ZENTRALSCHWEIZ: Das Kurioseste aus dem Polizeialltag 2016

Gewalt, Betrug, Diebstahl: Beruflich haben Polizisten in der Regel wenig zu lachen. Aber es gibt sie, die schrägen Fälle, die einem doch irgendwie ein Schmunzeln abringen.

Lena Berger
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Etwas überladen: Dieser Fahrer schnallte 1 Roller, 2 Kinderwagen und 15 Velos auf sein Auto. (Bild: Luzerner Polizei (Emmenbrücke, 11. Dezember 2016))

Etwas überladen: Dieser Fahrer schnallte 1 Roller, 2 Kinderwagen und 15 Velos auf sein Auto. (Bild: Luzerner Polizei (Emmenbrücke, 11. Dezember 2016))

Lena Berger

 

Nicht jeder kann ein Moriarty sein. Sherlock Holmes-Erfinder Conan Doyle konzipierte den Meisterverbrecher als einen genialen, fast ebenbürtigen Gegenspieler seines Helden. Die Realität ist dagegen ernüchternd. Von wegen Intellekt und Esprit: Echte Gesetzesbrecher stellen sich oft richtig doof an, wie unser Rückblick aufs Jahr 2016 zeigt.

Dümmer als die Polizei erlaubt

Gäbe es einen Darwin-Award für gescheiterte Verbrecher, hätte die Zentralschweiz vielversprechende Kandidaten zu bieten.

Da wäre zum Beispiel der «Das-passt-noch-drauf-Mann». Seit dieser Fall bekannt wurde, ist jedem klar: Ja, es fällt auf, wenn man mit Seil 1 Roller, 2 Kinderwagen und 15 Velos auf sein Auto packt und damit seelenruhig über die Autobahn fährt. So geschehen im Dezember in Emmenbrücke. Der Fahrer musste die Ware umladen – und eine Busse von 920 Franken zahlen.

Auch wer illegalerweise mit einem selbst montierten Blaulicht durch die Strassen kurvt, darf sich nicht wundern, wenn dies der Polizei ins Auge sticht. Und vielleicht sollte man gerade dann nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn man betrunken ist und zu allem Überfluss auch Waffen im Auto bunkert. Die beiden Männer, die im März in Ebikon aufgegriffen wurden, mussten nach ihrer Aktion bei der Staatsanwaltschaft antraben.

Ins Visier der Ordnungshüter gerieten an einem schönen Julitag auch zwei Sportskanonen aus den USA. Auf der Autobahn A 4a Richtung Zug trainierten sie an einem Mittwochmorgen zur Stosszeit mit ihren Velos frisch fröhlich für den Ironman. Die Trainingsstunde bezahlten sie mit einem Strafzettel.

Ein weiterer Anwärter für den Titel des dümmsten Verbrechers des Jahres ist ein junger Raser. Nicht nur beschloss er eines Tages mit 180 km/h über die Autobahn zu preschen, er fuhr bei einer Kontrolle auch noch einem Polizisten über den Fuss. An der Verhandlung vor dem ­Luzerner Kriminalgericht im Juli beteuerte er lang und breit, aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Seine Glaubwürdigkeit wurde allerdings durch die Tatsache geschmälert, dass er trotz entzogenem Fahrausweis mit einem Auto zur Gerichtsverhandlung fuhr – und das erst noch mit gestohlenen Nummernschildern. Dafür kassierte er von den Richtern eine Freiheitsstrafe von 2? Jahren.

Durstige Diebe und müde Einbrecher

Was Diebstähle angeht, so kann nur erstaunen, was die Leute zu klauen bereit sind. Das geht von der gewaltsamen Entführung eines Bonsai-Baums in Schwyz über das Abzapfen von Benzin bei der Feuerwehr Uri bis hin zum Abtransport von 4? Tonnen Nickel in Luzern. Zwei Fälle allerdings sind besonders in Erinnerung geblieben.

Im Juni kam ans Licht, dass ein Mann in der Brauerei Eichhof über Jahre hinweg Bier gestohlen hatte. Und zwar in rauen Mengen. Der Chauffeur lud gerne mal ein paar Tanks mehr auf, als auf dem Lieferschein standen. Einen Teil seiner Beute verhökerte er an Beizen in der Region. Manchmal liess er aber auch gratis ein Fass springen. Als er aufflog, waren schon 2500 Liter Bier im Gesamtwert von Wert von 13500 Franken gestohlen worden. Er wurde mit einer saftigen Busse sowie einer Geldstrafe bestraft.

Durstig waren im Juni offenbar auch drei britische Staatsangehörige in einem Hotel im Kanton Schwyz. Zwei Männer und eine Frau mopsen an der Rezeption mehrere Zimmerschlüssel und machten sich dann auf, um sämtliche Minibars zu plündern. Nachdem alles leer getrunken war, legten sie sich aufs Ohr. Geweckt wurden sie dann von der Polizei.

Tierische Zwischenfälle

Menschen haben in der Regel nur dann mit Polizisten zu tun, wenn sie etwas ausgefressen haben. Für Tiere jedoch sind sie öfter mal die Retter in der Not.

So erreichte die Kantonspolizei Schwyz eines Nachts im Juli die beunruhigende Meldung, dass eine ältere Person «komische Geräusche» von sich gebe und ihr eventuell etwas passiert sei. Vor Ort befand sich tatsächlich jemand in einer misslichen Lage: eine getigerte Hauskatze. Sie war zwischen einer Hauswand und einem Geräteschuppen eingeklemmt – und gab in der Tat seltsame Töne von sich. Zur Rettung der Katze musste die Feuerwehr gerufen werden, die ein Loch in eine Seitenwand sägte, um das Tier zu befreien.

Bis heute nicht restlos geklärt ist der Fall einer ausgebüxten Geiss aus Buchrain. Eines Nachmittags im Oktober weidete sie auf dem Grünstreifen der Autobahn A 14 – innerhalb des Wildschutzzaunes. Wie ihr das gelungen war, ist nicht bekannt. Nicht auszuschliessen ist, dass ihre Gefrässigkeit ihr wundersame Kräfte verlieh. Den ausgerückten Polizisten gelang es schliesslich, das Tier mit einem gezielten Sprung einzufangen. Sie brachten es auf den Polizeiposten in Ebikon. Dort konnte der Besitzer seine abenteuerlustige Ziege abholen.

Einen unfreiwilligen Ausflug – im wörtlichen Sinne – machte dagegen im Juni ein Pferd in Rothenburg. Beim Überqueren des Rotbachs brach das Tier plötzlich in der kleinen Brücke ein und blieb im Holzboden stecken. Weder ein Vor noch ein Zurück war möglich. Die Feuerwehren von Rothenburg und Emmen bauten daraufhin einen Flaschenzug, um das Pferd zu befreien. Danach wurde es mit einem Helikopter zurück auf den Hof geflogen – es hatte sich nur leicht verletzt.

Glück im Unglück

Hin und wieder hat die Polizei auch Positives zu vermelden. Hier die Good News des Jahres 2016:

Dank Zivilcourage ist im Mai ein Senior in Schwyz vor dem Ertrinken gerettet worden. Er stürzte in Altendorf in den See. Als er den ihm zugeworfenen Rettungsring nicht festhalten konnte, sprang ein junger Mann ins kalte Wasser und holte ihn an Land.

Im April stellte zudem ein junger Mann seine Ehrlichkeit unter Beweis. Er fand in Kriens ein Portemonnaie, in dem sich über 7000 Franken befanden. Umgehend lieferte er seinen Fund bei der Polizei ab, noch bevor der Besitzer sich dort gemeldet hatte.

Unfreiwilliger Ausflug: Ein Pferd musste nach einem Unfall im Juni in Rothenburg von einem Helikopter gerettet werden. (Bild: Luzerner Polizei)

Unfreiwilliger Ausflug: Ein Pferd musste nach einem Unfall im Juni in Rothenburg von einem Helikopter gerettet werden. (Bild: Luzerner Polizei)

Eine hungrige Geiss hat sich im Oktober auf den Grünstreifen der Autobahn A14 bei Buchrain verirrt. (Bild: Luzerner Polizei)

Eine hungrige Geiss hat sich im Oktober auf den Grünstreifen der Autobahn A14 bei Buchrain verirrt. (Bild: Luzerner Polizei)