Wie Schwyz automobil wurde

Zunächst hielt das Auto nur langsam Einzug im Kanton Schwyz. Seit den 1960er-Jahren aber verläuft die Entwicklung stürmisch.

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Sattel um 1960: Die Strassen waren der stürmischen Verkehrszunahme nicht immer gewachsen. (Bild: Historischer Verein Kanton Schwyz)

Sattel um 1960: Die Strassen waren der stürmischen Verkehrszunahme nicht immer gewachsen. (Bild: Historischer Verein Kanton Schwyz)

Mit Schwyzer Nummern sind derzeit mehr als 116 000 Motorfahrzeuge unterwegs. Vor ein paar Jahrzehnten waren die Motorfahrzeugbesitzer noch lange eine verschwindend kleine Minderheit. «1905 gab es im ganzen Kanton zwei Autofahrer», schreibt dazu Kari Kälin in der «Geschichte des Kantons Schwyz». Kälin ist Historiker und Journalist, er arbeitet bei dieser Zeitung. Im Jahr 1913 fuhren erst 78 Fahrzeuge mit Schwyzer Nummernschildern durch die Gegend. Die Zahl der Fahrzeuge nahm nur langsam zu, 1927 waren es 476. Im gleichen Jahr aber seien 31 500 auswärtige Fahrzeuge durch den Kanton gefahren, steht im damaligen regierungsrätlichen Rechenschaftsbericht.

Tempo 18 innerorts

Die Autos wurden anfänglich nicht gern gesehen. Bezirke und Gemeinden konnten in eigener Regie entscheiden, ob sie auf ihrem Strassennetz Kraftfahrzeuge zulassen wollten. Ab 1912 wurden Sonntagsfahrverbote erlassen und Autofahrer gebüsst. «Damit wurde eine Petition des christlichsozialen Arbeitervereins umgesetzt: Einzig am Sonntagnachmittag hätten Arbeiterfamilien die Möglichkeit zum erfrischenden Spaziergang», so Kälin. 1924 hob die Schwyzer Regierung diese sonntäglichen Verbote auf. Das Tempo wurde «im offenen Felde» auf 30 Kilometer pro Stunde beschränkt, innerorts und auf Bergstrecken auf 18 Stundenkilometer.

Kanton macht Schulden

Dementsprechend sah damals auch noch das Schwyzer Strassennetz aus. Erst ab Mitte der 1920er-Jahre wurden die Beläge bedeutender Strassenzüge nicht mehr nur bekiest, sondern gewalzt, später asphaltiert. Vor allem aber deckten die Gebühren von den wenigen Motorfahrzeugen die Kosten für den Strassenunterhalt bei weitem nicht. So kassierte der Kanton 1920 Gebühren in der Höhe von 24 225 Franken, gab aber allein für das Kantonsstrassennetz 133 494 Franken aus. Die Wende brachte ein neues Strassenbaugesetz. Es wurde vom Schwyzer Volk 1930 angenommen und erlaubte dem Kanton, für den Strassenbau eine Anleihe von 2 Millionen Franken aufzunehmen.

Mit dem zunehmenden Verkehr nahmen auch die Unfälle zu. Prominentestes Todesopfer auf Schwyzer Strassen war 1935 die belgische Königin Astrid. Sie starb, weil der von ihrem Gatten gesteuerte offene Personenwagen bei Küssnacht von der Strasse abkam.

Benzin wurde rationiert

Der fortschreitenden Motorisierung setzte 1939 der Zweite Weltkrieg ein vorläufiges Ende. Vor allem wegen der damaligen Rohstoffknappheit, Benzin wurde rationiert, reduzierte sich die Zahl der Personenwagen und Lastwagen zwischen 1939 und 1942 von 872 auf 399. Aber bereits 1948 waren erstmals mehr als 1000 Personenautos mit Schwyzer Nummern immatrikuliert, 1974 waren es schon über 25 000. «Der motorisierte Untersatz war zum Alltagsgegenstand geworden», schreibt der Historiker Paul Schneeberger in der Kantonsgeschichte.
Die Pendler
So richtig los ging es aber erst ab den Sechzigerjahren. Damals setzte das Pendeln zu auswärtigen Arbeitsstellen ein. Die Pendlerzahl nur schon in andere Schwyzer Gemeinden stieg zwischen 1960 und 1980 von nur 2674 auf 36 452 Personen an. Und im Jahr 2000 fand mehr als die Hälfte der Schwyzer Erwerbstätigen ihr Auskommen ausserhalb der Wohngemeinde. Damals, im Jahr 2000, benützten drei Viertel der im Kanton Schwyz registrierten Pendler das Auto, nur ein Viertel war mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

50 Kilometer Autobahnen

Die anhaltende Zunahme des Individualverkehrs verlangte den Bau von Autobahnen. Im 1958 vom Schweizer Volk verabschiedeten Nationalstrassennetz erhielt auch der Kanton Schwyz rund 50 Kilometer. 1968 konnte der Autobahnabschnitt Richterswil–Pfäffikon eröffnet werden, fünf Jahre später waren die ganzen 23 Ausserschwyzer Autobahnkilometer von Wollerau bis zur Glarner Grenze befahrbar. 1981 folgte mit der Eröffnung der N 4 von Holzhäusern bis nach Brunnen der Autobahnanschluss des inneren Kantonsteils.
Hinzu kam im Verlauf der Jahre auch der zunehmende Ausflugstourismus in den Kanton. Was jeweils an Wochenenden zu langen Autoschlangen im mittleren Kantonsteil führte. In der ersten Hälfte der 1970er-Jahre entschärfte die Untertunnelung von Schindellegi dieses Übel. Das Engagement des Kantons Schwyz im Strassenbau konzentrierte sich seither vor allem auf den Ausbau der innerkantonalen Hauptstrasse H 8 zwischen Pfäffikon und Brunnen. Sie wurde gemäss einem damals erstellten generellen Projekt seither in Etappen ausgebaut. Noch offen ist derzeit nur die letzte Etappe von der Dritten Altmatt nach Biberbrugg.

Bert Schnüriger / Neue SZ