Wo eine Liebe ist, ist auch ein Weg

In Blatten bei Malters lädt seit acht Jahren ein Themenweg Liebende zu einem Rundgang durch ihre Beziehung ein.

Vera Rüttimann
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Nähe neu erleben auf dem Liebesweg: Das Paarsofa bei der Station «Herzensintimität und Geborgenheit» ist eigens dafür gemacht.

Nähe neu erleben auf dem Liebesweg: Das Paarsofa bei der Station «Herzensintimität und Geborgenheit» ist eigens dafür gemacht.

Bild: PD/Lisbeth Furrer-Bircher

Intimität, Zärtlichkeit und Sexualität – so heissen einige Themen des Blattner Liebesweges. Der rund zweistündige Weg, der eingebettet ist in idyllische Wiesen und Waldwege, führt zu insgesamt acht Stationen, die sich mit Texten und Installationen dem Thema Beziehung widmen. Erste Station ist die Kirche St. Jost, in der viele Paare, die diesen Weg gehen, einst geheiratet haben.

Das 1391 zu Ehren des heiligen Jost gebaute Gotteshaus ist ein selten schönes Schmuckstück inmitten von weidenden Pferden. Vor allem sein Inneres ist für den Gast eine Entdeckung: Sehenswert ist der goldverzierte Hochaltar, welcher von sechs Rundfenstern umgeben ist. Auch die Seitenkapellen mit ihren Figurengruppen, welche die Vermählung von Maria und Josef sowie die Grablegung Jesu darstellen, sind einen Besuch wert.

Leute sollen nach der Heirat zurückkehren

In der Kirche trifft der Gast auf Ruedi Amrein und Lisbeth Furrer-Bircher, beide sind Mitglied der Arbeitsgruppe Themenweg. Über den Entstehungsgrund des Liebesweges sagt Ruedi Amrein: «Nach der Renovierung von St.Jost haben wir uns gefragt, was wir tun können, damit die Leute zurückkehren in diese Kirche, in der sie einst geheiratet haben.» Entstanden sei der «Liebesweg» dann aus der Zusammenarbeit einer Arbeitsgruppe, bestehend aus einem Paartherapeuten, einem Seelsorger und kreativen Laien.

In einer Waldlichtung befindet sich die Station «Herzensintimität und Geborgenheit». Dort fordert eine Tafel den Gast auf: «Schauen Sie einander in die Augen, wortlos. Wagen Sie es eine ganze Weile. So viel ungewohnte Nähe bewirkt vielleicht erst Verlegenheit, Kichern oder Tränen. Riskieren Sie es!»

Etwas Besonderes haben sich die Macher dieses Themenweges beim Thema «Sexualität und Erotik» ausgedacht: Im Wald steht eine sonderbar anmutende Holzbank. Es ist eine Art Partnersofa, bei dem sich Paare in die Augen sehen können, um miteinander zu reden. Das Schild fordert auf, mit «dem Partner ausführlich über die schönsten sexuellen Begegnungen zu sprechen».

Der Wanderer gelangt nun an eine Waldlichtung. Unten rauscht die Kleine Emme vorbei. Hier befindet sich die Station, die sich den Themen «Bedürfnisse und Konflikte» annimmt. Die Metalltafel fordert den Gast auf, für sich alleine und dann gemeinsam mit dem Partner ein Steinmännchen am Fluss zu bauen. Zuvor müssen sie sich Fragen stellen wie: «Träume, Wünsche und Pläne sind Baustellen. Wie gehen Sie diese an?» Diese Station gefällt Lisbeth Furrer-Bircher besonders. «Wer setzt den ersten Stein, wie funktionieren die Steine gemeinsam, und wie wird das Bauwerk stabil? Um diese Fragen geht es auch in einer Partnerschaft», sagt sie.

Inspiriert von Gipfelbüchern

Dass sich die Macher dieses Weges inspirieren liessen von Gipfelbüchern, die unter Bergkreuzen ausliegen, zeigt die Station, an welcher der Wanderer am Wegrand eine Metallbox vorfindet. Darin liegen zwei Bücher. Viele haben darin bereits ihre Gedanken hinterlassen. Einige schreiben über eine frische Liebe, über den Schmerz nach einer Trennung oder über den Tod eines Partners. Eine grosse Schaukel daneben lädt zum Verweilen ein. Auf einer Tafel wird der Gast gefragt: «Gönnen Sie sich Sinnlichkeit und Zärtlichkeit?»

Ein Kontrapunkt zum Alltag

Nach vier Kilometern und gut zwei Stunden auf dem «Liebesweg» kehren viele noch mal zum Ausgangsort, zur Kirche St.Jost, zurück. Wenn es wärmer wird und die Corona-Krise überwunden ist, wird es hier wieder voller. Kirchen und idyllische Themenwege wie dieser bilden gerade in diesen Zeiten einen besinnlichen Kontrapunkt zum Alltag.

Hinweis
Aus aktuellem Anlass hat die Arbeitsgruppe die jährliche Frühlingsveranstaltung abgesagt. Infos: www.st-jost.ch.