ZENTRALSCHWEIZ: Weniger Spenden während der EM

Tina Weigand, Chefärztin Blutspendezentrum, über die Blutspenden während der EM - und darüber, dass Schwule künftig auch Blut spenden dürfen.

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Tina Weigand ist Chefärztin des Blutspendediensts Zentralschweiz. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Tina Weigand ist Chefärztin des Blutspendediensts Zentralschweiz. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

kuy. Das Blutspendezentrum Zentralschweiz hat in den letzten Tagen über 350 Mails an Spender der Blutgruppen A positiv und A negativ verschickt. Dass die Reserven der Blutgruppe A aufgefüllt sind, ist deshalb wichtig, weil Herr und Frau Schweizer zu 47 Prozent diese Blutgruppe haben. Die Fussballeuropameisterschaft spielt eine Rolle für den vorübergehenden Rückgang der Spenden, wie Tina Weigand, Chefärztin des Blutspendediensts Zentralschweiz, auf Anfrage sagt.

Tina Weigand, Schwule sollen gemäss SRK künftig auch Blut spenden dürfen. Was halten Sie davon?

Tina Weigand: Da das Thema heikel ist, möchte ich mich dazu nicht äussern. Wir haben beschlossen, dass die Organisation Blutspende Schweiz darüber informiert.

Immer wieder meldet das Blutspendezentrum bevorstehende Blutreserven-Notstände an. Wie steht es derzeit um die Bestände in der Zentralschweiz?

Weigand: Aktuell haben wir nur bei der Blutgruppe A positiv und A negativ den Soll-Bestand nicht erreicht. In Zahlen heisst das: Bei der Blutgruppe A positiv beträgt das Soll 150 Beutel. Derzeit haben wir einen Bestand von 66. Bei A negativ liegt der Sollbestand bei 45 Blutbeuteln. Derzeit zählen wir 10 Reservebeutel. Bei der Universalblutgruppe – der Blutgruppe 0 negativ, die allen spenden kann – ist die Situation derzeit entspannt. Doch von dieser Blutgruppe kann man nie zu viel haben.

Warum fehlen Blutreserven der Blutgruppe A?

Weigand: Zum einen haben wenig Spender mit dieser Blutgruppe gespendet, zum anderen kann es sein, dass das Spital viel A-Konserven benötigt hat. Ein Beispiel: Ereignet sich ein schlimmer Unfall mit einer schwerverletzten Person, ist es möglich, dass der Verunfallte an die 100 Konserven Blut braucht.

Und während der Fussballeuropameisterschaft denkt wohl kaum jemand ans Blutspenden.

Weigand: Wir registrieren weniger Spenden während dieser Zeit. Dies war schon vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft der Fall. Damals war die Situation punkto Reserven wirklich prekär. So schlimm wie vor zwei Jahren ist es bis dato noch nicht. Trotzdem müssen wir die Bestände jetzt auffüllen, weil die Sommerferien näher rücken und dann viele Spender verreisen.

Was unternehmen Sie gegen drohende Notstände?

Weigand: Wir machen per Mail und via soziale Medien darauf aufmerksam. Und wir führen immer wieder mobile Aktionen durch. Dennoch lässt sich eine Knappheit bei bestimmten Blutgruppen nicht verhindern. Wir wollen auch nicht steuern, wer zur mobilen Spende-Aktion kommt. Es sind alle Spender willkommen, ob sie nun zur Blutgruppe A, B oder 0 gehören.

Hinweis

Dies sind die nächsten mobilen Blutspende-Aktionen: Heute zwischen 17 und 19 Uhr im Schulhaus Cher in Sarnen; am 28. Juni zwischen 12 und 16 Uhr im D4 Business Center in Root und am 8. und 9. Juli zwischen 12 und 16 Uhr auf dem Parkplatz des Mythen-Centers in Schwyz.

Weitere Infos: www.blutspende.ch und www.bsd-luzern.ch