ZENTRALSCHWEIZ: Zu viel Stress: Kinder holen sich vermehrt Hilfe per Telefon

Teils haben sich die Anrufzahlen in den letzten Wochen verdoppelt: Ende Jahr werden telefonische Beratungsstellen besonders oft kontaktiert. Ein Grund ist der Stress über die Festtage – und Einsamkeit.

Christian Hodel
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Kinder holen sich wegen zu viel Stress vermehrt Hilfe bei Beratungsstellen. (Symbolbild) (Bild: Stefan Kaiser)

Kinder holen sich wegen zu viel Stress vermehrt Hilfe bei Beratungsstellen. (Symbolbild) (Bild: Stefan Kaiser)

Die Anrufe häufen sich. Gut doppelt so viele Kinder haben sich in den vergangenen Wochen beim «Sorgentelefon für Kinder» (Nummer 0800 55 42 10) gemeldet, wie Daniel Peyer, stellvertretender Geschäftsleiter, sagt. «Im Durchschnitt rufen bei uns fünf bis zehn Kinder täglich an. Ab Mitte Dezember sind es jeweils bis zu zwanzig.»

Grund für die Häufung ist der Stress, dem sich Kinder Ende des Jahres vermehrt ausgesetzt fühlen. Einerseits haben sie laut Peyer in der Schule vor den Weihnachtsferien viel zu erledigen, Prüfungen stehen an, und Lehrer versuchen, bis Ende Jahr möglichst viel Schulstoff zu vermitteln. «Andererseits bekommen viele Kinder den Weihnachtsstress ihrer Eltern mit, was sie wiederum selber stresst.» Weihnachtsessen in der Firma, Jahresabschluss, Geschenke kaufen, das Planen von Silvester: All das überträgt sich auf die Sprösslinge.

Eine deutliche Zunahme der Anrufe stellen auch die Verantwortlichen der Telefonberatung 147 von Pro Juventute fest – allerdings erst nach den Festtagen, also in diesen Tagen. Die Hauptthemen sind hier: Streit und Trennungen der Eltern, die über die freien Festtage in den Familien teils zu heftigen Konflikten geführt haben.

Generationenkonflikte belastet Bauern

Doch nicht nur Kinder, auch ­Erwachsene holen sich in diesen Tagen vermehrt Hilfe: Besonders über die Festtage melden sich viele Personen bei der «Dargebo­tenen Hand» Zentralschweiz (Nummer 143). Das Hauptthema: sich ausgeschlossen fühlen, wie Klaus Rütschi, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Zentralschweiz, sagt. «Wenn alle um ­einen herum im Festrausch sind, macht sich die Einsamkeit besonders bemerkbar.»

Die rund 55 professionell geschulten freiwilligen Mitarbeiter der Dargebotenen Hand hören den Anrufern zu – und vermitteln Angebote oder verweisen sie an spezielle Fachstellen und Institutionen. Im Schichtbetrieb nehmen sie die Anrufe entgegen – 365 Tage rund um die Uhr. ­Rütschi rechnet damit, dass im Dezember rund 1100 Anrufe aus der Zentralschweiz eingegangen sind – die genauen Zahlen liegen noch nicht vor. Zum Vergleich: In den Herbstmonaten waren es zwischen 740 und 840.

Deutlich weniger, rund 150 Anrufe pro Jahr, sind es beim bäuerlichen Sorgentelefon (Nummer: 041 820 02 15). Trotz der eher geringen Zahl sind die Leitungen über die Festtage aber auch hier ausgelastet. Thematisch ging es in diesen Tagen häufig um gesundheitliche Probleme und um Generationenkonflikte, sagt Lukas Schwyn, Präsident des bäuerlichen Sorgentelefons. Letzteres sei um die Festtage besonders belastend, da sich die Betroffenen gerade in dieser Zeit wünschen würden, dass sie wieder miteinander reden könnten. Aber auch Depressionen seien ein Thema «und damit verbunden die Frage, wie man die Weihnachtstage überstehen kann».

Christian Hodel

 

Hinweis

Mehr Informationen finden sie unter: www.143.ch; www.147.ch; www.sorgentelefon.ch und www.baeuerliches-sorgentelefon.ch