Zentralschweiz: Die grosse Wahlsiegerin heisst CVP

Nach dem Erfolg bei den Ständeratswahlen im Kanton Schwyz ist klar: Die Christdemokraten sind in der Zentralschweiz neu die mit Abstand stärkste Partei. Auf einem Tiefpunkt angelangt ist die FDP.

Lukas Nussbaumer
Drucken
Teilen

Sieger in Schwyz und Uri, Verlierer in Obwalden, in den anderen Zentralschweizer Kantonen die Mandate gehalten. Für die CVP-Sektionen in der Zentralschweiz sind die nationalen Wahlen mit der gestrigen Rückeroberung des Ständeratssitzes in Schwyz durch Othmar Reichmuth mit einem Erfolg zu Ende gegangen. Durch den Sieg in Schwyz und die damit einhergehende Niederlage der SVP konnte die CVP ihre Sitzzahl in der Zentralschweiz von zehn auf elf ausbauen:

Besonders bemerkenswert ist diese Bilanz, weil die Zentralschweiz in der neuen Legislatur nur noch 29 statt 30 Bundesparlamentarier stellt. Grund: Luzern hat neun statt zehn Mandate, weil das Bevölkerungswachstum nicht so stark war wie in anderen Kantonen. 2015, 2011 und 2007 besetzte die CVP exakt einen Drittel der Zentralschweizer Mandate in Bundesbern, 2003 waren es zwölf.

Links-Grün noch immer unter Stärke von 2011 und 2007

Zweite Auffälligkeit im bürgerlichen Lager ist die Schwäche der FDP. Sie hielt seit 2003 stets sieben oder acht Mandate – der Sturz auf sechs ist ein Tiefpunkt. Anders bei der SVP, die im Vergleich zu 2015 ebenfalls zwei Mandate einbüsste (neu 8): Sie war 2011 und 2003 noch schwächer, als sie bloss sieben Vertreter nach Bern delegieren konnte.

Das linke Lager konnte seine Sitzzahl zwar auf vier verdoppeln. Doch damit sind SP, Grüne und GLP noch immer weniger gut vertreten als 2011 und 2007, als diese drei Parteien zusammen fünf Mandate hielten.

Politologe Tobias Arnold: Kampagne auf Google half der CVP wohl

Politologe Tobias Arnold.

Politologe Tobias Arnold.

Politologe Tobias Arnold von Interface Politikstudien in Luzern analysiert für unsere Zeitung die Leistungen und den Formstand der Parteien in der Zentralschweiz.

Die Gründe für das Hoch der CVP in der Zentralschweiz.

Tobias Arnold will bei total einem Sitzgewinn in sechs Kantonen nicht von einem Hoch sprechen. Die CVP habe aber zumindest den von vielen erwarteten Abwärtstrend stoppen können und in jener Region leicht zugelegt, in der sie historisch gesehen schon immer stark war. Nachträglich könne man auch sagen, dass ihr die Kampagne mit Google nicht geschadet, sondern vielleicht gar eher genützt habe. Die CVP schaltete Inserate, wo nach SVP- oder SP-Kandidaten suchende Wähler bei der CVP landeten.

Darum brach die FDP ein.

Die Verluste der FDP stehen für Arnold wie jene der SVP im Zusammenhang mit den nationalen Verlusten. Da habe auch die Hauruck-Aktion mit der Mitgliederbefragung zu Klimathemen nichts mehr gebracht. Es sei symptomatisch, dass die FDP in Luzern und Zug je einen Sitz an Personen verloren habe, deren Parteien das Wort «grün» im Namen tragen. In Luzern profitierte GLP-Mann Roland Fischer von der Schwäche der FDP, in Zug war es Manuela Weichelt-Picard von den Alternativen – die Grünen.

Warum der linke Block mit SP, Grünen und GLP noch immer unter der Stärke von 2011 und 2007 zurück liegt.

Dass der links-grüne Siegeszug in der Zentralschweiz weniger stark ausfällt, erstaunt Arnold nicht. «Die Zentralschweizer Kantone gehören nebst Teilen der Ostschweiz und dem Tessin zu den konservativsten Regionen der Schweiz», so Arnold.

In dieser Form befinden sich die Parteien.

Diese und die letzte Wahl hätten klar gezeigt, dass die aktuelle Themenlage einen grossen Einfluss auf die Resultate haben. Bleibe das Thema Ökologie weiterhin derart prominent, würden die Grünen und die GLP auch in Zukunft davon profitieren. Doch Arnold warnt:

«Ein Blick vier Jahre zurück zeigt, dass es nicht einfach ist, ein Thema über mehrere Jahre am ‹Köcheln› zu halten.»

Sowohl der Greta-Thunberg-Effekt in diesem Jahr als auch die hohen Flüchtlingszahlen 2015 seien Ereignisse gewesen, die nicht von den Parteien gesteuert worden seien, die aber die Wahlergebnisse zu einem grossen Grad beeinflusst hätten.