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ZENTRALSCHWEIZ: Unsere Berge, unsere Gefühle

Hausberge sind uns nicht nur geografisch nah, sondern auch emotional. Wir reden mit Menschen, die einen besonderen Bezug zu «ihrem» Berg haben.
Gleitschirmpilot Marcel Schmid (links) unterwegs mit einem Gast, im Hintergrund der Pilatus. Bild Andy Busslinger (Bild Andy Busslinger)

Gleitschirmpilot Marcel Schmid (links) unterwegs mit einem Gast, im Hintergrund der Pilatus. Bild Andy Busslinger (Bild Andy Busslinger)

Marcel Schmid: «Der Pilatus ist steil, felsig, mit viel Charakter»

flu. Vor gut 20 Jahren hat Marcel Schmid (heute 39) einen Tandemflug absolviert. Und das hat ihm so gut gefallen, dass er das Gleitschirmfliegen selber erlernen wollte. Seither kann er eigentlich nicht mehr ohne sein.

Bereits vor zehn Jahren hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bietet mit seiner eigenen Firma Tandemflüge an (www.parajoy.ch). Kenner der Szene sagen, Marcel Schmid sei einer der besten Gleitschirmpiloten im Land.

200 Flüge pro Jahr

Seiner Leidenschaft wegen ist er vor ein paar Jahren auch vom Freiamt nach Kriens gezogen. Ganz genau gesagt: Marcel Schmid wohnt direkt neben der Talstation der Pilatus-Bahn.

Warum? «Es ist kein Zufall, dass es auf dem Pilatus so viele Touristen hat», erklärt er. Der Pilatus sei nicht einfach irgendein Hügel, sondern ein richtiger Berg. «Er ist steil, felsig, mit viel Charakter.»

Rund 200 Flüge absolviert Marcel Schmid pro Jahr vom Luzerner Hausberg aus. «Die Landschaft habe ich schon tausendmal gesehen, und trotzdem ist sie mir noch nie verleidet.» Besonders aus der Sicht eines Gleitschirmpiloten ist der Pilatus ein interessanter Berg. Hier gebe es oftmals Wolken auf unterschiedlichen Höhen, das mache den Pilatus für ihn zu einem der spannendsten Berge der Schweiz.

Aufstieg in der Nacht

Meist nimmt Marcel Schmid die Bahn, aber noch lieber läuft er zu Fuss den Berg hoch. «Aber», sagt er sofort, «nur in der Nacht.» Tagsüber seien zu viele Leute unterwegs. In der Nacht dagegen habe er die Ruhe und den Berg fast für sich allein. In gut 21/2 bis 3 Stunden schafft er den Aufstieg. Zu Beginn der Dämmerung ist er ganz oben angelangt und macht sich startklar für einen Flug in den Sonnenaufgang.

Ein paarmal im Jahr muss Marcel Schmid aber wieder die Bahn ins Tal nehmen, weil die Wetterverhältnisse sich so verändert haben, dass ein Flug zu riskant wäre. Gern steigt er dann nicht in die Gondel. «Aber das Wetter muss man respektieren.»

Marcel Schmid kann sich aber auch anderweitig beschäftigen. «Der Pilatus bietet ja so viele Möglichkeiten», schwärmt er. Er geht klettern, nimmt das Bike und geniesst im Winter seine Skitouren.

Ursprünglich hat Marcel Schmid eine KV-Lehre gemacht und als Informatiker gearbeitet. Zurück ins Büro will er nicht mehr. «Bestimmt nicht», sagt er und lacht. «Da müsste wohl der Pilatus zusammenfallen.»

Rita Odermatt: «Das Stanserhorn ist jeden Tag ein bisschen anders»

Gästebegleiterin Rita Odermatt mit Ranger Carljörg Kaiser auf dem Stanserhorn. (Bild: Philipp Schmidli)

Gästebegleiterin Rita Odermatt mit Ranger Carljörg Kaiser auf dem Stanserhorn. (Bild: Philipp Schmidli)

flu. Wie sieht es eigentlich hinter diesem Berg aus? Das fragte sich Rita Odermatt (51). Heute lebt sie mit ihrer Familie in Sachseln, damals war sie aber noch in Stans daheim. Also lief sie aufs Stanserhorn rauf und wollte eigentlich gar nicht mehr runter. «Ich war total fasziniert von dieser eindrücklichen Aussicht und Stimmung auf dem Berg.» Dort oben wollte sie künftig arbeiten, beschloss sie. Erst begann sie als Mitarbeiterin im Drehrestaurant bei den Candle-Light-Dinners, die jeweils am Freitag und Samstag auf dem Gipfel angeboten werden. Später absolvierte sie die Schulungen zur Gästebegleiterin, und seit gut acht Jahren fährt sie mit den Gästen in der Standseilbahn und der Cabrio-Bahn den Berg hoch.

Bis zu 25 Bergfahrten am Tag

Sie liebe den Kontakt zu den Gästen aus aller Welt. Immer wieder lerne sie interessante Menschen kennen. Während der Fahrt informiert Rita Odermatt die Gäste über die Bahn und den Berg, beantwortet Fragen, und ab und zu kann sie Birkhühner und Gämsen zeigen.

Manchmal fährt sie am Tag 15 Mal den Berg hoch, in der Hochsaison sind es sogar bis zu 25 Bergfahrten. Ist das mit der Zeit nicht langweilig? Keineswegs, meint sie. «Das Stanserhorn ist jedes Mal ein bisschen anders. Mal erlebe ich wunderschöne Sonnenaufgänge, mal liegt im Juni Schnee auf dem Gipfel, oder die Berge sind geheimnisvoll im Nebel eingehüllt.»

Ein Job mit Verantwortung

Ihren Job der Gästebegleiterin darf man nicht unterschätzen. Die reservierten Gruppen kommen rechtzeitig zu ihrer Fahrt, sie kontrolliert die Billette, und sollte es zu einer Panne kommen, löst Rita Odermatt zusammen mit dem Maschinisten via Funk das Problem.

Fragt man Rita Odermatt nach einem schönen Erlebnis auf dem Stanserhorn, lacht sie und erzählt davon, wenn sie ganz allein in der Bahn ist. Dann gehe sie auf das obere Deck und spüre den Wind in den Haaren. «Dieses Gefühl ist unbeschreiblich», schwärmt sie. Das sei etwa so wie in der romantischen Szene im bekannten Film «Titanic», wo Rose auf dem äussersten Punkt des Schiffes im Wind steht.

Wer jetzt aber denkt, in ihrer Freizeit habe Rita Odermatt alles andere im Sinn, aber bestimmt nicht das Stanserhorn, der irrt sich. Dann nämlich geht sie zu Fuss den Berg hoch, sie nimmt sogar am Berglauf teil. Kein Wunder, träumt Rita Odermatt auch ab und an vom Stanserhorn.

Edwin Abegg: Er ist schon mehr als 6000 Mal auf den Wildspitz gestiegen

Rekord-Wanderer Edwin Abegg. (Bild Charly Keiser)

Rekord-Wanderer Edwin Abegg. (Bild Charly Keiser)

kk. Mit einem Kreis um das Datum markiert Edwin Abegg (65) aus Steinerberg jeweils in seiner Agenda, dass er an diesem Tag den Wildspitz erklommen hat. «Und wenn ich mit dem Bike oben war, schreibe ich zusätzlich ein V hinzu. Habe ich mehr als einen Aufstieg geschafft, ergänze ich den Eintrag mit der entsprechenden Zahl.»

Im Terminkalender des ehemaligen Angestellten des Zeughauses Seewen sind sämtliche bisherigen Tage des laufenden Jahres eingekreist. 2013 war er bis auf vier Tage immer auf dem Wildspitz. Da Abegg mit dem Bike vier Extrafahrten absolvierte, kam er im letzten Jahr trotzdem auf 365 Anstiege, wie er vorrechnet: «Und 2012 war ich 363 Mal hier oben.»

Zuerst wollte er Kilos verlieren ...

Rechnet man alles zusammen, so ist Abegg per Ende 2013 stolze 6050 Mal auf dem Wildspitz gewesen. Und seither sind bereits weitere 135 Aufstiege hinzugekommen. In Tat und Wahrheit seien es noch ein paar Besteigungen mehr, sagt Abegg, weil er erst seit rund 30 Jahren akribisch Buch führe.

Wie ist er zu diesem ungewöhnlichen Hobby gekommen? «Ich hörte mit dem Rauchen auf und erreichte innert kurzer Zeit ein Gewicht von 115 Kilogramm», erinnert sich Abegg. «Ich konnte nicht einmal mehr die Schuhe binden.» Deshalb wollte er etwas für seine Fitness tun. Nach 50 bis 60 Anstiegen im Jahr 1982 folgte der Entschluss, 1983 hundertmal auf den Wildspitz zu steigen oder zu radeln. Schon nach acht Monaten hatte Abegg sein Ziel erreicht und dabei 25 Kilogramm verloren.

Rund 1000 Höhenmeter legt Abegg jeweils zurück, wenn er von seinem Zuhause in Steinerberg startet.

... dann fand er viele Freunde

Heute zählt aber nicht mehr nur die Fitness, sondern die vielen Freundschaften, die er in all den Jahren auf dem Wildspitz geschlossen hat. «Ich bin hier oben zu Hause, das ist meine Familie», schwärmt er.
Zwei Besuche auf dem Wildspitz bleiben ihm jedoch in besonderer Erinnerung: «Ich war der letzte Gast, bevor das alte Restaurant im Januar 2000 abgebrannt ist.» Und nur einen Monat zuvor seien sie zu fünft oben gewesen, als der Orkan «Lothar» getobt hatte. Abegg erinnert sich: «Wir vernagelten von innen das Haus und hatten Angst, wir würden samt dem Restaurant in die Tiefe gerissen.»

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