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WOHLEN: Sie spinnen aus Stroh Designer-Gold

Die neue Sonderausstellung des Strohmuseums zeigt, wie sich Aargauer Primarklassen von der alten Freiämter Hutgeflecht-Tradition zu eigenen Design-Objekten inspirieren liessen.
Die Ausstellungsfläche im Strohmuseum wird den Kreationen von Kindern zur Verfügung gestellt. (Bild: Jakob Ineichen (Wohlen, 5. Juli 2017))

Die Ausstellungsfläche im Strohmuseum wird den Kreationen von Kindern zur Verfügung gestellt. (Bild: Jakob Ineichen (Wohlen, 5. Juli 2017))

Beobachten, wie die bäuerlichen Vorfahren aus dem Abfallprodukt Stroh filigrane Kunst herstellten? Im Strohmuseum fantasievoll ­geflochtene Hüte, Tischdecken, Kleiderstücke, Bordüren, Garnituren bewundern? Die Geschichte der Freiämter Hutgeflecht-­Industrie kennen lernen, aber auch auf Tuchfühlung gehen mit dem heutigen Designerberuf? Die Schönheit und die Eigenschaften des Naturmaterials Stroh erkunden – wie kräftig und doch weich und zerbrechlich, wie golden glänzend es ist? Daraus Ideen entwickeln, wie man ein neues, nachhaltiges Objekt selber designen könnte? Nach langem Beraten, Abwägen und Entscheiden im Klassenverband schliesslich aus PET-Flaschen und bunten Stofffetzen schöne, neue Behälter kreieren: glitzernde, farbenfrohe Handyhüllen, Blumenvasen, Trinkgläser oder Stiftehalter? Und dann – als Krönung des Ganzen – diese Objekte als Exponate im Museum betrachten dürfen?

«Das ist ein geniales Gefühl!», fasst die Fünftklässlerin Ilaria Ciciarello aus Villmergen diese Erlebnisse zusammen. Sie und ihre beiden Klassenkameraden Enrico Affuso und Andrea Biffiger schildern stolz, wie es nicht immer einfach war – die Farbauswahl bei den Stoffen und das Erlernen der Flecht- und Webkunst hatten ihre Tücken. Aber jetzt ist der «Multi-Mix», den ihre Klasse geschaffen hat, Teil der neuen Sonderausstellung des Strohmuseums. «Nicht berühren», steht daneben.

Lebendiges und zeitgemässes Museum

«Design total – Stroh inspiriert Schulklassen» feierte am Mittwochabend Vernissage. Die Idee der Kuratorin Anna Hegi, die Ausstellungsfläche dieses Jahr den Kreationen von Kindern zur Verfügung zu stellen, ist neu in der Museumslandschaft – und von hohem partizipatorischem Wert. Die Kulturvermittlerinnen Andrea Zielinski und Andrea Huser erarbeiteten das Konzept und betreuten seine Durchführung von Anfang bis Ende. Mittels Ausschreibung wurden im Herbst 2016 vier Schulklassen aus Villmergen, Eggenwil, Zufikon und Dottikon sowie eine Oberstufenklasse der Heilpädagogischen Schule Wohlen ausgewählt. Das Projekt begann mit einem halbtägigen Workshop und einer Führung durch das Strohmuseum. Dezentral, in ihren Schulhäusern, erarbeiteten danach die Schülerinnen und Schüler ihre Objekte in Teamarbeit – aus den unterschiedlichsten Materialien. Betreut wurden sie von den Jungdesignern Sabine Lauber, Tina Stieger, Annina Gähwiler, Chantal Bavaud, Lea Häfliger und Thomas Walde. «Halm» oder «Vom Pizzamann zum Kaiser» heissen zum Beispiel zwei Exponate: Immer geht es um die Brücke zwischen gestern und heute.

Zur Vernissage begrüsste Anna Hegi im Park hinter der Museumsvilla über 80 Kinder, ihre Lehrpersonen, Designer, Eltern, Behördenmitglieder, Politiker: «Noch nie seit der Eröffnung unseres Museums waren so viele Leute zusammen!» Jacques Isler, der Präsident des Stiftungsrates, wies darauf hin, wie wichtig Sonderausstellungen für die Aktualität und Lebendigkeit eines Museums seien, und bedankte sich bei den Trägern der Ausstellung, der Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons Aargau und der Hutmanufaktur Risa aus Hägg­lingen, und allen Sponsoren. Designer Thomas Walde schliesslich erzählte in seiner Laudatio vom ­erfüllenden Innenleben des kreativen Prozesses, der in Tage­büchern festgehalten wurde: ­«Etwas machen, von dem man am Anfang nicht weiss, was es werden soll», das sei eine grosse mentale Herausforderung, «manchmal muss man einfach einmal ins Blaue hinein anfangen», «aus Irrtümern ergeben sich neue Ideen» und – ganz wichtig: «Das Scheitern ist so wichtig wie das Gelingen!» So viel persönliche, soziale und gestalterische Kompetenz, so viel Lebensweisheit nehmen die Kinder mit.

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

www.strohmuseum.ch

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