ZENTRALSCHWEIZ: Tag des Lärms: die neun grössten Irrtümer

Heute ist Tag des Lärms. Wir klären in Zusammenhang mit dem Strassenlärm die neun grössten Irrtümer auf.

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Lärmschutzwände wie hier in Rothenburg helfen nur punktuell gegen Lärm. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Lärmschutzwände wie hier in Rothenburg helfen nur punktuell gegen Lärm. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Jede fünfte in der Schweiz lebende Person ist während des Tages übermässigem Lärm ausgesetzt. Hauptquelle der Lärmbelastung ist der Strassenverkehr. Die Trägerschaft des «Tag gegen Lärms» hat die neun grössten Irrtümer zusammengefasst:

Irrtum 1: Heute sind Autos leiser als früher

Diese Behauptung trifft nur für den Innenraum zu, wo der Autofahrer mittels High-Tech Material vom Aussenlärm abgeschottet wird. Weniger Fortschritte wurden in den letzten Jahren bei den äusseren Lärmemissionen (Antriebs-, Roll- und Windgeräusche) erzielt. Dieser Umstand hat auch mit veralteten Gesetzen zu tun. Die entsprechenden Grenzwerte für Autolärm wurden von der EU seit 1995 nicht mehr angepasst.

Irrtum 2: Elektroautos lösen das Lärmproblem

Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden. Ihre Vorteile für den Lärmschutz liegen im Bereich des Anfahrens und bei Geschwindigkeiten bis ca. 25 – 35 km/h. In höheren Geschwindigkeitsbereichen dominiert das Rollgeräusch. Deshalb sind sie in allen anderen Situationen genauso laut wie Fahrzeuge mit normalem Verbrennungsmotor. Geplant ist zudem die Ausstattung der Autos mit künstlichen Geräuschen. Somit würden die Vorteile im Niedriggeschwindigkeitsbereich wieder entfallen.

Irrtum 3: Strassenlärm lässt sich am effektivsten mit Schutzwänden und guten Fenstern eindämmen

Schutzwände dienen in erster Linie der Schadensbegrenzung und sind mit hohen Kosten verbunden. Schallschutzfenster sind nur eine Ersatzmassnahme. Viel effizienter ist die Lärmreduktion an der Quelle, zum Beispiel durch spezielle Strassenbeläge, leise Reifen, Verkehrsberuhigungsmassnahmen oder niedertouriges Fahren. Während Wände und Fenster nur punktuell wirksam sind (z.B. hinter der Mauer oder bei geschlossenen Fenstern), wirken direkte Massnahmen flächendeckend.

Irrtum 4: An Strassenlärm gewöhnt man sich irgendwann

An Strassenlärm gewöhnt sich der Mensch nie vollständig. Bei jedem störenden Geräusch gerät der menschliche Körper in Alarmbereitschaft. Er schüttet Stresshormone aus, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt und die Atemfrequenz nimmt zu. Bereits ab einer nächtlichen Lärmbelastung von 40 bis 50 Dezibel wird der Schlaf gestört und der Mensch wacht häufiger auf. Folge davon sind Schläfrigkeit sowie verminderte Aufmerksamkeit am nächsten Tag. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bis hin zum Herzinfarkt.

Irrtum 5: Der Einfluss des Reifens auf die Lärmbelastung ist minim

Das Abrollgeräusch der Reifen verursacht bei konstanter Fahrt bereits ab 35km/h mehr Lärm als die Motoren der Autos. Mit leiseren Reifen lässt sich der Lärm markant reduzieren, und zwar direkt an der Quelle. Durch die Ausrüstung eines PKWs mit lärmarmen Pneus lassen sich die Geräuschemissionen des Fahrzeugs halbieren. Dies ohne Leistungseinbussen bei der Sicherheit und dem Treibstoffverbrauch. Leise Reifen wirken flächendeckend und unmittelbar nach der Montage.

Irrtum 6: Kopfsteinpflaster reduzieren Tempo und Lärm

Kopfsteinpflaster ist schön anzusehen, eignet sich aber nicht als Lärmschutzmassnahme. Auf Quartierstrassen in Tempo 30-Zonen können diese Beläge zu einer erheblichen Erhöhung der Lärmemissionen führen. Je nach Situation und Geschwindigkeit liegen die Differenzen zu einem herkömmlichen Asphalt-Belag bei bis zu 10 Dezibel. Das kommt einer Verzehnfachung des Verkehrs bzw. einer Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke gleich.

Irrtum 7: Tempo 30 bringt nichts gegen den Lärm

Autos, die langsamer fahren, sind leiser. Wird die Höchstgeschwindigkeit auf einer Straße von 50 auf 30 km/h reduziert, verringert sich der Lärm bis zu drei Dezibel. Dies entspricht einer Halbierung des Verkehrslärms. Tempo 30 verbessern deshalb die Lebensqualität für die Quartierbewohner, gleichzeitig verringert sich das Risiko für Verkehrsunfälle. Weniger Treibstoffverbrauch und eine Verbesserung des Verkehrsflusses sind zwei weitere Vorteile von Tempo 30.

Irrtum 8: Motorräder sind immer laut

Das Dröhnen einer Harley-Davidson oder das Kreischen einer Kawasaki bedeutet für die einen Wohlklang, für andere Lärm. Aber nicht jedes Motorrad stinkt und ist laut. Auf dem Markt sind mittlerweile leise und gleichzeitig leistungsfähige Modelle erhältlich, die Post etwa mit ihren Elektromotorrädern macht es vor. Doch es gibt auch die schwarzen Schafe: Ein einzelnes hochtourig gefahrenes oder manipuliertes Motorrad kann mit seinem Lärm sogar LKWs übertönen und kilometerweit zu hören sein.

Irrtum 9: Krank wird nur, wer sich vom Lärm gestört fühlt

Weil die körperlichen Reaktionen auf den Lärm unbewusst ablaufen, treten negative Lärmwirkungen auch bei Personen auf, die das Gefühl haben, sich bereits an den Lärm gewöhnt zu haben (siehe Irrtum 4). Dies hat zur Folge, dass die gesundheitlichen Auswirkungen des Lärms oft unterschätzt werden. Wie Menschen auf Schall reagieren, ist aber individuell geprägt. Dabei spielen zahlreiche Faktoren wie die Lärmart, die persönliche Einstellung, die Tageszeit oder das Alter eine Rolle.

Hinweis: Die offizielle Seite zum Tag gegen den Lärm auf www.laerm.ch