ZENTRALSCHWEIZ: Traumpisten – doch Skilifte bleiben leer

Zurzeit herrschen selbst in den kleinsten Skigebieten exzellente Pistenverhältnisse. Doch die Gäste bleiben aus – weil das unten im grünen Tal kaum einer glauben kann.

Rahel Schnüriger
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Trotz bester Pistenverhältnisse: Der Skilift Neusell in Rothenthurm (fotografiert am Mittwoch) befördert derzeit nur vereinzelt Gäste. (Bild Manuela Jans)

Trotz bester Pistenverhältnisse: Der Skilift Neusell in Rothenthurm (fotografiert am Mittwoch) befördert derzeit nur vereinzelt Gäste. (Bild Manuela Jans)

Während in der Stadt die ersten Schneeglocken spriessen, ziehen die Skifahrer in den Bergen noch genüsslich ihre Kurven. Allerdings längst nicht so viele wie in anderen Saisons üblich. Denn obwohl die Verhältnisse auch in den kleinen, niedrig gelegenen Skigebieten hervorragend wären, bleiben die Schneesportler zu grossen Teilen aus.

Stefan Wittwer, Betriebsleiter der Marbachegg-Sportbahnen im Entlebuch, erklärt, wieso: «Wir merken, dass die Leute nicht Ski fahren gehen, wenn es unten grün ist.» An den Wochenenden sei klar weniger Betrieb als in anderen Jahren. «Wohl weil die Leute im Moment lieber das Rennvelo statt die Ski hervornehmen», scherzt Wittwer. Exemplarisch dafür war Mitte Januar der Rivella Familiy Contest: Etliche Teilnehmer fragten Wittwer im Vorfeld an, ob es überhaupt durchgeführt werden könne – und waren dann überrascht, wie viel Schnee es oben hatte.

Die beste Werbung, sagt Wittwer, wäre Schnee bis in die Niederungen. Weil dieser sich heuer aber allzu selten in der Stadt blicken liess, denkt so mancher nicht ans Skifahren. Dabei wären die Pistenverhältnisse bereits in der Mar­bachegg, deren Talstation auf 890 Meter über Meer liegt, ideal.

Besucher schwärmten

Genau gleich tönt es auch in anderen kleinen Skigebieten in der Zentralschweiz. Der Skilift Neusell in Rothenthurm SZ beginnt auf 950 Metern und hat zurzeit frisch verschneite Hänge zu bieten. Hänge, die aber weitgehend leer bleiben. «Wer trotzdem kommt, schwärmt von den tollen Verhältnissen», sagt Marketingleiter Kurt Winet. Vielleicht auch nicht zuletzt deshalb, weil die Skifahrer den ganzen Platz der Pisten zur freien Verfügung haben. Auch beim Skilift Neusell kennt man das leidige Problem: Schon im wenige Autominuten entfernten Talkessel von Schwyz erinnern die frühlingshaften Temperaturen so gar nicht an Wintersport. Winet: «Das tut uns natürlich besonders weh, weil wir vielen Schneesportlern tolle Verhältnisse vor der Haustüre bieten könnten.»

Föhn bringt wechselhaften Winter

Mitschuldig an der lustlosen Winterstimmung ist auch der Föhn. In mehr als der Hälfte der Betriebstage der Mörlialp bei Giswil (1350 Meter) etwa hat der warme Wind geblasen. «Unsere Gäste kommen oft von ausserhalb der Föhngebiete, wo es bei diesen Wetterverhältnissen bewölkt und regnerisch ist», erklärt André Strasser, Verwaltungsratspräsident der Mörlialp. Durch den Föhn habe sich der Winter diese Saison sehr wechselhaft präsentiert: an einem Tag von seiner schönsten Seite, am andern bereits mit grünbraunen Flecken neben der weissen Piste. Da viele Familien in der Mörlialp Ski fahren, die nicht nur bei strahlendem Sonnenschein auf die Piste gehen, kann Strasser trotzdem von einer «soliden Saison» sprechen. Die kleineren Gebiete hoffen nun besonders auf die Ferien, die bei den meisten übernächste Woche beginnen. Sie können ihr Geschäftsjahr noch entscheidend beeinflussen.