Zeit für röhrende Machos im Herbstwald

Nun röhren sie wieder. Während Monaten haben sie sich auf saftigen Weiden mit besten Kräutern ernährt und den prächtigen Kopfschmuck aufgebaut. Jetzt versuchen sie den Weibchen Eindruck zu schinden. Es ist Brunftzeit für Rothirsche.

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Ein Rothirsch im Tierpark Goldau. (Bild: PD)

Ein Rothirsch im Tierpark Goldau. (Bild: PD)

Wenn die Tage kürzer werden und die Bäume das Laub abwerfen, beginnt in den Wäldern die Hochsaison der Rothirsche, wie der Tierpark Goldau in einer Medienmitteilung vom Mittwoch schreibt. Mit Stolz präsentieren die Hirschstiere das mehrere Kilogramm schwere Geweih, das über 20 Enden haben kann.

Um dieses Gewicht zu tragen, braucht es laut Tierpark die Muskelmasse eines Schwingerkönigs im Nacken. Doch die Hirsche wollen nicht nur mit dem Geweih allein imponieren. Das Männchen demonstriert seine Kraft auch, indem es Äste, Laub und Erde durch die Luft wirbelt - reinstes Machogehabe.

Mit dieser Performance beeindruckt der Hirschstier aber nicht nur die anvisierten Weibchen, er kann zugleich einen Teil seines Aggressionspotenzials, das durch den hohen Hormonspiegel aufgebaut wurde, abbauen.

Weibchen fliegen auf die grosse Röhre

Darüber hinaus schindet er mit einem betörenden Geruch Eindruck. Produziert werden die Sekrete von verschiedenen Duftdrüsen bei den Augen, an den Aussenseiten der Hinterbeine und unter der Schwanzwurzel. Schliesslich verspritzt er auch noch den zur Brunftzeit besonders intensiv riechenden Urin grosszügig im Wald.

Das wichtigste Hilfsmittel, um die Weibchen anzulocken, ist aber die Stimme. Das tiefe Röhren ist kilometerweit zu hören. Ist ein Hirschstier so richtig in Fahrt, röhrt er praktisch pausenlos. Je grösser der Stier, umso lauter das Röhren. Hirschkühe können daher anhand der Lautstärke auf die Grösse des Männchens schliessen.

Der Rothirsch war übrigens, wie der Tierpark Goldau mitteilt, in der Schweiz vorübergehend ausgestorben. 1850 wurde im Bünderland die damals letzte Hirschkuh geschossen. Danach blieb die Schweiz nahezu ein Vierteljahrhundert «hirschfrei», bevor die ersten Rückwanderer von Osten der das Land zurückeroberten. Heute sind Rothirsche in den Schweizer Alpen und Voralpen weitgehend etabliert.

sda