Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zeitung als politische Waffe

Zeitungen kamen vor 160 Jahren nicht nur ganz anders daher als heute. Sie hatten auch einen anderen Inhalt.
Die «Schwyzer Zeitung» vom 19. November 1850 war nichts anderes als ein politisches Kampfblatt. (Bild: Bert Schnüriger)

Die «Schwyzer Zeitung» vom 19. November 1850 war nichts anderes als ein politisches Kampfblatt. (Bild: Bert Schnüriger)

Das stockfleckige Blatt hat nur vier Seiten im Format A 4 und ist von vorne bis hinten in altdeutscher Druckschrift bedruckt: die «Schwyzer Zeitung» vom 19. November 1850. Bilder wurden damals noch keine abgedruckt, das Lokale kam nur am Rand vor. Auf der vierten und damit letzten Seite des Blatts veröffentlichte die Schwyzer Bezirkskanzlei zwei Aufrufe zu einer vermissten Urkunde und einer vermissten Person. Und die Schwyzer Apotheker Märchy und Stutzer taten kund, bei ihnen sei «wieder eine neue Sendung ächter Dresdener Gesundheits-Chokolade in bitteren und süssen Qualitäten eingegangen».

Von schweizerischer Bedeutung

Das für heutige Begriffe unscheinbare Blättli hatte es in sich. Es war kein Lokalblatt, sondern widmete sich ausgiebig dem Geschehen in der Eidgenossenschaft und im Ausland. Und dies nicht etwa nur in berichtender, sondern in äusserst engagiert kommentierender Art. So beginnt die Ausgabe vom 19. November 1850 mit einem Bericht aus der Bundesstadt. Der Nationalrat debattierte damals offenbar die Frage der gemischten Ehen. Dazu schrieb die «Schwyzer Zeitung» am 19. November 1850: «Der allgemeinen Beratung über die Frage der gemischten Ehen im Schosse des Nationalrates beizuwohnen, war für einen überzeugungstreuen, gläubigen Katholiken eine sehr unerquickliche, betrübende Sache.»

Zuvor hatten die katholischen Bischöfe der Schweiz ihre Missbilligung der Ehen zwischen Katholiken und Reformierten geäussert. Dazu schrieb der Korrespondent der «Schwyzer Zeitung»: «Die Mehrheit des Nationalrats ärgerte sich über die Eingaben der Bischöfe, ja einige Hauptredner fielen scharf über dieselben her. Protestantische Redner haben mit einer Frivolität, mit einer spottenden Leichtfertigkeit über diese für die Katholiken so wichtige Frage gesprochen, dass es neuerdings die traurige Erfahrung bestätigen musste, wie weit es in unserem Vaterland für die Achtung der katholischen Kirche und deren Rechte gekommen ist.»
Dazu ist zudem anzumerken, dass dies kurz nach dem Sonderbundskrieg von 1847 geschrieben wurde, den Schwyz zusammen mit den anderen katholischen Sonderbundskantonen verloren hatte.

«Pöbelhaftes Benehmen»

In einem weiteren Artikel berichtet der Korrespondent über die Wintersitzung des bernischen Grossen Rates: «Sie war eine für die Fortentwicklung der konservativen Sache in Bern höchst wichtige und folgenreiche, indem die Wahlen sämtlicher Bezirksbeamten sowie die eines Regierungsrates und eines Staatsschreibers in ihr vorgenommen wurden.» Mit dem Wahlresultat könne man zufrieden sein, sämtliche Stellen seien nach dem Vorschlag der konservativen Partei besetzt worden. Der radikalen Partei im Kanton Bern warf der Artikel vor, «dass sie keine Versöhnung will und noch in der den letzten Sitzungen des Grossen Rates durch eigentlich pöbelhaftes Benehmen gegen die Regierung und die Majorität sich die Verachtung aller nicht ganz befangenen Anwesenden zugezogen hat».

«Schmierereien»

Gewettert wird in der damaligen «Schwyzer Zeitung» auch gegen die «Wühler des roten Europa», «die hergelaufenen Fremden und ihre inländischen Helfershelfer» oder gegen «fremde Wühler». Verfasst wurden diese Texte von Korrespondenten, die der Öffentlichkeit weit gehend unbekannt blieben. Dies galt auch für den Korrespondenten in Uri. Er ereiferte sich in der Zeitung über die Berner Zeitung «Bund», deren Urner Schreiber «schon viel Gemeines und Absurdes» über den früheren Urner Landammann Vinzenz Müller geschrieben habe. Es sei traurig, «dass Uri solche Buben hat, welche ihrem politischen und persönlichen Hass durch solche Schmierereien Luft machen».

Politisches Kampfblatt

Die von 1849 bis 1872 zunächst in Schwyz und später in Luzern gedruckte frühere «Schwyzer Zeitung» war ein katholisch-konservatives Kampfblatt. Sie erschien ab 1849 als erste katholisch-konservative Tageszeitung der Schweiz. Ein Jahr zuvor war die neue Bundesverfassung in Kraft getreten. Der Historiker Jürg Auf der Maur schreibt dazu in der Schwyzer Kantonsgeschichte: «Sowohl äusserlich wie vom Gehalt her konnte sie mit der ‹Neuen Zürcher Zeitung› oder der ‹Basler Zeitung› mithalten.» Sie war das damalige Sprachrohr des politischen Katholizismus und national der publizistische Gegenpol zum Berner «Bund», der als wichtigstes Organ der Radikalen galt. Auf der Maur bezeichnet die damalige «Schwyzer Zeitung» als «das Medium der katholischen Schweiz des 19. Jahrhunderts».

Hinter der Zeitungsgründung hatte 1849 auch der Schweizerische Studentenverein gestanden. Die damaligen Studenten sahen sich als junge Schule der Katholisch-Konservativen und stellten sich entschlossen hinter die neue Bundesverfassung. Aus diesen Kreisen entstand ein eigener Politiker-Typus, der sich von den Altkonservativen abhob. Die Spannungen zwischen jungen und alten Konservativen allerdings führten 1872 auch zum Ende der alten «Schwyzer Zeitung». Die heutige «Neue Schwyzer Zeitung» geht auf eine spätere Neugründung im Jahr 1876 zurück und ist bei ihrer Einstellung Ende dieses Jahres 137 Jahre alt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.