Zehntes Zimmer unter freiem Himmel

In jeder Ecke steht etwas anderes: Der Garten von Brigitte Hodel (52) in Nebikon gefällt mit Vielfalt und Abwechslung.

Drucken
Teilen
Brigitte Hodel in ihrem Garten in Nebikon. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

Brigitte Hodel in ihrem Garten in Nebikon. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

«Drinnen haben wir neun Zimmer. Das hier ist mein zehntes.» Brigitte Hodel schaut lächelnd über ihren Garten in Nebikon. 28 Aare Umschwung hat das über 200 Jahre alte, umgebaute Bauernhaus, in dem sie seit 31 Jahren mit ihrem Ehemann Othmar lebt. Landwirtschaftlich genutzt hat ihn letztmals der Schwiegervater, heute dient der Aussenbereich als Rückzugsort. «Ein Ausgleich zu meinem Beruf, der sehr kopflastig ist. Ich beschäftige mich mit verhaltensauffälligen Jugendlichen», erzählt die 52-Jährige, die ursprünglich aus Willisau stammt.

Ein Garten mit Wellness-Oase

Seit zirka 15 Jahren baut sie ihren «Liebhabergarten» kontinuierlich auf. «Ich habe in jeder Ecke etwas anderes eingerichtet», sagt sie. Im Eingangsbereich steht der reichhaltige Gemüsegarten mit Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Bohnen, Kürbis, Peperoni, Tomaten, Auberginen und Kohlrabi. Der nächste Abschnitt ist den Kräutern gewidmet, gefolgt von Apfel- und Birnenbäumen. Ferner finden sich Zwetschen, Pfirsiche und Aprikosen, Kiwi-Sträucher, sowie diverse Beerensorten. «Es sind keine Vorzeige-Produkte. Ich verwende keinen Dünger, ich brauche das, was mir die Natur gibt. Im Sommer reicht das, um uns selbst zu versorgen. Einzig das Fleisch kaufen wir hinzu», so Hodel.

Eine Serie Rottannen stammt derweil vom Santenberg, wo die Hodels eine kleine Fläche Wald besitzen. Auch Teeblätter haben im Nebikoner Garten ein Plätzchen gefunden. Daneben finden sich Zierpflanzen in fast allen Farben – regelmässig durchmischt mit Dekorationsgegenständen. Viele davon sind Prototypen aus ihrer Arbeit als Kunstagogin.  Mit den Jugendlichen arbeitet sie kreativ, sie bietet Erlebnispädagogik an oder sie kombiniert beides miteinander. «So lernen die Jugendlichen in einer anderen Form Probleme zu lösen.»

Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
16 Bilder
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ

Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ

Brigitte Hodel schätzt besonders die Arbeit mit Ton. «Ich habe einen starken Bezug zur Erde», erklärt sie. Manchmal steigt sie in die Luthern und schleppt Kessel voller Steine auf ihr Grundstück. Auch Gestein aus dem Badezimmer, das beim Umbau hervortrat, hat sie in den Garten eingefügt. Andere Gegenstände fand sie auf dem hauseigenen Estrich, wie beispielsweise den alten Nachtstuhl. Den hat sie mit Moos überklebt. Immer wieder stöbert Brigitte Hodel in Brockenhäusern nach Neuheiten. Und findet so ein kleines, bemaltes Holzschiff, in das sie Pflanzen setzen kann. Oder einen alten Waschkessel, der zur Heizung eines grossen Badezubers dient. «Das ist unsere Wellness-Oase – für ein Bad im Winter unter Vollmond oder wenn es schneit», schwärmt sie. Alte Objekte haben es ihr generell angetan. «Die haben anderen Menschen gehört. Sie verfügen über eine Geschichte.»

Abgerundet wird der Nebikoner Garten durch einige Sitzgelegenheiten und ein Häuschen mit Cheminée. Zwischen Frühling und Herbst ist Brigitte Hodel täglich in ihrem Reich anzutreffen. Sei es zur Erholung oder bei der Pflege. Im Schuppen finden sich mehrere Rasenmäher, darunter ein Rasentraktor. «Mein Mann und ich haben eine Leidenschaft für Traktoren», erklärt sie. Im hinteren Bereich des Anwesens produziert ihr Mann ein wenig Heu, das er seinem Bruder, einem Landwirten, schenkt.

Trotz der grossen Vielfalt hat es noch genug Platz, um weitere Teilbereiche zu schaffen. «Mit meinem Garten werde ich nie fertig sein, es kommen mir immer wieder neue Ideen», sagt Brigitte Hodel.

Stephan Santschi