimmung für das dritte Quartal dauert bis Donnerstag, 19. September, 12 Uhr. Unter den Teilnehmern verlosen wir drei Geschenkkörbe im Wert von je 100 Franken, gesponsert von Pilatus Getränke AG, Alpnach.

Vorschläge einreichen

Die Vorschläge für die beiden Helden eingereicht haben Silvia und Walter Doswald aus Buchrain sowie Rita Bucher-Bieri aus Malters. Sie erhalten je ein 4-Gang-Saisonmenü für zwei Personen mit 1 Flasche Wein, Mineral und Kaffee (Wert je 290 Franken) im Hotel Schweizerhof in Luzern. Die Serie «Unbekannte Helden» wird zudem unterstützt durch Klug Krankenversicherung, B Swiss und das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1.

Vorschläge für Unbekannte Helden können hier eingereicht werden: helden@lzmedien.ch oder LZ Medien, «Unbekannte Helden», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.

Hier verbringen sie Stunden: Anita und André Müller auf der Bank vor ihrem Haus in Buchrain. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hier verbringen sie Stunden: Anita und André Müller auf der Bank vor ihrem Haus in Buchrain. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ein gut eingespieltes Team: die Familie Brun zu Hause in Schachen beim «Doc» spielen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Ein gut eingespieltes Team: die Familie Brun zu Hause in Schachen beim «Doc» spielen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)