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ZENTRALSCHWEIZ: «Ufzgi» abschaffen: Schwyz prescht vor

Der Schulleiterverband will die Hausaufgaben streichen. Die Mehrheit der Kantone ist dagegen. Doch Schwyz gibt der Forderung frischen Aufwind. Jener Kanton, der schon einmal die Schüler von Hausaufgaben befreite – und scheiterte.
Christian Hodel
Noch gehören sie zum Alltag der Schüler: Gina Attolini (10) aus Schwyz macht ihre Hausaufgaben.Bild: Pius Amrein (Schwyz, 20 Oktober 2016)

Noch gehören sie zum Alltag der Schüler: Gina Attolini (10) aus Schwyz macht ihre Hausaufgaben.Bild: Pius Amrein (Schwyz, 20 Oktober 2016)

Ein Lieblingswort in der Bildung heisst Reform: Reform in der Berufsbildung, im Fremdsprachenunterricht, beim Lehrplan – und nun eine Reform bei den Hausaufgaben. Den Anstoss dazu gab vor einigen Wochen Lisa Lehner, Mitglied der Geschäftsleitung des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz. «Wir sollten die klassischen Hausaufgaben abschaffen», sagte sie gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Gehören die «Ufzgi» also bald der Vergangenheit an?

«Nein», sagen die Verantwortlichen der Kantone Luzern, Zug, Uri, Ob- und Nidwalden – und geben dem Anliegen des Schulleiterverbands einen deutlichen Korb. Anders der Kanton Schwyz: Derzeit sei man daran, eine Diskussion um eine «zeitgemässe Hausaufgabenform» anzustossen, sagt Bildungsdirektor Michael Stähli. Wie Lösungen aussehen könnten und in welchem zeitlichen Rahmen diese umgesetzt werden, ist noch offen. Klar ist: Auch die grundlegende Frage, ob es Hausaufgaben überhaupt noch braucht, wird in Schwyz diskutiert.

In Schwyz flammt eine alte Idee neu auf

Stähli sagt: «Es geht in erster ­Linie darum, dass die Digitalisierung im Schulalltag immer wichtiger wird. Die heutige Form von Hausaufgaben kommt aber noch aus einer Zeit, in welcher die Schüler sich zwar austauschen, aber nicht in einem solchen Ausmass elektronisch vernetzt waren, wie das heute der Fall ist.» Anders gesagt: Die Schüler tauschen sich heute per SMS, Facebook oder WhatsApp aus und schicken sich die Lösungen der Hausaufgaben zu. Der pädagogische Nutzen ist somit fraglich ­geworden. Möglich ist also, dass Schwyz künftig gänzlich auf ­«Ufzgi» verzichtet und die Schüler ihre zusätzlichen Aufgaben in der Schule erledigen. Bereits 1993 strich der Kanton Schwyz die Hausaufgaben für seine Schüler – das ist bis heute einzigartig in der Schweiz. Vier Jahre später musste die Regierung den Entscheid jedoch wieder aufheben. Zu heftig haben sich Eltern, Politiker und Lehrer gewehrt. Der Kanton betreibe eine Kuschel­pädagogik, lautete damals einer der Vorwürfe. Den Kindern solle mit den Hausaufgaben Selbstständigkeit beigebracht werden, so die Forderung.

Hausaufgaben führen zu Konflikten in Familie

Studien bestätigen den positiven Einfluss von Hausaufgaben, die das Gelernte festigen. Zudem helfen Hausaufgaben den Eltern, einen Einblick zu erhalten, was ihre Kinder in der Schule machen und wo sie stehen, sagen mehrere Lehrer auf Anfrage der «Zen­tralschweiz am Sonntag». Hausaufgaben seien darum wichtig.

Dennoch sehen Lehrer auch Probleme darin: Es sei schon so, dass es in Familien teils Konflikte gebe, wegen der Hausaufgaben, sagt Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Und Bernard Gertsch, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz, sagt: «Eltern können heute oft nicht mehr die Zeit aufwenden, um mit den Kindern den Schulstoff zu Hause durchzugehen.» Gertsch, dessen Verband die Abschaffung der Hausaufgaben fordert, sieht dadurch die Chancengleichheit in Gefahr. Schüler, die aus bildungsfernen Schichten stammen oder deren Eltern beide arbeiten, hätten Nachteile, weil sie sich an niemanden wenden können. «Hausaufgaben sollen darum künftig zu Schulaufgaben werden.» Die Schulen müssen bei der Bewältigung der Aufgaben Unterstützung bieten – man dürfe das nicht den Eltern delegieren, so Gertsch.

Sein Verband hat das Thema «Hausaufgaben abschaffen» für eine am nächsten Mittwoch statt­findende Konferenz der Kantonalpräsidenten traktandiert. «Dann werden wir bestimmen, ob und inwiefern wir das Thema weiter aktiv angehen.»

Christian Hodel

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