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ZENTRALSCHWEIZ: In Luzern und Zug müllert es

Müller, Odermatt oder Gisler: Das sind drei der häufigsten Familiennamen in der Region. Sprachwissenschaftler Viktor Weibel erklärt, warum wir heissen, wie wir heissen.
Bild: Grafik: Janina Noser / Neue LZ

Bild: Grafik: Janina Noser / Neue LZ

Christian Hodel

Alles Müller, oder was? In Luzern und Zug trifft dies zu. In Nidwalden hingegen ist der Familienname Odermatt am häufigsten verbreitet. In Obwalden dominieren die Durrers, und der Kanton Uri wird von den Gislers und den Arnolds beherrscht. Und wer einer Schwyzerin begegnet, spricht sie am besten mit Frau Kälin an (siehe Grafik).

Auf www.local.ch, einem der umfassendsten Online-Telefonbücher der Schweiz, sind im Kanton Schwyz über 1000 Personen mit diesem Familiennamen registriert das ist mit grossem Abstand Platz eins.

Namen stammen oft von Berufen

In der Schweiz ist Müller der häufigste Nachname, analog dem Kanton Luzern. Dies zeigt eine Auswertung der Zeitung «Der Bund» von allen über 2,6 Millionen eingetragenen privaten Telefonanschlüssen bei search.ch, einem weiteren Online-Telefonbuch.

Doch woher kommen unsere Familiennamen? Warum heissen Luzerner am häufigsten Müller, Bucher und Meier? «Namen gehen auf verschiedene Ursprünge zurück», sagt der Schwyzer Sprachwissenschaftler Viktor Weibel (71) gegenüber unserer Zeitung. Einige Familiennamen seien aus einem Beruf hervorgegangen, beispielsweise Müller, Kaufmann oder auch Hodel. «Der Begriff Hodel bedeutet Händler und bezeichnet einen herumziehenden, im Klein- oder im Zwischenhandel tätigen Kaufmann.» Ebenso nahm der Händler wohl einen Wagen mit, der mit «Hudeln», also Tüchern, bedeckt war.

Ein Gisler treibt die Schulden ein

Viele Familien seien aber nicht nach Berufen benannt, sondern nach einem Hof oder einem Dorf, sagt Weibel. Der Name Bucher zum Beispiel beziehe sich auf eine Örtlichkeit namens Buech. Odermatt wiederum heisse übersetzt «ob der Matt wohnend». Auch der Familienname Niederberger gehe auf eine Örtlichkeit zurück. «Dabei ist aber nicht ein Gebirge gemeint, sondern ein Landwirtschaftsraum, der sich örtlich in einer Niederung befindet.»

Und welche Bedeutung steckt im Namen Gisler und in Ihrem Namen? «Das sind Funktionsnamen», sagt Weibel. Früher seien die Schuldeneintreiber als Gisler bezeichnet worden. «Und ein Weibel hatte unter anderem die Aufgabe, amtliche Nachrichten zu überbringen.» Allgemein seien viele Namen von Ämtern abgeleitet: Bischof, Sigrist oder auch Meier/Meyer ein vom adligen oder geistlichen Grundherrn eingesetzter Gutsverwalter. «Da es früher keine geregelte Rechtschreibung gab, schrieb man in den verschiedenen Regionen und Epochen den gleichen Namen unterschiedlich. In einigen Orten hiess einer Meier, anderswo Meyer oder Maier.» Weil in der Zwischenzeit die Familiennamen amtlich geworden seien, dürfe die Schreibweise nicht mehr geändert werden, sagt Weibel. Will heissen: Wer als Meyer geboren wird, bleibt für immer ein Meyer mit y.

Familiennamen sind noch jung

Warum gewisse Familiennamen in der Zentralschweiz besonders stark verbreitet sind, kann Weibel nicht gänzlich erklären. «Das sind historisch bedingte Zufälligkeiten. Irgendwann hat sich eine Sippe mit dem gleichen Namen in einer Ortschaft niedergelassen, sodass sich der Name über Generationen hinweg verbreiten konnte.»

Klar ist, dass Familiennamen erst im Hochmittelalter um das 13. Jahrhundert in der Schweiz populär wurden. «Früher gab es nur das, was wir heute Vornamen nennen», sagt Weibel. «Irgendwann brauchte man aber eine genauere Bezeichnung, um die Leute unterscheiden zu können.» Der Beruf, ein Amt oder der Wohnort wurden als Beinamen hinzugenommen aus einem Lehrer oder einem Studenten wurde ein Herr Schuler. Manche Familiennamen beruhen aber auch auf Übernamen – etwa Klein, Gross, Schön oder Hässig. Ein hellhäutiger Mann wurde zum Herrn Weiss oder Wyss, einen Rothaarigen nannte man Roth, einen Dunkelhaarigen Schwarz.

«Ein Kälin hat einen dicken Hals»

«Ein Kälin, ein beliebter Name in Einsiedeln, wiederum ist eine Person mit einem auffälligen dicken Hals», sagt Weibel. Ebenso gehen etwa die Namen Reichmuth oder Dummermuth auf einen Übernamen zurück. «Ersterer ist jemand, der reich an Mut ist. Und Letzterer bedeutet das Gegenteil.» Der in Zug häufig vorkommende Name Iten leitet sich aus den Vornamen Ita oder Ito ab.

Im Laufe der Zeit wurden in der Schweiz die Familiennamen immer wichtiger etwa für die Tauf- oder Sterberegister. Um das Jahr 1800 hat man in der Helvetischen Republik das Bürgerrecht eingeführt. «Heute braucht man in der Schweiz einen Vor- und einen Nachnamen, um sich registrieren zu lassen.» Dabei sorgt unter anderem die Immigration dafür, dass immer neue Familiennamen hinzukommen.

Hinweis

Journalisten von «Tages-Anzeiger»/«Der Bund» haben alle Einträge privater Haushalte des Online-Telefonbuchs search.ch kartografiert. Wie häufig Ihr Name in der Schweiz verbreitet ist, finden Sie unter: www.namen.derbund.ch

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