Winteruniversiade: Geheimniskrämerei nach Rückzug von Hoch-Ybrig

Die Skirennen der Winteruniversiade 2021 finden nicht im Hoch-Ybrig statt. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.

Fabienne Mühlemann
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So wird es 2021 im Hoch-Ybrig nicht aussehen: Slalom der Damen an der Ski-Schweizer-Meisterschaft. (Bild: Keystone/Urs Flüeler, Hoch-Ybrig, 23. März 2019)

So wird es 2021 im Hoch-Ybrig nicht aussehen: Slalom der Damen an der Ski-Schweizer-Meisterschaft. (Bild: Keystone/Urs Flüeler, Hoch-Ybrig, 23. März 2019)

«Wenn plötzlich ein Skigebiet aussteigt, steckt offenbar der Wurm in dieser Veranstaltung», sagt der Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller. Mit «dieser Veranstaltung» meint er die Winteruniversiade 2021, die in der Zentralschweiz stattfinden wird. Mit dem «Skigebiet» meint er Hoch-Ybrig, das sich als Austragungsort für die Ski-Alpin-Wettkämpfe zurückgezogen hat.

Gründe für den Rückzug des Schwyzer Skigebiets sind laut dessen Geschäftsführer Urs Keller die geänderten Rahmenbedingungen und die zusätzlichen Forderungen im administrativen Bereich. Die anstehenden Investitionen seien hingegen nicht ausschlaggebend gewesen. Die 80'000 Franken, welche die Hoch-Ybrig AG für Planung und Infrastruktur bereits ausgegeben hat, seien nicht verloren. «Die neue Super-G-Piste können wir für unseren Nachwuchs und für FIS-Rennen brauchen», so Keller.

Mehr will Urs Keller zum Rückzug nicht sagen. Er habe mit dem Verein Winteruniversiade Luzern-Zentralschweiz 2021 Stillschweigen vereinbart. Auch der Präsident des Vereins, der Luzerner Regierungsrat Guido Graf, und Geschäftsführer Urs Hunkeler führen die Gründe auf Anfrage nicht weiter aus. Klar scheint: Die Absage kam für das Organisationskomitee überraschend. Und bis zur Universiade dauert es noch rund 17 Monate. Ein neuer Austragungsort muss also bald her. «Es ist nun wichtig, den Austragungsort sorgfältig auszuwählen. Wir sind überzeugt, zeitnah einen solchen bestimmen zu können», so Hunkeler.

Tritt Dettling aus Komitee zurück?

Mit dem Rückzug des Skigebiets Hoch-Ybrig scheint nun klar zu sein, dass der Kanton Schwyz keinen Austragungsort der Winteruniversiade 2021 stellen wird. Der Stoos, welcher ursprünglich für die Ski-Alpin-Rennen angedacht war, hatte sich aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Und Einsiedeln musste die Langlauf-Rennen an Andermatt abgeben, da die Schneeverhältnisse im Schwyzer Klosterdorf zu unsicher sind.

Dass der Kanton Schwyz wohl leer ausgeht, dürfte unter anderem SVP-Nationalrat Marcel Dettling ärgern. Bereits nach dem Stoos-Rückzug hatte er mit dem Rücktritt aus dem Patronatskomitee gedroht, sollte der Kanton Schwyz keinen Austragungsort stellen. Ob Dettling sich nun wirklich zurückzieht, lässt er auf Anfrage noch offen. «Es wird sich nun zeigen, wie sich das Ganze entwickeln wird.» Auch er schweigt über die genauen Gründe des Hoch-Ybrig-Rückzugs, obwohl er als designierter Präsident des lokalen Organisationskomitees in die Verhandlungen eingebunden war. Dettling sagt nur so viel: «Der Entscheid hat sich schlussendlich abgezeichnet.»

Ursprünglich zwei Austragungsorte vereinbart

Die Schwyzer Regierung hatte sich ursprünglich aus finanziellen Gründen nicht an der Winteruniversiade beteiligen wollen. Daraufhin erhöhte der Luzerner Regierungsrat Guido Graf den Druck: «Es ist naheliegend, dass nur in jenen Kantonen Wettkämpfe stattfinden werden, in denen sich der jeweilige Kanton auch finanziell beteiligt», sagte er 2015. Für Schwyz hätte das bedeutet, touristisch nicht vom Grossanlass mit bis zu 4000 Gästen profitieren zu können.

Schliesslich entschied sich der Kanton, doch mitzumachen. 2015 wurde eine Vereinbarung getroffen, dass Schwyz 1,6 Millionen Franken an den Anlass zahlt. Darin steht auch, dass ihm zwei Austragungsorte zustehen. Muss der Kanton den Betrag nun doch zahlen, obwohl er vielleicht nicht zum Zug kommt? «Es laufen Gespräche. Wenn es definitiv wird, dass der Kanton keinen Austragungsort stellen wird, müssen wir das mit dem Verein und dem OK anschauen», sagt der Schwyzer Regierungsrat Andreas Barraud. Er sieht kaum eine Chance, dass Schwyz noch in die Kränze kommt, da es neben Stoos und Hoch-Ybrig kein passendes Skigebiet für die Ski-Alpin-Rennen gebe. Und dass nochmals ein Austragungsort verschoben wird, glaubt er auch nicht.

Verein immer wieder mit Wechseln konfrontiert

Allgemein scheint der Wurm in der Veranstaltung zu stecken, wie weitere Beispiele zeigen. Etwa im Bereich Kommunikation: Ursprünglich wurde auch die Melchsee-Frutt als Austragungsort für die Skirennen angefragt. Eine Antwort bekamen die Betreiber des Skigebiets nach eigenen Aussagen nicht. Sie erfuhren erst aus der Zeitung, dass ein anderes Gebiet in die Kränze gekommen war.

Daneben sieht sich der Verein auch immer wieder mit dem Wechseln der Austragungsorte konfrontiert. Neben den Rückzügen von Stoos und Hoch-Ybrig und der Absage an Einsiedeln wurden auch die Biathlon-Wettkämpfe von Andermatt-Realp nach Lenzerheide verschoben.

Die Kosten für den Grossanlass werden auf 39 Millionen Franken beziffert. 13 Millionen steuern die Zentralschweizer Kantone bei, 14 Millionen der Bund. Den Rest berappen private Sponsoren. Nationalrat Peter Keller betrachtet die Finanzierung kritisch. Er werde sich in der Fragestunde im Parlament darüber erkundigen, wie es um die privaten Sponsoringbeiträge steht. Und ob der Bundesrat ausschliessen kann, dass der Bund weitere Gelder nachlegen muss.