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Zentralschweiz: Sprengen für Traumtage im Schnee

In den Bergen liegt so viel Schnee wie selten im Januar. Das lockt viele Winterfans an, zumal heute Mittwoch auch noch die Sonne scheint. Doch erst müssen die Pisten gesichert werden – dabei kommt tonnenweise Sprengstoff zum Einsatz.
Christian Glaus
Eine Lawine im Chuelauigrabä in Engelberg. Bild: PD (15. Januar 2019)

Eine Lawine im Chuelauigrabä in Engelberg. Bild: PD (15. Januar 2019)

Drei Tage lang hat es in den Bergen durchgeschneit – und das gebracht, was sich Bergbahnen, Einheimische und Touristen lange wünschten: eine dicke Schneedecke. Die Schneefälle sind in der Nacht auf Dienstag abgeklungen, nun lässt sich Bilanz ziehen. Und die lässt sich sehen, insbesondere im Titlis-Gebiet. Bei der Messstation Titlisboden auf gut 2100 Metern über Meer liegen derzeit 316 Zentimeter Schnee. 250 Zentimeter sind es auf der Frutt und immerhin 70 auf der Rigi. Die Schneehöhen oberhalb von 2000 Metern sind beachtlich. Verglichen mit dem langjährigen Mittel ist die Schneehöhe im Alpenraum 40 bis 70 Prozent höher als üblich.

Titlis wartet mit Rekord auf

Ein neuer Rekord wurde im Titlis-Gebiet aufgestellt. Bei der Messstation Titlisboden sind seit Jahresbeginn 421 Zentimeter Neuschnee registriert worden, wie das Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) gegenüber unserer Zeitung bekannt gibt. Seit 25 Jahren wird dort die Schneemenge automatisch gemessen. Seither ist im gleichen Zeitraum noch nie so viel Schnee gefallen. Die Schneemengen sind regional sehr unterschiedlich: Im Schächental sind seit Jahresbeginn 248 Zentimeter Neuschnee gemessen worden, im Muotatal 328 Zentimeter.

Diese Messwerte sind zwar für den Januar ausserordentlich hoch. Doch Lawinenwarnerin Christine Pielmeier vom SLF relativiert: «Im Januar ist die Schneedecke noch verhältnismässig dünn. Die Höchstwerte erreicht sie jeweils im März oder April.» Sie könne noch fast doppelt so dick werden.

Lawinengefahr auf erheblich gesenkt

Trotzdem: So viel Neuschnee innerhalb von wenigen Tagen, kombiniert mit stürmischen Winden in den Bergen – das ist gefährlich. «An windabgewandten Hängen liegt wegen der Verfrachtungen sehr viel Schnee», so Pielmeier. Dort können Lawinen leicht ausgelöst werden. Das SLF stuft die Lawinengefahr als erheblich ein, Stufe 3. Das heisst, dass Lawinen teils noch sehr leicht ausgelöst werden können. «Vor allem abseits der Pisten ist die Situation brandgefährlich.» Am Dienstag hätten sich Hunderte bis Tausende Lawinen spontan gelöst.

«Vor allem abseits der Pisten ist die Situation brandgefährlich.»

Christine Pielmeier, Lawinenwarnerin

Geschehen ist dies etwa in Engelberg, wo am Montagabend in den Gebieten Hahnen und Geissberg zwei Lawinen ins Tal donnerten. Personen kamen zwar keine zu Schaden. «Die zwei Lawinen haben jedoch gewaltige Schneemassen ins Tal transportiert», teilt die Gemeinde Engelberg in einem Communiqué mit. Aus diesem Grund müsse die Umleitung für den beliebten Winterwanderweg zwischen der Liegenschaft Puschen und dem Gebiet Wasserfall bis auf weiteres aufrechterhalten werden. Martin Odermatt, Präsident des Gemeindeführungsstabes Engelberg, geht davon aus, dass sich die Situation entspannt. Auf Anfrage sagt er: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»

Die Bergkapelle Rigi Kulm im Winterkleid. (Leserbild: Markus Brülhart, 15. Januar 2019)

Die Bergkapelle Rigi Kulm im Winterkleid. (Leserbild: Markus Brülhart, 15. Januar 2019)

«Es gab heute viele gute Sprengerfolge»

Zu den spontanen Lawinen kamen auch künstliche Sprengungen hinzu. Damit soll die gefährliche Situation gezielt entschärft werden. Auch deren Zahl dürfte beträchtlich sein, einen genauen Überblick hat allerdings niemand. Christine Pielmeier vom SLF vermutet, dass in den Bergen mehrere Tonnen Sprengstoff gezündet wurden, um Siedlungen, Strassen, Eisenbahnlinien oder Skipisten zu sichern. «Die guten Wetterbedingungen wurden genützt, um Sicherheitssprengungen durchzuführen. Es gab heute viele gute Sprengerfolge», so Pielmeier.

Dies bestätigt eine Umfrage unserer Zeitung. Besonders stark von der Lawinengefahr betroffen ist die Skiarena Andermatt Sedrun. Die Pisten am Oberalp konnten am Dienstag gar nicht erst geöffnet werden. Laut Stefan Kern, Mediensprecher von Andermatt Swiss Alps, wurden 220 Sprengungen durchgeführt. Rund 500 Kilogramm Sprengstoff wurden dafür gezündet. «Wir setzen alles daran, die Pistenverbindung Andermatt-Sedrun am Mittwoch wieder öffnen zu können», sagt Kern. «Dafür sind aber aufwendige Arbeiten an den Pisten und Anlagen nötig.» Gearbeitet werde während der ganzen Nacht.

Bis zu 60 Sprengungen in Engelberg

In Engelberg wurden 50 bis 60 Sprengungen durchgeführt und dabei rund 100 Kilogramm Sprengstoff gezündet, wie Marketingleiter Peter Reinle auf Anfrage bekannt gibt. «Die Sprengungen sind mehrheitlich vom Helikopter aus zwischen zirka 8 und 9 Uhr erfolgt. Bereits um 9.30 Uhr konnten die ersten Skifahrer in die Bahn steigen.» Dennoch gelang es nicht, alle Anlagen zu öffnen. Die Pisten auf dem Titlis-Gletscher können voraussichtlich erst am Mittwoch um die Mittagszeit freigegeben werden. Nicht wegen der Lawinengefahr, sondern wegen der starken Schneeverfrachtungen, welche die Arbeiter zusätzlich forderten.

Gesprengt werden musste auch im Luzerner Skigebiet Sörenberg. Dies war nötig, um die Pisten am Rothorn zu sichern. Mit vier bis fünf Sprengungen ist diese Zahl aber verhältnismässig klein. Die Pisten am Rothorn sollen ab Mittwoch wieder offen sein. Ob dies auch bei der Talabfahrt klappt, ist noch offen.

«Pulver gut» auf der Melchsee-Frutt. Nach dem intensiven Schneefall herrscht nun bestes Skiwetter. Bild: Corinne Glanzmann (15. Januar 2019)

«Pulver gut» auf der Melchsee-Frutt. Nach dem intensiven Schneefall herrscht nun bestes Skiwetter. Bild: Corinne Glanzmann (15. Januar 2019)

Situation entspannt sich allmählich

Laut der Lawinenwarnerin Christine Pielmeier wird sich die Situation langsam weiter entspannen. «Varianten- und Tourenfahrer brauchen noch etwas Geduld. Abseits der Pisten ist Erfahrung und eine vorsichtige Routenwahl nötig.» Die Wetterbedingungen für einen Tag im Schnee sind am Mittwoch geradezu perfekt. Dank viel Sonnenschein ist es mild. Am Samstag sollten laut Meteo Schweiz ebenfalls gute Bedingungen herrschen, am Sonntag ziehen voraussichtlich mehr Wolken über die Schweiz. Meteorologe Daniel Murer mahnt: «Wer auf die Pisten geht, sollte sich warm einpacken. Ab Freitag wird es wieder empfindlich kalt.»

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