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Zentralschweiz: Schnee, Kälte und Lawinen verzögern den Start des Alpsommers

Tiefe Temperaturen und ein langer Winter wirken sich auf viele Alpbetriebe negativ aus. Bauern aus der Zentralschweiz brachten ihre Tiere später auf die Alp als üblich. Geröll macht einigen den Alltag schwer.
Roger Rüegger
Auf der Alp Fräkmüntt hat eine Lawine Geröll und Äste mitgerissen. Eine Bewirtschaftung der Alp ist nicht vollumfänglich möglich. (Bild: Dominik Wunderli, 18. Juni 2019)

Auf der Alp Fräkmüntt hat eine Lawine Geröll und Äste mitgerissen. Eine Bewirtschaftung der Alp ist nicht vollumfänglich möglich. (Bild: Dominik Wunderli, 18. Juni 2019)

Steil führt die schmale Strasse von Alpnach her bergwärts. Nach sieben Kilometern treffen wir bei der Alp Lütholdsmatt auf 1220 Metern Höhe ein. Vier Leute feiern den 98. Geburtstag eines Freundes von Bauer Markus Albert. Wein und Älplermagnonen gibt’s. Albert jedoch ist es nicht ums Feiern.

Zwar sind seine 27 Milchkühe und 35 Jungtiere seit 21. Mai auf der Lütholdsmatt, bald aber müssen die Tiere auf den Oberstafel Tumli umplatziert werden. «Die Lütholdsmatt ist nur die Voralp. Anfang Juli sollten die Tiere hoch zur Alp, die auf 1800 Meter liegt», sagt Albert. Ob die Tiere in der vorgesehenen Zeit dort platziert werden können, ist jedoch unklar.

An eine Bewirtschaftung ist derzeit nicht zu denken

Grund ist eine Lawine, die Bäume, Steine und Erdmasse mitgerissen hat. Dieses Material liegt jetzt grossflächig auf dem Land, das bewirtschaftet werden soll.

Auf der Alp Fräkmünt ist eine Lawine niedergegangen und hat ganze Baumstrünke mitgerissen. (Bilder: Dominik Wunderli, 18. Juni 2019)Auf der Alp Fräkmünt ist eine Lawine niedergegangen und hat ganze Baumstrünke mitgerissen. (Bilder: Dominik Wunderli, 18. Juni 2019)
Äste und Geröll liegen nun weit verstreut über die ganze Alp. Dadurch können die Tiere nicht weiden. Äste und Geröll liegen nun weit verstreut über die ganze Alp. Dadurch können die Tiere nicht weiden.
Von dieser Erhöhung hat sich ein Erdrutsch gelöst.Von dieser Erhöhung hat sich ein Erdrutsch gelöst.
Das Geröll, Felsbrocken und Äste machen eine Bewirtschaftung der Weide nicht möglich.Das Geröll, Felsbrocken und Äste machen eine Bewirtschaftung der Weide nicht möglich.
Die Aufräumarbeiten dürften lange andauern.Die Aufräumarbeiten dürften lange andauern.
Das Geröll hat sich in einer Senke gesammelt.Das Geröll hat sich in einer Senke gesammelt.
Ein Haufen Geäst auf der Alp Fräkmünt.Ein Haufen Geäst auf der Alp Fräkmünt.
Die Naturgewalten sind enorm. Die Naturgewalten sind enorm.
Bei genauerer Betrachtung erkennt man die vielen Äste und Felsbrocken in der Senke.Bei genauerer Betrachtung erkennt man die vielen Äste und Felsbrocken in der Senke.
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Zerstörerische Naturgewalt auf der Alp Fräkmünt

Zwar haben während vier Tagen Leute eines Arbeitsprojekts mitgeholfen, das Land von Hand zu säubern. Stämme und Äste wurden mit einem Helikopter abtransportiert, und am Samstag sind zehn Personen von Pro Pilatus zu Hilfe geeilt, um die Wiesen von Schutt und Holz zu befreien.

Aber das Land ist immer noch übersät mit Geröll, Ästen, Baumstrünken und Erdmassen. «Wir sind auf freiwillige Helfer angewiesen, sonst können wir die Tiere nicht auf die Weiden lassen», sagt Albert.

Pilatus-Gebiet: Viel Aufwand für Räumungsarbeiten

Ähnlich ergeht es Andreas Gasser von der Alp Fräckmünt. Er hat die meisten seiner 43 Tiere am Dienstag hochgebracht. Einige musste er aber auf einer anderen Alp platzieren. Denn auch auf der Fräckmünt hat eine Lawine enorme Mengen Material gebracht. «Es braucht Zeit und es ist harte Arbeit, Material wegzubringen», so Gasser. «Zudem konnten wir lange nicht auf die Alp – es hat sich durch die Kälte alles verzögert. Die Zäune konnten wir erst kürzlich aufstellen, denn wir mussten warten, bis der Schnee weg war.» Der schneereiche Winter und die tiefen Temperaturen im Mai und Juni haben die Schneeschmelze hinausgezögert.

Das wirkt sich auf die Flora aus. «Gras wächst bei tiefen Temperaturen kaum. Was das im Endeffekt für die Alpbetriebe bedeutet, ist schwer abzuschätzen», sagt Simon Niederberger, Präsident des Bauernverbands Obwalden. «Ob sich der Schaden auffangen lässt, sieht man Ende Saison.» Vielleicht müssen Betriebe auf Reserven zurückgreifen. Das sei nicht schlimm, da die vergangenen Jahre gut gewesen seien.

Am Wochenende steigt Nullgradgrenze

Auch im Kanton Uri sind die meisten Alpbetriebe von der Verzögerung betroffen, wie Wendel Loretz, Präsident des Bauernverbands, sagt. «Es gab viele Lawinen und es lag lange Schnee. Doch wenn das Geröll geräumt ist, und es nicht kalt und trocken bleibt, erholt sich die Lage.»

Nur wenige Betriebe mussten hingegen den Alpaufzug im Kanton Luzern schieben. Etwa auf der Alp Schlacht in Sörenberg. «Wir sind am 25. Mai gefahren, rund zwei Wochen später als in den vergangenen Jahren», sagt Niklaus Epp, der die Alp viele Jahre bewirtschaftete. Im Mai habe man bei drei bis vier Grad keine Fortschritte im Terrain gesehen, weshalb es keinen Sinn gemacht hätte, die Tiere hochzubringen. Allerdings habe man Frühlingsarbeiten wie das Zäunen rechtzeitig erledigen können. In den höher gelegenen Alpen, wo noch länger Schnee lag, musste man damit allerdings zuwarten.

In den kommenden Tagen wird sich die Situation zum Guten wenden. Es wird heiss. Die Nullgradgrenze steigt am Samstag auf 3200 Meter, am Sonntag und im Verlauf der nächsten Woche werden auf 4000 Meter über Meer Plus-Temperaturen gemessen.

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