WETTER: Ein starkes Unwetter zieht über die Region

Heftige Gewitter mit Blitzen und Hagel haben am Dienstag die Schweiz durchquert. Die Naturgewalten ein Todesopfer in Romanshorn und eine Verletzte in Luzern.

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Die Situation in Sempach um 15.15 Uhr. (Bild Webcam/mit-network.ch)

Die Situation in Sempach um 15.15 Uhr. (Bild Webcam/mit-network.ch)

Ein 31-jähriger Autolenker war am Dienstagnachmittag um 16 Uhr alleine beim Gemeindehafen Romanshorn am Bodensee unterwegs, als ein Baum auf das Fahrzeug fiel. Der Mann wurde in dem Auto erdrückt und jede ärztliche Hilfe kam zu spät, wie die Thurgauer Kantonspolizei mitteilte. Eine 37-jährige Frau erlitt zudem in der Stadt Luzern wegen eines herabfallenden Baumteils mittelschwere Verletzungen. Im Kanton St. Gallen geriet ein Surfer in Seenot.

Umgestürzte Bäume legten Teile des öffentlichen Verkehrsnetzes lahm. So fiel kurz vor 14 Uhr ein Baum in die Fahrleitung der Bahnstrecke bei Biglen im Emmental. Dieser musste, um Schäden zu vermeiden, sorgsam entfernt werden, wie ein BLS-Sprecher sagte. Die Züge wurden deshalb in Walkringen und in Konolfingen gewendet. Auch in der Stadt Zürich kam es wegen des Sturms zu mehreren Tramausfällen. Zahlreiche Strassen mussten zudem vorübergehend gesperrt werden.

Bei der Thurgauer und der St. Galler Kantonspolizei gingen innerhalb kurzer Zeit je rund 100 Meldungen ein. Die meisten betrafen voll gelaufene Keller und Schächte, überflutete Unterführungen oder Bäume auf der Strasse. Auch im Kanton Bern kam es zu Überflutungen. Innerhalb von zwei Stunden gingen rund 40 Meldungen ein. In Herzogenbuchsee blieb ein Personenwagen in einer überfluteten Unterführung stecken. Im Kanton Zug sammelte sich auf der Autobahn A4a zwischen Baar und Zug rund 30 Zentimeter Wasser an.

Auch Hagelschäden wurden gemeldet. Laut Pascal Forrer, dem Direktor der Schweizer Hagel-Versicherung, trafen am frühen Nachmittag erste Schadensmeldungen ein. Besonders im Berner Oberland wurde mit Hagelschäden gerechnet.

Richtig los ging es aber am Mittwoch um 12.30 Uhr, wie ein Meteorologe von MeteoSchweiz sagte. Teilweise rief MeteoSchweiz die zweithöchste Gefahrenstufe aus. Die erste Gewitterzelle entwickelte sich im Chablais im Unterwallis und zog mit Blitzen und Hagel über die Alpen hinweg in Richtung Berner Oberland. Dort intensivierte sich das Gewitter und eine Gewitterlinie entwickelte sich quer über das Mittelland und den Jura. Dabei habe es vor allem im Raum Thunersee und im Napfgebiet zu Hagel gegeben. Am Nachmittag zog die Gewitterlinie weiter östlich. Vier Zentimeter oder mehr Hagel habe es dabei auch vom nördlichen Teil des Kantons St. Gallen bis zum Bodensee gegeben. Mit dem Gewitter gab es grosse Regenmengen. Teilweise fielen örtlich bis zu 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Für Gewitter ausserordentliche Böenspitzen seien mit 121 Kilometern pro Stunde (km/h) auf der Turmspitze auf dem Uetliberg gemessen worden, in Steckborn gab es 116 und in St. Gallen km/h.

Auf das Gewitter folgte am Abend die Kaltfront mit noch ergiebigeren Niederschlagsmengen. Am Alpennordhang wurden innert 24 Stunden bis am Mittwochvormittag bis zu 50 Liter erwartet. Zudem sollten die Temperaturen kräftig absacken. Nach den im Mittelland verbreiteten 32 Grad am (gestrigen) Montag, sollte es am (morgigen) Mittwochnachmittag noch gerade noch gerade 18 Grad warm werden.

ap