ZENTRALSCHWEIZ: Zu trocken – Pilzsammler gehen leer aus

In der Region findet man fast keine Pilze. Sammler müssen auf einen feuchten Herbst hoffen.

Sarah Weissmann
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An feuchten Orten noch zu finden: der rosastielige Dachpilz. (Bild: PD)

An feuchten Orten noch zu finden: der rosastielige Dachpilz. (Bild: PD)

Für die Pilzsammler in der Zentralschweiz ist die diesjährige Saison bis jetzt enttäuschend verlaufen. Peter Brunner vom Pilzverein Hochdorf war letzten Monat in seinem Gebiet auf der Suche nach Pilzen, das Angebot sei aber gering gewesen. «Von anderen Vereinsmitgliedern habe ich auch keine positiven Meldungen erhalten.»

Gemäss Thomas Stirnimann von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern wird das vorerst auch so bleiben. «Durch das trockene Wetter der vergangenen Wochen wurde das Wachstum der unterirdisch lebenden Pilze gestört, und es konnten sich keine Fruchtkörper bilden», sagt Stirnimann. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pilzsammler überhaupt welche finden, ist momentan gering.»

Auch im Kanton Obwalden hat die Trockenheit den Pilzen zugesetzt. «Die ganze Entwicklung der Pilze wurde durch das Wetter zurückgeworfen», sagt Cyrill Kesseli vom Amt für Wald und Landschaft des Kantons Obwalden. Zudem habe er von den Wildhütern die Rückmeldung erhalten, dass in den Wäldern praktisch keine Pilze zu sehen seien. Stirnimann erklärt: «Pilze sind Lebewesen, und diese benötigen Wasser, um wachsen zu können.» Die hohen Temperaturen seien zwar optimal, doch fehle die Feuchtigkeit.

Wärme, Nässe – und Nährstoffe

Michel Schneider, Pilzkontrolleur des Kantons Zug, ergänzt, dass neben Wärme und Feuchtigkeit genügend Nährstoffe die wichtigsten Faktoren für ein üppiges Pilzwachstum sind. «Die Fruchtkörperbildung wird durch die Trockenheit nur gestört. Das heisst nicht, dass der Pilz abstirbt.» Die Fruchtkörper würden sich einfach später bilden, wenn die Umgebungsbedingungen optimal sind. Und das ist der Grund, warum die Pilzsammler hoffen dürfen. Thomas Stirnimann sagt: «Die Pilzsaison kann bei guten Bedingungen bis im Oktober dauern. Falls sich die Bedingungen verbessern, kann der Herbst den Pilzsammlern durchaus noch eine schöne Ernte bescheren.»

Feuchter Sommer 2014 gut für Pilze

Trotz Trockenheit wachsen laut Michel Schneider dennoch an verschiedensten Orten Pilze. «Vor zwei Wochen habe ich einen schönen rosastieligen Dachpilz gefunden.» Er erklärt, dass es Regionen gibt, wo es selbst in trockenen Sommer noch feucht ist – wie etwa an Bachufern.

Welchen Einfluss das Wetter auf die Pilzsaison hat, zeigt die Statistik zur Pilzkontrollmenge im Kanton Zug. Im Durchschnitt werden pro Jahr 450 Kilogramm essbare Pilze kontrolliert. Allein im August 2014 wurden 136 Kilogramm Pilze kontrolliert. 2013 hingegen wurden im gleichen Monat gerade einmal 57 Kilogramm gezählt. Das ist gemäss der Kontrollstelle auf den feuchten Sommer 2014 zurückzuführen.

Sarah Weissmann