Wintersport: Dynamische Preise
spalten die Gemüter

Die Skiarena Andermatt-Sedrun passt ihr dynamisches Preismodell an. Die Klewenalp setzt ebenfalls auf dieses System – andere Gebiete warten ab.

Matthias Stadler
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Von Sarnen auf die Melchsee Frutt reisen Saisonkarteninhaber in diesem Jahr gratis mit dem ÖV. (Bild: Manuela Jans-Koch, 3. Januar 2019)

Von Sarnen auf die Melchsee Frutt reisen Saisonkarteninhaber in diesem Jahr gratis mit dem ÖV. (Bild: Manuela Jans-Koch, 3. Januar 2019)

Seit zwei Wintern kennt man in Andermatt flexible Preise für Skitageskarten. Im vergangenen Winter konnte man im Ur­serntal an regulären Tagen ab 39 Franken Ski fahren. An ausgewählten Aktionstagen kostete eine Tageskarte gar schlappe zehn Franken.

Das ändert sich nun, Andermatt führt im Dezember ein Halbtaxabo für die Skipiste ein und damit ein neues Preismodell. Die Tageskarte kostet neu 84 Franken. Beim erstmaligen Kauf einer solchen erhält der Wintersportler zusätzlich das Halbpreisabo. Will heissen, bei seinem nächsten Besuch zahlt er statt 84 Franken deren 42.

Zweimal pro Jahr im Skigebiet

An der Pressekonferenz der Transportunternehmungen Zentralschweiz vom Donnerstag trafen sich die Verantwortlichen der Zentralschweizer Skigebiete, um ihre neuen Angebote zu bewerben (siehe Kasten am Ende des Textes). Pascal Schär, Marketingleiter der Andermatt Sedrun Disentis Marketing AG, erklärte gegenüber unserer Zeitung, weshalb das Skigebiet das Preissystem nun ändert. «Ein durchschnittlicher Gast kommt zweimal pro Jahr in unser Skigebiet.» Wenn er also beim ersten Besuch eine Halbpreiskarte erhält, sinke die Schwelle, dass er noch ein zweites und drittes Mal vorbeikommt, da die Preise danach tiefer sind.

Die dynamischen Preise hat das Skigebiet angepasst. Zehn-­Franken-Tage sind gestrichen, auch die günstigsten Preise für 39 Franken sind Geschichte. Neu werden Skifahrer und Snowboarder online Preise ab 68 Franken finden. Je nach Nachfrage steigt dieser Preis – bis maximal 84 Franken – Halbpreisabo-Inhaber bezahlen dabei die Hälfte. 84 Franken muss – ohne Halbpreisabo – auch an der Tageskasse bezahlt werden. Damit wird die Preisspanne kleiner. Vergangene Saison lag der Höchstpreis bei über 90 Franken, was so von den Betreibern allerdings nie kommuniziert wurde.

Von verschiedenen Stellen wurde schon kritisiert, dass Andermatt Dumpingpreise eingeführt hat. Pascal Schär weist den Vorwurf zurück: «Wir stehen in Konkurrenz mit dem gesamten Alpenraum, also auch mit Österreich.» Entsprechend brauche es innovative Lösungen. «Wir probieren es jetzt einmal aus.» Mit dem neuen Modell gehe man ein Risiko ein, ist sich Schär bewusst. «Aber vielleicht finden wir damit wieder einen neuen Weg.»

«Ich will einfach wissen, was mich erwartet»

Auf dynamische Preise setzt neu auch die Klewenalp. Im vergangenen Sommer sei das ­System erfolgreich getestet worden, sagt Roger Joss, Geschäftsführer der Bergbahnen Klewenalp–Stockhütte. Nun gilt das System für den kommenden Winter und auch die Sommersaison, danach werde die Lage neu beurteilt. «Wir überlassen es jedem Kunden selber, ob er den dynamischen Preis online möchte oder den regulären an der Kasse.»

Nicht auf dynamische Preise setzt man am Titlis. Peter Reinle, Sprecher der Titlis-Bahnen, sagt klipp und klar: «Ich bin kein Fan von dynamischen Preisen. Denn ich will einfach wissen, was mich erwartet. Bei uns weiss der Gast ganz genau, woran er ist.» Es sei aber nicht so, dass man bei den Titlis-Bahnen nicht auch solche Überlegungen mache, «nichts ist sakrosankt». Doch weist Reinle auf die Gefahr eines Preiszerfalls bei dynamischen Preisen hin. «Zwei Drittel unserer Einnahmen machen wir mit dem Transport von Gästen. Deswegen ist es uns zu heikel, um Versuche mit dem Preis zu machen. Wir fahren in Engelberg ­bewusst eine konservativere Schiene.» Trotzdem kann man auch bei den Titlis-Bergbahnen von günstigeren Onlinepreisen profitieren. Die Tageskarte ist im Internet mit 65 Franken drei Franken günstiger zu erhalten als an der Kasse.

Andere Skigebiete halten sich ebenfalls zurück. Teilweise gibt es online günstigere Preise als an der Tageskasse – etwa auf dem Stoos oder auf Melchsee-­Frutt. Doch sind dynamische Preise in der Zentralschweiz (noch) nicht mehrheitsfähig.

Schneepass Zentralschweiz erhält Zuwachs

Die Vertreter der Wintersportgebiete haben am Donnerstag in Luzern ihre Neuheiten für die kommende Saison vorgestellt. Die grösste Neuerung ist wohl, dass nun auch das Skigebiet Airolo-Pesciüm im Schneepass enthalten ist. Für 1130 Franken kann ein erwachsener Skifahrer diese Saison also in 14 Skigebieten Kurven schwingen. «Wir gehen jetzt ins vierte Jahr mit diesem Preis», er­klärte Sepp Odermatt, Präsident der Transportunternehmungen Zentralschweiz. «Wir haben den Schneesportlern in diesen vier Jahren einen echten Mehrwert bieten können, etwa mit der neuen Stoosbahn oder der Gebietszusammenschliessung von Andermatt und Sedrun.» Dort kommt nun noch die Erschlies­sung von Disentis dazu. Sepp Odermatt betonte am Donnerstag, dass es in der Schweiz ein Aufschnaufen bezüglich Wintersport gebe. Es gebe wieder mehr sogenannte Skier-Days.

Änderungen gibt es in den Skigebieten heuer eher kleine. So können auf Melchsee-Frutt Schneepass- und Saisonaboinhaber mit dem ÖV gratis ab Sarnen oder Kerns ins Skigebiet anreisen. Auf der Rigi kann man vom 11. Januar bis 11. Februar Iglus bauen. Auf der Mörlialp gibt es ein neues, synthetisches Eisfeld und in Brunni-Engelberg ist bei einem Saisonabo für Kinder die Skiausrüstungsmiete inklusive. Zudem wird dort das GA für die Luftseilbahn akzeptiert. Auch ein Winterzirkus tourt umher: Auf dem Stoos, der Klewenalp und in Brunni-Engelberg. (mst)

Skisaison beginnt zum Teil bereits am kommenden Wochenende

Während für viele Menschen in den Niederungen die winterliche Kälte ein wenig zu früh eingetroffen ist, jubeln die Skifans: Der viele Schnee ermöglicht es einigen Stationen, ihre Saison bereits am kommenden Wochenende zu eröffnen.