ZENTRALSCHWEIZ: Blutnotstand: Jetzt zählt jede Spende

Dem Blutspendedienst unserer Region fehlt es an Blut: Die Vorräte der Blutruppe null liegen derzeit weit unter dem Minimalbestand. Und dies zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.

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Einer Spenderin wird im Blutspendezentrum in Luzern an der Maihofstrasse Blut entnommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Einer Spenderin wird im Blutspendezentrum in Luzern an der Maihofstrasse Blut entnommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Yasmin Kunz

Auf der Kommunikationsplattform Twitter hat der Blutspendedienst Zentralschweiz dieser Tage einen Aufruf gestartet: Gesucht werden Blutspender mit den Blutgruppen null positiv und null negativ. Grund: Der Vorrat dieser Blutgruppen liegt derzeit weit unter dem Minimalbestand. Tina Weingand, Chefärztin des Blutspendediensts Zentralschweiz, sagt: «Wir müssen unser Lager dringend wieder füllen.»

Keine Spenden an Weihnachten

Seit der Weihnachtszeit herrscht ein Spendernotstand in der Zentralschweiz. Dies sei darauf zurückzuführen, «dass viele Personen über die Festtage mehrere Tage frei hatten und nicht zum Spenden kamen», erklärt Weingand. Generell würden die Vorräte über Weihnachten und Neujahr eher auf niedrigem Niveau liegen, «doch dieses Jahr ist die Situation speziell, weil die Feiertage gut lagen, um gleich noch ein paar Freitage anzuhängen».

Die Blutgruppe null ist bei den Spitälern, wo das Blut letztlich gebraucht wird, besonders gefragt, «weil es sich um die Universalblutgruppe handelt», sagt Weingand. Will heissen: Blutgruppe null negativ kann bei allen Patienten eingesetzt werden. Darum wird sie auch bei Notfällen verwendet, beispielsweise wenn noch nicht klar ist, welcher Blutgruppe der Patient angehört.

Der Blutspendedienst Zentralschweiz zählt rund 9221 aktive Spender – etwa 1000 weniger als noch im Jahr 2014. 30 Prozent dieser Spender sind in Luzern registriert. Letztes Jahr verzeichnete das Blutspendezentrum rund 1200 Neuspender. Erwünscht wäre allerdings ein Zuwachs von 2000 neuen Spendern pro Jahr. Obwohl aufgrund der verfeinerten Operationstechniken pro Patient nicht mehr so viel Fremdblut zum Einsatz kommt wie noch vor einigen Jahren, braucht es aus demografischen Gründen mehr Spender.

500 Mails an Spender verschickt

Das Blutspendezentrum Zentralschweiz hat in diesen Tagen rund 500 Mails an Spender der Blutgruppen null und A verschickt. A deshalb, weil Herr und Frau Schweizer zu 47 Prozent diese Blutgruppe haben (siehe Grafik). Zudem wird man im laufenden Monat noch drei mobile Aktionen durchführen, damit die Blutreserven wieder aufgestockt werden können.

Im Gegensatz zur Zentralschweiz ist die Situation landesweit etwas entspannter. Rudolf Schwabe, SRK-Blutspendedirektor, sagt: «Die Bestände sind aktuell auf einem recht guten Niveau.» Von der meistgebrauchten Blutgruppe null negativ habe man noch rund 800 Beutel auf Reserve. «Der Minimalbestand liegt zwischen 600 und 800. «Im Notfall könnten wir der Zentralschweiz aushelfen», so Schwabe. Das war nicht immer so. Im Vorjahr verzeichnete man im Dezember schweizweit einen deutlich niedrigeren Bestand an Blutreserven. Dass es heuer anders ist, führt Schwabe vor allem auf die zahlreichen mobilen Aktionen im Dezember zurück. Der Verbrauch von Spenderblut sei über die Festtage im erwarteten Bereich gewesen.

Sorgen um die Blutreserven müssen sich die Zentralschweizer noch nicht, so Weingand. «Derzeit können noch alle Patienten mit Spenderblut versorgt werden.» Würde die Reserve schweizweit abnehmen, müssten schlimmstenfalls nicht dringende Operationen verschoben werden.

Nach Grippe zwei Wochen warten

Trotzdem kommt der Zentralschweizer Aufruf nicht von ungefähr. Denn schon bald könnte die nächste Spenderflaute bevorstehen: Während der Fasnacht verzeichnet das Blutspendezentrum jeweils deutlich weniger Spender. Ausserdem ist laut Weingand eine Grippewelle im Anmarsch – alle Erkrankten dürfen mindestens zwei Wochen nicht mehr spenden.

Gute Gesundheit ist nur eines von vielen Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit man sein Blut spenden darf. Wer sich beispielsweise in einem Malariagebiet aufgehalten hat, darf sechs Monate kein Blut spenden, auch wer sich ein Tattoo oder Piercing hat machen lassen, muss eine Wartefrist von vier Monaten einhalten.

«Unsere Blutprodukte sind sicher»

Die Liste der Kriterien ist lang. Diese braucht es aber, um sowohl die Gesundheit des Patienten als auch jene des Spenders zu schützen. Weingand: «Unsere Blutprodukte sind sehr sicher, was auch auf die Einhaltung dieser strengen Kriterien zurückzuführen ist.» Gemäss der Chefärztin müssen immer wieder Spendewillige zurückgewiesen werden. Sie hofft, «dass diese Verständnis haben und wieder kommen».

Das gilt es zu beachten

Medizin red. Der Blutspendedienst beantwortet im Folgenden die wichtigsten Fragen rund ums Blutspenden.

  • Wer kann Blut spenden?

Gesunde Menschen zwischen 18 und 65 Jahren (mit Einverständnis des Spendearztes bis 75 Jahre). Spendetauglich ist, wer mindestens 50 Kilogramm wiegt und normale Blutdruck-, Puls- und Blutfarbstoffwerte aufweist. Mit einem Fragebogen werden auch Krankheiten oder Reisen in bestimmte Länder abgeklärt.

  • Wie viel Blut wird gespendet, und wie lange dauert die Spende?

Bei jeder Blutspende fliessen 4,5 Deziliter Blut in einen Beutel, der eine exakt für diese Menge bemessene gerinnungshemmende Flüssigkeit enthält. Die eigentliche Spende dauert 10 Minuten. Samt Vorbereitung, Ruhepause und Imbiss ist beim ersten Mal mit etwa 40 Minuten zu rechnen, nachher mit einer halben Stunde.

  • Was ist vor und nach der Spende zu beachten?

Nicht mit nüchternem Magen Blut spenden. Trinken Sie genügend Flüssigkeit. Nach der Spende sollten während rund 24 Stunden keine grösseren körperlichen Anstrengungen unternommen werden. Diese Zeit braucht der Körper, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Durch das Blutspenden sinkt der Blutdruck kurzfristig leicht ab, steigt aber rasch wieder an. Nach einigen Wochen hat der Körper das gespendete Blut vollständig ersetzt.

  • Wie häufig kann man spenden?

Bei guter Gesundheit kann viermal jährlich gespendet werden, mit zehnwöchigen Pausen dazwischen.

Hinweis

Dies sind die nächsten mobilen Blutspende­aktionen: Dienstag, 19. Januar, Schulhaus Cher, Brünigstrasse 162, Sarnen; 17 bis 19.30 Uhr. Dienstag, 26. Januar, Paraplegiker-Zentrum, Aula, Nottwil, 15 bis 18 Uhr.

Weitere Infos: www.blutspende.ch und www.bsd-luzern.ch