Notruf-Zentralen in der Zentralschweiz: Künftig drei statt sechs Standorte

Die Zentralschweizer Polizeien sollen ihre Einsatzzentralen an drei Standorten in den Kantonen Luzern, Uri und Schwyz zusammenlegen. Beim ersten Anlauf 2003 war noch von einer Zentrale die Rede gewesen.

Lucien Rahm
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Sollen künftig mit Nid- und Obwalden zusammenarbeiten: Polizisten in der Einsatzzentrale in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 6. Juni 2017)

Sollen künftig mit Nid- und Obwalden zusammenarbeiten: Polizisten in der Einsatzzentrale in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 6. Juni 2017)

Ob Überfall, Unfall oder Einbruchdiebstahl: Wer in solchen Fällen polizeiliche Soforthilfe anfordern möchte, soll dies in der Zentralschweiz künftig bei überregionalen Einsatzzentralen tun. Die Idee, die im Jahr 2003 bereits erfolglos diskutiert wurde, wird seit wenigen Jahren wieder thematisiert – und langsam aber sicher konkret. An der jüngsten Versammlung der Konferenz der Zentralschweizer Regierungen, die am Donnerstag im schwyzerischen Pfäffikon stattfand, wurden die Regierungsvertreter über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten informiert.

Was sich die Regierungsräte davon versprechen: Kosteneinsparungen. Zwar könne nicht gross an Personal eingespart werden, erklärt der Konferenzpräsident und Schwyzer Baudirektor Othmar Reichmuth (CVP) auf Anfrage:

«Aber wir können uns die Anschaffungskosten für die teuren technischen Anlagen teilen.»

Denn diese müssten rund alle 15 Jahre wieder erneuert werden. Auch habe die neue Strafprozessordnung von 2010 dazu geführt, dass mehr administrativer Aufwand für die Polizei anfalle. Dieser sei einfacher zu handhaben, wenn die entsprechenden Prozesse zentral erfolgten.

Anders als noch 2003 stehen dem Vorhaben alle sechs Zentralschweizer Regierungen positiv gegenüber. Seinerzeit scheiterte das Projekt unter anderem deshalb, weil der damalige Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler die Nachteile für Luzern überwiegen sah. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und Abläufe in den verschiedenen Kantonen waren für ihn problematisch.

Uri hält wegen Gotthard an eigener Zentrale fest

Geändert hat sich der Plan zudem inhaltlich. War 2003 noch die Rede von einer einzigen Einsatzzentrale für alle Zentralschweizer Kantone, wird aktuell beabsichtigt, aus sechs Zentralen drei zu machen. Der Kanton Uri wird sich nämlich nicht am Projekt beteiligen. Weil die Urner Kantonspolizei zusammen mit dem Bundesamt für Strassen auch für die Sicherheit auf der Gotthardstrecke zuständig ist, sei eine Beteiligung für Uri wenig sinnvoll, sagt Reichmuth. Die restlichen Kantone würden sich gemäss Plan zu zwei Zentralen zusammenschliessen. Schwyz und Zug würden zusammen die eine Zentrale bilden, Luzern, Nid- und Obwalden die andere. Gegen die Idee von nur einer Zentrale für alle fünf Kantone habe unter anderem gesprochen, dass man eine Rückfallebene schaffen wollte. Reichmuth:

«Wenn in einer der beiden Zentralen gerade viel Betrieb herrscht, muss ein Anruf dennoch nicht an eine Stelle ausserhalb der Zentralschweiz weitergeleitet werden.»

Wo genau die beiden Zentralen errichtet werden sollen, sei momentan noch Gegenstand von Abklärungen. Im Kanton Schwyz seien «zwei Standorte im Talkessel» in der Endauswahl, sagt Reichmuth. Beide seien «hervorragend geeignet». Noch diesen Monat wolle man sich für einen der zwei entscheiden und diesen dann dem Kanton Zug als Standort für die gemeinsame Zentrale vorschlagen. Die möglichen Koordinaten der Zentrale für Luzern, Nid- und Obwalden sind schon seit längerem bekannt. Sie soll auf dem EWL-Areal in der Stadt Luzern entstehen.

Arbeitsabläufe als grosse Herausforderung

Was vor 16 Jahren schon Polizeikommandant Hensler als Schwierigkeit betrachtete, sieht aber auch Othmar Reichmuth als zentrale Schwierigkeit bei der Umsetzung: «Die eigenen Arbeitsabläufe jedes Kantons müssen vereinheitlicht werden – eine riesengrosse Herausforderung.» Als unproblematisch sieht es Reichmuth jedoch an, wenn zum Beispiel ein Luzerner Polizist künftig einen Notruf aus Obwalden entgegennimmt, wo er die lokalen Verhältnisse womöglich nicht so gut kennt wie in Luzern. «Die heutige Technik liefert alle Informationen, die benötigt werden.» Die Regierungen entscheiden nun, ob sie eine dreijährige Konzeptphase bewilligen. Bis zum Sommer soll der Entscheid vorliegen. Die Inbetriebnahme der Zentralen würde frühestens 2025 erfolgen.

Die Zentralschweizer Regierungskonferenz

Die Zentralschweizer Regierungskonferenz ist ein 1966 gegründeter Zusammenschluss der Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug. Die Kantone Zürich, Aargau und Tessin sind assoziierte Mitglieder der Konferenz. Die als Plattform für die interkantonale Zusammenarbeit gegründete Konferenz trifft sich jährlich zu zwei Plenarversammlungen. Im ZRK-Ausschuss, in den sieben Zentralschweizer Direktorenkonferenzen und in der Staatsschreiberkonferenz werden aktuelle Geschäfte beraten und Zusammenarbeitsprojekte lanciert. In Fachkonferenzen auf Verwaltungsebene werden die einzelnen Geschäfte operativ vorbereitet und umgesetzt. Die interkantonale Kooperation in der Zentralschweiz soll jene Bereiche, die für die Attraktivität der Zentralschweiz als Lebens- und Wirtschaftsraum wichtig sind, stärken und die Interessen der Zentralschweizer Kantone in der Bundespolitik und im Metropolitanraum Zürich stark und nachhaltig vertreten. (pd)