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ZENTRALSCHWEIZ: «Wir sind als Region konkurrenzfähig»

Die Wirtschaft ist im Aufwind, erst recht in der Zentralschweiz. Die Richtung stimmt, sagt der neue Präsident der Volkswirtschaftsdirektoren. Und: Bei Windstössen solle man nicht gleich umkippen.
Rahel Schnüriger
Blickt optimistisch in die Zukunft: Urban Camenzind, neuer Präsident der Zentralschweizer Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Blickt optimistisch in die Zukunft: Urban Camenzind, neuer Präsident der Zentralschweizer Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Urban Camenzind*, Sie sind ab Neujahr Präsident der Zentralschweizer Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz. Was für Aufgaben erwarten Sie in diesem Amt?

Urban Camenzind: Beim Vorsitz geht es vor allem darum, die sechs Kantone auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Von den Themen her wird die ganze Diskussion um den nationalen Innovationspark als Wissenschafts- und Forschungszentrum wichtig. Wir möchten die Zentralschweiz als Netzwerkstandort des Innovationsparks positionieren. Im Moment sind wir an der Vorbereitung für die Bewerbung. Innovation ist wichtig für die Unternehmen, und wir wollen sie dabei unterstützen.

Was sind weitere wichtige Themen?

Camenzind: Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels kommen wir näher ans Tessin und die Wirtschaftsregion Mailand. Die Zentralschweiz kann eine Brückenfunktion zwischen Norditalien und der Schweiz übernehmen. Da eröffnen sich neue Perspektiven.

Bezüglich Innovation wird den Zentralschweizer Kantonen ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, unter anderem in der Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit der UBS, wo es wie beim Innovationspark um die Ansiedlung von Forschung und Entwicklung geht.

Camenzind: Wir wissen, dass wir in diesem Bereich Verbesserungsmöglichkeiten haben. Das hat auch mit unseren kleinräumigen Strukturen zu tun, wir haben keine Schwerpunktbranche wie zum Beispiel Basel. Wir wissen, dass wir bezüglich Innovation noch besser werden können und arbeiten deshalb an einer gemeinsamen Innovationsförderungsstrategie für die Zentralschweiz. Die Kantone allein sind zu klein, deshalb ist es wichtig, dass wir zusammenarbeiten.

Der erwähnte Bericht stuft Zug als den wettbewerbsfähigsten Kanton der Schweiz ein. Uri liegt auf dem zweitletzten Platz. Sind die Zentralschweizer Kantone überhaupt vereinbar?

Camenzind: Das ist eine der Herausforderungen in den einzelnen Themen, wobei die Kantone bezüglich der Volkswirtschaft eigentlich alle die gleichen Interessen verfolgen. Alle wollen Firmen ansiedeln und die Wirtschaft fördern. Wo wir uns unterstützen können, machen wir das. Sicher gibt es dagegen auch Bereiche, wo jeder eigene Wege geht. Ich sehe eigentlich sogar eine Chance in den Unterschieden. Ich hoffe, dass die wirtschaftlich starken Gebiete auf die übrigen Regionen der Zentralschweiz ausstrahlen.

Als Grossregionen scheint es der Zentralschweiz im Vergleich gut zu gehen: Die Arbeitslosenquote ist seit langem viel tiefer als im Schweizer Durchschnitt, die Beschäftigtenzahlen wachsen überdurchschnittlich, und auch das Lohnniveau konnte sich mittlerweile angleichen. Worauf führen Sie das zurück?

Camenzind: Wir haben zuverlässige, einsatzfähige und flexible Leute, deshalb erstaunt die tiefe Arbeitslosigkeit nicht. Die Nähe von Zug und Schwyz zu Zürich hilft natürlich ebenfalls. Zudem stimmen die Rahmenbedingungen für Unternehmen inzwischen in der ganzen Zentralschweiz. Die Steuerbelastung für Firmen ist in allen sechs Kantonen tief, und wir sind als ganze Region konkurrenzfähig.

Sollte man die Zusammenarbeit der Kantone sogar im Sinne eines grossen Kantons Zentralschweiz noch weiter ausbauen?

Camenzind: Die bisherige Zusammenarbeit hat sich bewährt und ist erfolgreich. Ich sehe zum heutigen Zeitpunkt keine zwingende Notwendigkeit, diese gutnachbarschaftliche Zusammenarbeit auf der institutionellen Ebene zusätzlich zu vertiefen. Wir dürfen auch die Vorteile der Kleinheit nicht vergessen, wie etwa die kurzen Wege in der Verwaltung oder die Nähe zur Bevölkerung.

Wie man anhand der Entwicklung des Bruttoinlandproduktes sehen kann, hat sich die Zentralschweiz auch schneller von der Finanzkrise erholt. Weshalb?

Camenzind: Ein Grund liegt darin, dass die Wirtschaft in der Zentralschweiz gut diversifiziert ist. Unsere Wirtschaft konnte sich deshalb bereits erholen, als die Banken noch gestrauchelt sind. Ich habe nach der Krisenzeit sogar erlebt, dass Firmen mehr Aufträge erhielten, als sie bewältigen konnten. Wie man ebenfalls der Kurve des BIP entnehmen kann, hat sich das mittlerweile wieder ausgeglichen.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Camenzind: Wir können jetzt auf unseren guten Rahmenbedingungen aufbauen. Gleichzeitig müssen wir aber aufpassen, dass wir etwa den tiefen Unternehmenssteuern nicht restlos alles unterordnen und damit andere Errungenschaften zerstören. Es wird eine Herausforderung, unsere Strategie beizubehalten, damit die Firmen nicht abwandern, uns gleichzeitig aber auch nicht totzusparen.

Das ist eine schmale Gratwanderung.

Camenzind: Ja. Die Perspektiven sind allerdings nicht schlecht. Wir sollten nicht beim ersten Windstoss einbrechen, sondern einmal ein paar Jahre mit unserer Strategie ausharren. Ich bin optimistisch, dass die Wirtschaft anzieht und wir bald profitieren können.

Wie viel Zeit wird es brauchen, bis die guten Rahmenbedingungen Wirkung zeigen?

Camenzind: Vielerorts sind diese bereits spürbar. Die Zentralschweiz wird als attraktiver Standort wahrgenommen, was sich auch in den Unternehmensansiedlungen niederschlägt. Ich bin auch gespannt auf die Abschlüsse 2013 der Gemeinden und Kantone. Denn ich denke, dass sie bereits besser ausfallen als erwartet. Bis eine Strategie richtig greift, geht es aber natürlich länger. Am Beispiel vom Kanton Uri sieht man das gut: 2010 wurde die neue Steuerstrategie umgesetzt. Inzwischen merken wir die Trendwende. Auch eine erste Wirkungsanalyse zeigt, dass wir die Ziele der Strategie erreicht haben. Ich denke, dass man diesen Mechanismus auf unsere ganze Region ausweiten kann.

Kommen wir zurück auf Ihr neues Amt. Worauf freuen Sie sich?

Camenzind: Als Präsident der Zentralschweizer Konferenz werde ich auch im Schweizer Vorstand vertreten sein. So können wir Kontakte zu den Bundesbehörden knüpfen. Ich hoffe, dass ich dort auch etwas für die Zentralschweiz herausholen kann.

Und wovor graut es Ihnen?

Camenzind: Ich habe nicht das Gefühl, dass es im Moment brennt: Alles in allem ist die Wirtschaftslage nicht schlecht, insbesondere in der Zentralschweiz. Entsprechend muss ich mich wohl vor nichts fürchten.

* Urban Camenzind (48) ist Urner Volkswirtschaftsdirektor

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