ZENTRALSCHWEIZ: Stille Schaffer erhalten 130 000 Franken

Die Albert Koechlin Stiftung hat gestern vier Preise verliehen einer davon ging an einen Urner. Er weiss bereits, wie das Preisgeld eingesetzt wird.

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Die Luzerner Gewinner: in der Mitte die beiden Bäuerinnen Margrit Kottmann (links) und Ursula Stutz. Aussen die Preisträger des Vereins Innovage, Dagmar Böhler und Ferdinand Steiner. (Bild: Pius Amrein)

Die Luzerner Gewinner: in der Mitte die beiden Bäuerinnen Margrit Kottmann (links) und Ursula Stutz. Aussen die Preisträger des Vereins Innovage, Dagmar Böhler und Ferdinand Steiner. (Bild: Pius Amrein)

Yasmin Kunz

«Ausgezeichnet werden nicht die Schnellsten, Grössten oder Besten, sondern Personen oder Institutionen, die durch ihr Engagement im Hintergrund auffallen.» Mit diesen Worten eröffnete Peter Kaspar, Präsident der Albert Koechlin Stiftung (AKS), die gestrige Preisübergabe im Hotel Schweizerhof in Luzern. Und mit diesen Worten umriss er zugleich die Bedingungen, nach denen die Stiftung ihre Preise verleiht. Die Preisträger verbindet eine Gemeinsamkeit: die Vermittlung.

Patrick Ambord, Projektleiter der AKS, erklärt: «Alle Institutionen vermitteln zwischen Generationen, zwischen Kulturen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.»

Preisgeld sichert Bestehen

Vier Preise im Gesamtwert von 130 000 Franken wurden gestern vergeben, zwei davon gingen an Luzerner, je einer nach Uri und Nidwalden. Den Anerkennungspreis von 50 000 Franken erhält das Netzwerk Zentralschweiz des Vereins Innovage. Dieser Verein steht für innovatives Alter und engagiert sich für generationenübergreifende Beratungen. Konkret: Wenn Junge eine Start-up-Firma gründen wollen, dann begleitet Innovage dieses Projekt. Die meisten Berater sind pensioniert, doch ihre Erfahrungen als einstige Führungskräfte können jungen Start-ups helfen.

«Der Preis hat uns irrsinnig überrascht», sagt der Präsident Ferdinand Steiner. Das Geld kommt offenbar im richtigen Moment: «Wir sind schon auf dem letzten Zacken gelaufen und wussten nicht, wie wir weiterexistieren sollten.» Obwohl die Berater unentgeltlich arbeiten, fallen Kosten an. Mit dem Preisgeld können laufende Ausgaben wie auch die Ausbildungen für Berater finanziert werden.

Rund um die Uhr für Bauern da

Auch die Anlaufstelle «Offeni Tür i de Not» des Luzerner Bäuerinnen- und Bauern-Verbands darf sich über einen mit 20 000 Franken dotierten Förderpreis freuen. «Wir waren total perplex ob dieses Preises der kam aus heiterem Himmel», sagt Jakob Lütolf, Präsident des gleichnamigen Verbands. Der fünfstellige Betrag kommt Menschen in schwierigen Lebenssituationen zugute. Lütolf erklärt: «Viele Hilfesuchende haben nebst familiären Problemen auch Geldschwierigkeiten. Mit diesem Preisgeld können wir sie finanziell unterstützen.»

Zwei erfahrene Bäuerinnen betreuen das Angebot und nehmen sich rund um die Uhr der Probleme anderer an. Nicht immer reicht ein Telefongespräch. Manchmal muss auch eine Fachperson hinzugezogen werden. «Mit den 20 000 Franken können wir beispielsweise Sitzungen bei einem Experten finanzieren», so der Präsident.

Urner digitalisiert Staatsarchiv

Weiter hat der Urner Rolf Gisler, der eine Datenbank über die Geschehnisse im Kanton Uri angelegt hat, einen Anerkennungspreis im Wert von 10 000 Franken erhalten. Der Jurist hat aus Eigeninitiative alle Daten zu Uris Bevölkerung, Kultur und Geschichte gesammelt, geordnet und unter www.urikon.ch frei zugänglich gemacht. Mittlerweile umfasst das «Urikon» über 1000 Ereignisse. Rund 2000 Arbeitsstunden hat Gisler in das Riesenprojekt gesteckt. Mit dieser Internetseite nimmt er vielen Historikern und Entdeckern den Gang ins verstaubte Staatsarchiv ab. Zur Nutzung des Preisgeldes sagt er: «Damit kann ich Studenten für das Eintippen der vielen Daten engagieren.»

Ebenfalls von der AKS gewürdigt wurde das Bistro Interculturel. Der Verein erhielt einen Förderpreis von 50 000 Franken. Das Bistro organisiert seit 2008 Begegnungsanlässe wie etwa ein Weihnachtsessen mit verschiedenen Nationalitäten oder Wanderungen, um die Integration im Kanton Nidwalden zu fördern. Wofür das Geld eingesetzt wird, ist noch offen. Klar ist: «Das Geld soll nachhaltig eingesetzt werden», sagt Verena Zemp, Leiterin des Projekts.

Die AKS übergab gestern das 16. Mal Anerkennungs- und Förderpreise für Personen und Institutionen, die still im Hintergrund arbeiten und damit einen grossen Beitrag für die Gesellschaft leisten.