Zentralschweizer SAC-Hütten blicken auf erfolgreiche Saison zurück

Die Sommersaison in den Hütten des Schweizer Alpenclubs (SAC) ist Geschichte. Zeit für die Gastgeber, Bilanz zu ziehen – etwa für die Rugghubel- oder Hüfihütte.

Sandra Peter
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Bei Saisonende lag bei der Rugghubelhütte auf 2294 Meter noch keine weisse Pracht. Die Abschlussarbeiten konnten ohne Schneegestöber durchgeführt werden. (Bild: PD, 31. Oktober 2019) )

Bei Saisonende lag bei der Rugghubelhütte auf 2294 Meter noch keine weisse Pracht. Die Abschlussarbeiten konnten ohne Schneegestöber durchgeführt werden. (Bild: PD, 31. Oktober 2019) )

Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden schon am Nachmittag hinter den Berggipfeln, frostige Temperaturen sorgen für Schneeflocken, die Fahnen flattern nicht mehr. Die Sommersaison 2019 in den Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) ist vorbei. Auch in der Rugghubelhütte oberhalb von Engelberg. Mit 95 Schlafplätzen zählt sie zu den grösseren SAC-Unterkünften. Hüttenwart Christian Menon analysiert die letzte Saison: «Im Herbst war im Vergleich zu den letzten zwei Jahren etwas weniger los, wetterbedingt. Das gleicht sich bei uns dank der langen Saison von Juni bis Oktober aber jeweils wieder aus». Rund 3'500 Übernachtungen zählte die von der SAC Sektion Titlis betreute Hütte. Menon sagt:

«Wir sind zufrieden, auch wenn die Zahlen nicht an die aussergewöhnliche letzte Saison heranreichen.»

Damals wies die Rugghubelhütte 4'128 Übernachtungen auf.

Ähnlich ist die Situation in der gesamten Schweiz. Die genauen Zahlen der einzelnen Hütten werden zwar erst jetzt eingereicht. Eine erste Bilanz kann Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hüttenbetrieb beim SAC, trotzdem ziehen. «Die Anzahl Übernachtungen liegt im Rahmen des Vorjahres. Allerdings wird das Resultat von 2018 wohl nicht ganz erreicht», sagt er. Im letzten Jahr verzeichneten die 153 SAC-Hütten total 342'902 Übernachtungen, 278'553 davon in der Sommersaison. Dies war das beste Ergebnis seit 2009. Damals zählten die Hüttenwarte insgesamt über 350'000 Übernachtungen.

Auf der Hüfihütte herrscht nach dem Umbau Grossandrang

Weit über den Erwartungen hingegen liegt die Zahl der Übernachtungen in der Hüfihütte im Maderanertal. Sie ist mit 30 Schlafplätzen eine der kleineren SAC-Unterkünfte. Die Hüfihütte wurde im Sommer 2018 für 1,3 Millionen umgebaut (wir berichteten), im Sommer 2017 zählte sie rund 630 Übernachtungen.

Die renovierte Hüfihütte liegt im Maderanertal auf 2334 Meter über Meer. (Bild: PD, Herbst 2019)

Die renovierte Hüfihütte liegt im Maderanertal auf 2334 Meter über Meer. (Bild: PD, Herbst 2019)

Die Saison auf der Hüfihütte dauert von Juli bis September, die Unterkunft gehört dem SAC Pilatus. Die Zielvorgabe der Sektion an den neuen Hüttengastgeber Fridolin Vögeli: 800 bis 1000 Übernachtungen. Bei Saisonende verzeichnete die Hütte über 1'600 Übernachtungen. Hinzu kamen rund 600 bis 700 Tagesgäste. «Viele waren wohl neugierig, wie die Hütte nach dem Umbau aussieht. Auch Freunde und Bekannte, die uns von der Jenatschhütte her kannten, kamen uns besuchen», so der Hüttenwart. Auf der Bündner Hütte waren Vögeli und seine Partnerin Claudia Drilling zuvor Gastgeber.

«Wir freuten uns darüber, wie wetterfest die Gäste im Maderanertal sind. Wir hatten von heftigen Gewittern, über Sonnenschein und Regen bis hin zu Schnee alles.»

Ab und zu mussten die Gäste zusammenrücken, weil mehr als 30 Personen übernachteten. «Wenn jemand todmüde eintrifft, schickt man ihn nicht zurück ins Tal, auch wenn er nicht reserviert hat», erklärt der Hüttengastgeber. Eine Herausforderung war der Ansturm aber doch an manchen Tagen. «Zum Glück sind wir alte Hütten-Hasen und konnten dies managen», sagt er. Weniger Tages- und Übernachtungsgäste kamen gemäss Vögeli während der Sperrung der Axenstrasse.

Das Hüttenleben ist auch bei Familien beliebt

Die Rugghubelhütte besuchen gemäss Gastgeber Menon «eher Wanderer, die gemütlich unterwegs sind». Für einige sei die Hütte selbst das Ziel. Eine weiterführende Tour, beispielsweise über das Rot Grätli oder auf den Wissig- oder Rotstock, unternehme etwa die Hälfte der Besucher. «Gipfelstürmer kommen weniger zu uns, Bergführer mit Gästen sind höchst selten.» Während der Ferienzeit beheimatet die Unterkunft grösstenteils Familien. «Die Rugghubelhütte ist über einfache Wege zugänglich, Kinder ab vier oder fünf Jahren schaffen das – oder auch die älteren Semester.» Im August und September sind Turnvereine oder Kollegengruppen anzutreffen.

Auch bei der Hüfihütte ist die Unterkunft für rund die Hälfte der Gäste direkt das Ziel oder sie wandern während einer Woche auf der Grossen-Maderaner-Rundtour von Hütte zu Hütte. Unter den Besuchern waren in diesem Sommer auch rund 50 bis 80 Kinder. Die andere Hälfte der Besucher unternimmt Hochtouren. «Viele der Gäste kommen wegen des nahen Gletschers», sagt Vögeli. «Gross Schärhorn und Gross Düssi sind zwei stark begangene Gipfel.» Mit dem neuen Gastgeber haben auch neue Regeln in der Hüfihütte Einzug gehalten: Wer sein Handy aufladen will, übernimmt entweder einen halbstündigen Küchendienst oder legt Geld in einen Topf für den weiteren Ausbau der Wasserversorgung.

Online Reservationssystem sorgt für weniger «No Shows»

In jüngster Zeit hatten SAC-Hütten mit sogenannten No Shows zu kämpfen (wir berichteten). Dass Gäste in der Rugghubelhütte im Engelbergertal nicht erscheinen, ohne sich abzumelden, kommt zwar vor. Das Problem sei aber «nicht so gravierend», sagt Hüttenwart Christian Menon. Denn in den vergleichbaren umliegenden Hütten und Gasthäusern herrsche meist die gleiche Wetterlage. «Wenn das Wetter bei uns garstig ist, dann oft auch auf der Spannort- und Lidernenhütte oder beim Brisenhaus. Hütten an anderen Lagen und mit anderem Klientel haben da mehr Sorgen.»

Einfacher zugängliche Hütten werden auch bei weniger gutem Wetter besucht, bestätigt SAC-Bereichsleiter Hüttenbetrieb Bruno Lüthi. Von No Shows seien eher hochalpine Unterkünfte betroffen, vor allem im Winter. 

«Die Moral der Alpinisten ist nicht mehr die gleiche wie vor 10 oder 20 Jahren.»

Dies wird vor allem kritisch, wenn ein Hüttenwart nicht abschätzen kann, ob die erwarteten Gäste unterwegs verunfallt sind und er Alarm auslösen muss oder ob sie gar nicht erst aufgebrochen sind. Der Anteil von No Shows beträgt in einzelnen Hütten über zehn Prozent. Auf die nächste Saison hin plant der SAC, im Online-Reservationssystem eine zusätzliche Funktion zur Verfügung zu stellen, bei der die Gäste ihre Kreditkartenangaben hinterlegen müssen. «Jeder Hüttenwart kann aber selber entscheiden, ob er damit arbeiten will.» Ginge es nach dem Gastgeber der Hüfihütte, wäre dies anders. «Ich bin für eine einheitliche und strenge Linie», sagt Fridolin Vögeli. Hüttenwarte hätten jedoch Angst, die Gäste damit zu verärgern. Er selber versandte wegen No Shows in der vergangenen Saison um die zehn Rechnungen. «Und alle haben bezahlt.» Wer ein Bett in der Rugghubelhütte online reserviert, erhält die Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit den Informationen zu Storno- und No-Show-Gebühren zugeschickt. «Das hat viel bewirkt. Niemand kann sagen, er habe von den Regeln und Kosten nichts gewusst», sagt Hüttenwart Christian Menon.

Hinweis: SRF besuchte die Hüfihütte im Rahmen der Serie «SRF bi de Lüt –Hüttengeschichten Spezial». Die Sendung wird am Samstag, 16. November 2019, ausgestrahlt.

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