ZENTRALSCHWEIZ: Er sucht in Afrika ein Leben fernab der Komfortzone

Oliver Beccarelli zeigt Touristen die Wildnis und bringt ihnen das einfache Leben bei. ­Nächste Woche gastiert der Abenteurer in der Region.

Christian Hodel
Drucken
Teilen
Der Abenteurer Oliver Beccarelli (39) liebt die Wildnis und die weiten Steppen in Afrika. (Bild: PD)

Der Abenteurer Oliver Beccarelli (39) liebt die Wildnis und die weiten Steppen in Afrika. (Bild: PD)

Christian Hodel

Das Abenteuer ist sein Beruf: Im Kongo wurde Oliver Beccarelli (39) verhaftet und vier Stunden in einer stickigen Lehmhütte verhört, weil man ihn mit einem mutmasslichen Mörder verwechselte. Dann liess man ihn ziehen. Die Bedingung des Polizeichefs: Eine Runde Bier für das ganze Dorf. 200 Dollar zahlte Beccarelli für seine wiedergewonnene Freiheit. Ein anderes Mal überquerte der Abenteurer im Tschad die Landesgrenze. Eigentlich habe er nur sein Visum einstempeln lassen wollen, sagt Beccarelli. Doch ein Geheimdienstmitarbeiter hielt ihm plötzlich eine Kalaschnikow an die Schläfe. Nach zwei Stunden Verhör in brütender Hitze war auch diese «Bauchwehsituation» erledigt, wie es Beccarelli nennt. «Bis jetzt waren dies zum Glück die einzigen Momente, in denen ich ein mulmiges Gefühl hatte.»

Auf Antilopenjagd in Namibia

30 von 54 afrikanischen Staaten hat der Abenteurer bereist. In den vergangenen fünf Jahren war er fast die Hälfte der Zeit unterwegs – sammelte Geschichten und Fotos, die er nun in der Zentralschweiz auf die Bühne bringt. «Namibia – am Lagerfeuer mit Oliver Beccarelli» heisst seine neueste Erlebnisshow. Fotos, Videos, gespielte Szenen erwarten die Besucher. «Sie sollen das Gefühl bekommen, als wären sie selber unterwegs gewesen», sagt Beccarelli. Am Mittwoch tritt er in Stans auf, danach in Altdorf, Sarnen und Schwyz (siehe Hinweis). Der Abenteurer erzählt in seinen Shows, wie er mit Buschleuten auf traditionelle Antilopenjagd geht oder eine Skitour durch die Wüste versucht. Zudem berichtet er von seiner ersten Wildnisexpedition «Into the Wild» mit Touristen in Namibia mit dem Ziel, Wüstenelefanten zu finden.

«Ich werde nicht reich damit»

Bei diesen Touristenexpeditionen steht Beccarelli, ausgebildeter Berufscoach, einer Gruppe von maximal sechs Personen zur Seite, die in der Wildnis Namibias unterwegs ist. Nur mit Schlafsack, ohne Handy oder Zelt. 18 Tage lernen sie, sich zu Fuss oder mit dem Geländewagen in der fremden Umgebung zurechtzufinden. Rund 8000 Franken zahlen Interessierte für dieses Abenteuer – all inclusive. Ein Geschäft, das sich für den in Langenthal wohnhaften Bündner lohnt? «Eine solche Reise ist eine persönliche Investition, die bereichert», sagt Beccarelli. Bei der Expedition gehe es darum, eine neue Perspektive zum Leben zu finden. Und einen Schritt aus der eigenen Komfortzone zu machen. «Es ist kein billiges Survival-Camp, wie man es vielleicht vom Fernsehen kennt. Ich will den Leuten zeigen, wie man sich in dieser fremden Gegend zurechtfindet.»

Bevor sich Beccarelli 2012 mit seiner Abenteuerleben GmbH selbstständig machte, habe er in leitenden Positionen bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet – unter anderem leitete er in Sursee eine Geschäftsstelle in der Personalvermittlung. 2010 nahm er sich eine Auszeit. 15 Monate ging er mit seiner Lebenspartnerin auf Entdeckungstour durch Afrika. Über seine Erlebnisse schrieb er im Internet einen Blog. Zurück in der Schweiz wurde er für Vorträge eingeladen. Weitere Anfragen kamen hinzu. «Ich bin quasi reingerutscht in das Abenteuergeschäft. Aber vielleicht war alles doch irgendwie vorbestimmt.»

Der Grossvater lebte es vor

Angefangen hat das Abenteuerleben mit einer geerbten Schachtel seines verstorbenen Grossvaters, ein Drogist, der viele Male Afrika und Indien bereiste. In der Schachtel waren alte Dokumente und Fotos. Eines Tages beschliesst der Enkel, sich auf die Spuren seines Grossvaters zu machen. «Am Anfang waren es Abenteuerreisen wie die Besteigung des Mount Kenya oder des Kilimandscharo. Immer mehr Länder kamen dazu. Mittlerweile sind das Abenteuer und Afrika ein Teil meines Lebens.» Die nächste Reise ist bereits in Planung: Im Mai 2017 will er zusammen mit seiner Partnerin in einem russischen Ural-Motorrad mit Seitenwagen durch die «wildesten Gebieten Afrikas fahren».

Hinweis

«Namibia – am Lagerfeuer mit Oliver Beccarelli» am 20.1. im Spritzenhaus Stans; am 21.1. in der MZH Winkel Altdorf; am 22.1. in der Aula Cher Sarnen und am 28.1. im Mythen-Forum Schwyz. Beginn: Jeweils um 19.30 Uhr. Eintritt für Erwachsene: 27 Franken. Ticketreser­vationen und mehr Infos unter: www.oliverbeccarelli.com

Wir verlosen Tickets
Unter unseren Lesern verlosen wir 3-mal 2 Tickets für einen Vortrag mit Oliver Beccarelli. Und so funktionierts: Wählen Sie bis am Montag, 24 Uhr, die angegebene Telefonnummer, oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ermittelt und informiert. 0901 83 30 24
(1.50 Fr. pro Anruf, Festnetztarif)