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ZENTRALSCHWEIZ: 2000 Wanderer wagen die Härteprüfung

Währenddem andere schliefen, pilgerten in der Nacht auf Auffahrt 2000 Wanderbegeisterte auf die Rigi. Doch nur wer regenfest war, schaffte es bis ganz nach oben.
Die Wandergruppe auf dem Dominilochsteg in Hermetschwil-Staffeln AG. (Bild: Ines Häfliger (9. Mai 2018))

Die Wandergruppe auf dem Dominilochsteg in Hermetschwil-Staffeln AG. (Bild: Ines Häfliger (9. Mai 2018))

Eine organisierte Nachtwanderung auf die Rigi? Warum nicht, dachte ich mir vergangenen Herbst. Kurzerhand meldete ich mich beim Rigimarsch an. Gut ein halbes Jahr später ist meine Unbeschwertheit der Sorge gewichen. Schliesslich ist die vom Verein Rigi 91 organisierte Wanderung nicht ohne: Sie führt von Bremgarten nach Rigi Kulm – eine Strecke, die ungefähr 65 Leistungskilometern entspricht.

Mittwochabend, 20 Uhr. 2000 Wanderbegeisterte haben sich vor dem Sunnemärt eingefunden, um sich der sportlichen Herausforderung anzunehmen. Ausgerüstet mit diversen Energieriegeln und einer Riesenportion Pasta im Bauch fühle ich mich essenstechnisch gewappnet für das Abenteuer. Weniger zuversichtlich als mein Proviant stimmt mich die Vorstellung, zwölf Stunden am Stück unterwegs zu sein. Auch die anderen Teilnehmenden wirken angespannt. Doch lange Zeit zum Überlegen bleibt mir nicht.

Nieselregen eröffnet die Wanderung. Glücklicherweise ist er nur von kurzer Dauer. Die Stimmung ist ausgelassen: Witze werden erzählt, Anekdoten zum Besten gegeben, Gelächter erfüllt die Abenddämmerung. Es wird fleissig überholt – noch sind alle bei guten Kräften. Auch wenn ich bekannt bin für mein zügiges Gehtempo, hüte ich mich davor, meine Energiereserven bereits am Anfang zu verpuffen. Nach drei Stunden Marschzeit gibt es einen ersten Zwischenhalt. In Schoren warten Bouillon, Tee, Brot und Apfelschnitze auf die Wandernden. Etwa 180 Helfer und Helferinnen sind im Rahmen des Rigimarsches im Einsatz. Nebst der Betreuung der Verpflegungsposten sind sie zuständig für die Verkehrsleitung und sanitäterische Betreuung. Nach einer kurzen Stärkung geht es weiter: Zu lange Pausen machen nur müde.

Mittlerweile ist es dunkle Nacht. Landschaft und Wandernde sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Meine Lider sind schwer, ich sehne mir ein Bett herbei. Um die Müdigkeit zu überwinden, suche ich das Gespräch mit den anderen Wandernden. Mich interessiert, was sie zur Teilnahme am Rigimarsch bewegt hat. Eine Gruppe von jungen Frauen will mit der Wanderung den «inneren Schweinehund» überwinden. Wie sie nehmen viele zum ersten Mal am Rigimarsch teil. Andere hingegen kennen die Wanderung in- und auswendig. Ein Wanderer partizipiert zum dritten Mal am Rigimarsch. Die Route ist für ihn eine Aufwärmübung für einen 100-Kilometer-Lauf in Belgien. Damit wird er dem ursprünglichen Sinn des Rigimarsches gerecht: Die Wanderung wurde 1975 als Trainingsroute für den 100-Kilometer-Lauf in Biel konzipiert.

Ausgelassenheit weicht Verzweiflung

Mir genügt die 50 Kilometer lange Marschroute bei weitem. Meine Füsse fühlen sich an, als würden sie von Nadelstichen durchbohrt werden. Doch das leise Flussrauschen und das Zirpen der Grillen lassen den Schmerz zur Nebensache werden. Ich werfe einen Blick auf den Himmel. Noch funkeln die Sterne, doch die aufziehenden Wolken verheissen nichts Gutes. Um 3 Uhr werden meine Ahnungen bestätigt. Es beginnt wie aus Eimern zu schütten. Völlig durchnässt gelange ich beim vierten Verpflegungsposten in Immensee an. Von der anfänglichen Ausgelassenheit ist nicht mehr viel zu spüren. Schulzimmer dienen als Ruheräume, eine Frau fragt verzweifelt nach Kaffee, viele geben auf.

Trotz strömendem Regen entscheide ich mich, weiterzuwandern. Auf der Seebodenalp ist dann aber auch für mich Schluss. Meine Wanderschuhe gleichen einem Teich, und die Regensachen kleben nasskalt auf meinem Körper. Ein Shuttlebus bringt mich zurück nach Arth-Goldau. Doch eines steht fest: Nächstes Jahr wandere ich bis ganz nach oben – Rigimatsch hin oder her.

Ines Häfliger

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

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