Wie es beinahe zum Prozess kam

Die «Schwyzer Zeitung» und der «Bote der Urschweiz» standen 137 Jahre lang in Konkurrenz zueinander. Dabei wäre es in den 1930er-Jahren beinahe zum Prozess gekommen.

Bert Schnüriger
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Die Frontseiten des «Boten der Urschweiz» und der «Neuen Schwyzer Zeitung» vom 11. Juli 2013. (Bild: Bert Schnüriger / Neue SZ)

Die Frontseiten des «Boten der Urschweiz» und der «Neuen Schwyzer Zeitung» vom 11. Juli 2013. (Bild: Bert Schnüriger / Neue SZ)

Der «Bote der Urschweiz» ist die ältere der beiden in Schwyz heute noch erscheinenden Zeitungen. In der Kantonsgeschichte ist nachzulesen, wie der «Bote» 1859 startete. 18 Jahre später erhielt er in Schwyz Konkurrenz durch die «Schwyzer Zeitung» (SZ), berichtet die Kantonsgeschichte. Mit der Tatsache, dass der «Bote» älter war, bekundeten die Herausgeber der SZ Jahrzehnte später Mühe. Denn in der ersten Nummer des Jahres 1932 legte sich die «Schwyzer Zeitung» plötzlich den 84. Jahrgang zu, während im Jahr zuvor noch «56. Jahrgang» auf ihrem Titelblatt gestanden hatte. Die Begründung für diese Neuerung lieferte alt Kanzleidirektor Martin Styger, indem er die alte «Schwyzer Zeitung», erschienen von 1849 bis 1872, als Vorgängerin bezeichnete.

Der «Bote der Urschweiz» klagte gegen diese Bezeichnung, da seiner Meinung nach die alte und die neuere SZ nichts miteinander zu tun hatten. Nach mehreren Gutachten kam 1933 schliesslich ein Vergleich zu Stande, in dem die «Schwyzer Zeitung» der Klage stattgab und wieder zur alten Nummerierung zurückkehrte.

Konservative Tageszeitung

Nach den politischen Wirren um die Bundesverfassung von 1848 war ab 1849 in Schwyz eine erste «Schwyzer Zeitung» erschienen. Sie war die erste katholisch-konservative Tageszeitung der Schweiz. Die Initiative für die Zeitungsgründung war vom ebenfalls in Schwyz gegründeten Schweizerischen Studentenverein ausgegangen. Die «Schwyzer Zeitung» als damaliges Zentralorgan des politischen Katholizismus in der Schweiz verschwor sich auf eine Politik, die sie als fortschrittlich-konservativ bezeichnete. Als regelmässiger Schreiber trat im Blatt der damals bedeutendste konservative Schweizer Politiker, Philipp Anton von Segesser aus Luzern, auf. Als in Luzern die Altkonservativen siegten und von Segesser ausgebootet wurde, holte man die ungeliebte «Schwyzer Zeitung» nach Luzern, wo sie ab 1861 erschien und 1872 eingestellt wurde.

Nicht Rechtsnachfolgerin

Die Frage, ob die SZ die Rechtsnachfolgerin der ersten «Schwyzer Zeitung» war, wurde auch später mehrmals erörtert und immer wieder verneint. Das war auch 1989 so. Damals spielte erneut die Achse zwischen Schwyz und Luzern eine Rolle: Die Druckerei Schwyzer Zeitung AG gab die Herausgabe der Zeitung auf. Die SZ wurde zur Tageszeitung, aber auch zum Pachtblatt des «Vaterlands» in Luzern. Der damals scheidende Schwyzer Chefredaktor Gerhard Oswald hielt im Blatt klar fest: «Die heutige ‹Schwyzer Zeitung› ist nicht die Rechtsnachfolgerin der damals bedeutsamen Tageszeitung. Dennoch darf des Titels wegen von einer gewissen Wahlverwandtschaft gesprochen werden.»

Das Konkurrenzverhältnis zwischen SZ und «Bote» am Platz Schwyz, das 1932 derart deutlich aufgebrochen war, hielt bis heute an. Anders als in früheren Zeiten merkt heute die Leserschaft beider Zeitungen davon kaum mehr etwas. Hinter den Kulissen allerdings war das Verhältnis nicht immer ungetrübt. Umso erstaunlicher ist es darum, dass jetzt ein Zusammenarbeitsvertrag der beiden Verlage möglich wurde. Die «Neue Luzerner Zeitung» und der Triner-Verlag, der den «Boten» herausgibt, arbeiten ab Neujahr 2014 eng zusammen. Die «Schwyzer Zeitung» wird auf jenen Zeitpunkt hin aufgegeben.

Druckerei geschlossen

Konkurrenz herrschte aber nicht nur zwischen den beiden Zeitungen, sondern auch zwischen den damit verbundenen Druckereien. Auch dort blieb die Druckerei Triner letztlich am längeren Hebel. Die 1960 gegründete Druckerei Schwyzer Zeitung AG war ab 1989 nicht mehr Herausgeberin der Zeitung gleichen Namens. Diesem Umstand trug sie allerdings erst 2003 mit einer Namensänderung Rechnung und nannte sich fortan Druckerei Schwyz AG. 2008 allerdings stellte auch dieser Druckereibetrieb seine Maschinen ab. Die Triner AG konnte damals Maschinenbestand, Mobilien und das Warenlager erwerben. Der Verwaltungsrat hatte ausdrücklich darauf verzichtet, den Betrieb an ein auswärtiges Unternehmen zu verkaufen. Fünf der neun Druckereiangestellten wurden ebenfalls vom «Bote»-Verlag übernommen.

Die früher blühende Druckerei war damit zur Immobilienfirma geschrumpft. Sie nannte sich Immo DSZ AG und wurde vor drei Jahren aufgelöst. Ihr Gebäude an der Bahnhofstrasse 14 in Schwyz, in dem die Redaktion der Neuen SZ noch heute Mieterin ist, wurde einem auswärtigen Investor verkauft.

Eine wechselvolle Geschichte

Die «Neue Schwyzer Zeitung» erscheint am kommenden 31. Dezember zum letzten Mal und stellt danach ihr Erscheinen ein. Damit endet die Geschichte dieser Schwyzer Lokalzeitung nach 137 Jahren. Eine erste «Schwyzer Zeitung» erschien schon von 1849 bis 1872 in Schwyz und Luzern. Das heutige Blatt allerdings geht auf das Jahr 1876 zurück. Es nannte sich bis 1995 «Schwyzer Zeitung» und wurde bis 1989 von der Druckerei Schwyzer Zeitung AG herausgegeben. In einer losen Serie erzählt die Redaktion in den nächsten Wochen die wechselvolle Geschichte dieser Schwyzer Lokalzeitung nach.

s.