ZECKEN: Blutsauger erwachen wieder zu Leben

Mit dem Frühling kommen die lästigen kleinen Vampire des Waldes zurück: Die Zecken erwachen gerade aus ihrer Winterstarre. Sie bedienen sich effizienter Methoden, ihre Opfer zu befallen.

Corina Kälbling und Irene Infanger
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Jetzt im Frühling sind Zecken besonders aktiv, im Wald gilt es deshalb, Vorsicht walten zu lassen. (Bild Stefan Kaiser)

Jetzt im Frühling sind Zecken besonders aktiv, im Wald gilt es deshalb, Vorsicht walten zu lassen. (Bild Stefan Kaiser)

Die Schildzecken sind in der Schweiz am weitesten verbreitet. Sie lauern am Waldrand, an Lichtungen, im Unterholz, an Bächen oder gar im eigenen Garten. Bei der Jagd auf einen Wirt gehen die Zecken äusserst geschickt vor: Sie klettern an die Spitze eines Grashalms oder einer anderen Pflanze und halten sich mit den Hinterbeinen fest. Das vordere Beinpaar strecken sie in die Luft, damit sie einen potenziellen Wirt bemerken, der sich nähert. Mit dem sogenannten Haller’schen Organ, der «Nase» einer Zecke, nehmen die Parasiten bestimmte Stoffe wahr, die im Schweiss eines Lebewesens enthalten sind. Sobald das unwissende Opfer den Grashalm streift, hält sich der Parasit blitzschnell fest und sucht sich eine geeignete Stelle am Körper zum Stechen. Bevorzugt werden feuchte, warme Stellen, wo auch die Haut eher dünner ist. Beliebt sind Kniekehlen, Achseln, hinter den Ohren, zwischen den Zehen oder gar der Bauchnabel. Ein normaler Zeckenstich bleibt meist harmlos, solange das Insekt keine Erreger in sich trägt. Jedoch gibt es auch im Kanton Schwyz die Gefahr von Zecken, die Krankheiten übertragen können. Die Folgen können verheerend sein, wie das folgende Beispiel zeigt.

Gefährliche Krankheiten

Franziska Knobel, Vorstandsmitglied der Organisation Liga für Zeckenkranke Schweiz, leidet an Borreliose. Die 43-Jährige hatte doppelt Pech: «Ich habe die Zecke gar nicht bemerkt. Bis heute weiss ich nicht, wo sie mich gestochen hat.» Hätte sie den Parasiten entdeckt und entfernt, wären die Erreger vielleicht noch nicht übertragen gewesen. Die gefährlichen Borrelien gelangen erst nach einer gewissen Saugzeit in den Wirt. Sie befinden sich im Darm der Zecke und werden beim Verdauungsvorgang in die Stichwunde abgesondert, wenn das Insekt die überschüssige Flüssigkeit zurückgibt.

Obwohl der Stechapparat einer Zecke um ein Vielfaches grösser und gröber ist als derjenige einer Mücke, spürt man nichts, wenn der Parasit mit seinem scherenartigen Mundwerkzeug die Haut des Wirts aufreisst und zusticht. Schon während des Stechens sondert die Zecke ein Betäubungsmittel ab und macht die Stelle unempfindlich. Daher ist es nicht selten, dass man eine Zecke erst nach Tagen oder eben gar nicht bemerkt. Als ein Arzt bei Franziska Knobel die Diagnose stellte, befand sich die Krankheit bereits im Spätstadium. Die Bakterien wird sie nie wieder los. Regelmässig wird sie von Gelenk- und Kopfschmerzen, Müdigkeit und anderen Beschwerden heimgesucht. «Es gab eine Zeit, da konnte ich kaum laufen», erzählt Knobel. Man behandelte sie mit starken Antibiotika. Heute wird alle drei Monate ihr Blutbild begutachtet, damit man sofort merkt, wenn die Bakterien wieder aktiv werden.

Winterzeit ist Impfungszeit

Im Gegensatz zur bakteriellen Infektionskrankheit Borreliose kann man sich gegen die Zeckenhirnhautentzündung, auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) genannt, impfen lassen. Jedoch sollte das spätestens im Winter gemacht werden. Die Impfung besteht aus drei Injektionen, wobei der Schutz erst nach der zweiten Spritze einsetzt. Die ersten beiden Impfungen liegen in der Regel einen Monat auseinander. Die dritte Impfung erfolgt erst nach etwa einem halben Jahr. Impfen sollten sich Personen, die sich häufig im Risikogebiet für FSME aufhalten. Sei dies beruflich oder in der Freizeit. Eine entsprechende Karte des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) weist auf die Risikogebiete hin (zu finden unter map.geo.admin.ch Raum+Bevölkerung/Gesundheit+Sicherheit). Die Karte zeigt, dass gerade für die Innerschwyzer Gebiete Morschach, Riemenstalden und Gersau Impfempfehlungen gegen die Zeckenhirnhautentzündung ausgesprochen werden. Auch in Ausserschwyz gibt es diverse Ortschaften, die zu den FSME-Gebieten mit Impfempfehlung gehören, wie Wollerau, Pfäffikon und Freienbach.

Der Schwyzer Kantonsarzt Svend Capol erklärt auf Anfrage, dass in den Jahren 2010 bis Anfang 2013 insgesamt fünf Fälle von FSME im Kanton Schwyz gezählt wurden. Da die Borreliose nicht meldepflichtig ist, liegen dazu im Kanton Schwyz keine Zahlen vor. Gesamtschweizerisch gesehen lassen sich jährlich rund 2000 Menschen wegen Zeckenbissen behandeln. In diesem Jahr zählte das BAG bisher 1000 Arztbesuche, was im üblichen Rahmen liege. In den Jahren 2011 und 2012 erkrankten jeweils 1000 Personen an der sogenannten Lyme Borreliose. 26 Meldungen wurden wegen der Frühsommer-Meningoenzephalitis registriert. In den ersten Monaten des Jahres 2013 wurde ein FSME-Fall gemeldet.

Keine Panik

Der Wald ist keine Todesfalle, auch nicht in einem Hochrisikogebiet. Selbst die Borreliose-Betroffene Franziska Knobel meidet den Wald nicht seit der Diagnose: «Ich gehe immer noch in den Wald, aber ich bin vorsichtiger.» Sie benutze jetzt auch immer ein Zeckenspray, was sie früher nie gemacht habe: «Ich habe gar nie daran gedacht», bedauert sie.