«Zivilcourage heisst, sich beherzt einzusetzen»

Selbstlose Einsätze werden von der Neuen Luzerner Zeitung in der Serie «Unbekannte Helden» ausgezeichnet. Die neue Jurypräsidentin Esther Gasser sagt, wer ihr ganz persönlicher Held ist.

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Esther Gasser-Pflug (FDP) ist Obwaldner Sicherheitsdirektorin und seit diesem Jahr Jurypräsidentin der Aktion «Unbekannte Helden». Sie ist Nachfolgerin des Luzerner Spitalratspräsidenten Beat Villiger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Esther Gasser-Pflug (FDP) ist Obwaldner Sicherheitsdirektorin und seit diesem Jahr Jurypräsidentin der Aktion «Unbekannte Helden». Sie ist Nachfolgerin des Luzerner Spitalratspräsidenten Beat Villiger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Die 18-jährige Sara Muff aus Sempach hat einem verunfallten Töfffahrer Soforthilfe geleistet. Dank ihrem spontanen, selbstlosen Einsatz überlebte der Mann den Unfall. Sara Muff wurde von der «Neuen Luzerner Zeitung» und ihren Regionalausgaben zur ersten «Unbekannten Heldin» der neuen Staffel gekürt. Pro Quartal wird jeweils ein Held gesucht. Momentan läuft die Ausschreibung für den unbekannten Helden des zweiten Quartals (siehe Kasten). Ende Jahr kürt eine sechsköpfige Jury aus den Quartalsgewinnern den «Unbekannten Helden des Jahres». Seit diesem Jahr ist die Obwaldner Regierungsrätin Esther Gasser Pfulg Jurypräsidentin.

Esther Gasser, die Neue Luzerner Zeitung zeichnet den «Unbekannten Helden» aus. Wer ist Ihr persönlicher Held?

Esther Gasser: Meine grösste Bezugsperson ist mein Ehemann, der mich unentwegt unterstützt und hilfreich zur Seite steht. In meinem privaten Umfeld haben auch meine Eltern eine Vorbildfunktion: Mein Vater, der durch einen Hirnschlag halbseitig gelähmt ist und sein Schicksal ohne Jammern trägt, und meine Mutter, die ihn mit einer Selbstverständlichkeit pflegt.

Sie sind Regierungsrätin im Kanton Obwalden. Begegnen Sie in Ihrer täglichen Arbeit auch Helden?

Gasser: Als Vorsteherin des Sicherheitsdepartements komme ich immer wieder in Kontakt mit Menschen, die beruflich wie auch in ihrer Freizeit gewillt sind, kalkulierbare Risiken auf sich zu nehmen, um andere zu retten, so zum Beispiel die Feuerwehr, die Polizei oder die Alpine Rettungsgruppe.

«Freiwilligenarbeit ist der Kitt der Gesellschaft»

Für welche Heldentat möchten Sie denn selbst einmal ausgezeichnet werden?

Gasser: Für keine.

Unsere Helden werden ausgezeichnet, weil sie Zivilcourage zeigen. Wie wichtig ist Zivilcourage für Sie – und für die Gesellschaft?

Gasser: Zivilcourage heisst, in einem unvorhergesehenen Moment hinzustehen und sich für einen anderen Menschen oder eine Sache beherzt einzusetzen. Die Eigeninteressen treten in den Hintergrund, und man nimmt sogar drohende Nachteile oder Schaden für die eigene Person in Kauf. Vor einem solchen Handeln habe ich hohen Respekt, und diese Menschen dienen uns allen als Vorbilder.

Unsere Gesellschaft ist stetig anonymer. Was können wir tun, um zur Gesellschaftsbildung beitragen?

Gasser: Ich wünsche mir, dass wir uns alle wieder vermehrt ohne Scheu und ohne Hochmut persönlichen Begegnungen aussetzen. Indem wir Interesse an Dingen oder Anliegen zeigen, die über eine abgeschottete Privatwelt hinausgehen, durchbrechen wir Anonymität und erkennen Gemeinschaftliches.

Und was ist die Aufgabe der Politik?

Gasser: Sie kann ein Miteinander in der Gesellschaft unterstützen, indem sie Tendenzen, konkrete Vorhaben oder Anlässe, die in diese Richtung weisen, fördert und stärkt.

Freiwilligenarbeit ist nicht mehr beliebt. Die Vereine und Organisationen kämpfen darum, ihre ehrenamtlichen Posten besetzen zu können. Wie kann Freiwilligenarbeit wieder attraktiver gemacht werden?

Gasser: Freiwilligenarbeit ist der Kitt der Gesellschaft. Ich erachte sie als äusserst bedeutungsvoll. Sie stärkt soziale Bindungen sowie die Solidarität und lässt Menschen aus allen Generationen und von unterschiedlicher Herkunft an der Gemeinschaft teilhaben. Es ist wichtig, dass wir die Bedeutung der Freiwilligenarbeit wieder hervorheben und ihr die gebührende Achtung schenken. Das letzte Jahr der Freiwilligenarbeit war ein Schritt in diese Richtung.

Warum engagieren Sie sich als Jurypräsidentin bei der Aktion «Unbekannte Helden» unserer Zeitung?

Gasser: Zum einen möchte ich damit meinem Respekt vor den Menschen Ausdruck geben, die sich hier auszeichnen. Zum anderen unterstütze ich diese Aktion, weil sie eine Lebenseinstellung auszeichnet, die das Eigeninteresse überwindet und das Wohl eines anderen, die Solidarität in den Vordergrund rückt.

Interview: Christian Bertschi

Melden Sie uns jetzt Ihre Helden

Ab sofort können wiederum bis dato unbekannte Personen aus der Zentralschweiz, die sich durch ihren uneigennützigen Einsatz für andere oder die Allgemeinheit auszeichnen, vorgeschlagen werden. Gerne laden wir Sie ein, uns solche unbekannte Heldinnen und Helden vorzustellen. Die Kriterien sind die folgenden:
Wir suchen Menschen in der Zentralschweiz, die durch ihre aussergewöhnliche, aufopfernde, freiwillige Aufgabe auffallen.

Dies sind etwa Personen, die durch ihr selbstloses, couragiertes Handeln anderen geholfen haben. Oder es sind Menschen, die sich trauen, hartnäckig für eine gemeinnützige Sache einzustehen. Gesucht sind Kandidatinnen und Kandidaten aus unserer Region, die nicht offizielle Vertreter von Behörden, Parteien oder Verbänden sind.

Für die jetzt laufende Ausschreibung für den Helden des zweiten Quartals gilt: Schicken Sie uns eine kurze Beschreibung der heldenhaften Person mit Angabe von Name, Adresse; Alter, Telefonnummer sowie Ihre eigenen Koordinaten. Senden Sie diese Angaben bis spätestens Dienstag, 5. Juni, an eine der folgenden Adressen:

Per Post
LZ Medien
«Unbekannte Helden»
Maihofstrasse 76
6002 Luzern

E-Mail
helden@lzmedien.ch

Selbstverständlich können Vorschläge das ganze Jahr über bis zur Wahl im vierten Quartal eingereicht werden. Führt Ihr Vorschlag zur Wahl eines Quartalshelden, winkt als Dankeschön eine Übernachtung für zwei Personen im 4-Sterne-Hotel Montana in Luzern, inklusive Nachtessen.

Die Serie «Unbekannte Helden» wird zudem unterstützt durch Raiffeisenbanken der Zentralschweiz, Gübelin AG und Heini Conditorei AG. Medienpartner ist das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1.

red