ZÜRICH / MEIERSKAPPEL: 9-Jähriger darf nicht an der ETH studieren

Der hochbegabte Maximilian Janisch darf an der ETH – parallel zum Gymi – Mathe-Vorlesungen besuchen. Zugang zum Studium erhält der 9-Jährige jedoch nicht.

Rem/Sra
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Maximilian Janisch darf nicht an der ETH Zürich studieren. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Maximilian Janisch darf nicht an der ETH Zürich studieren. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Die ETH Zürich hat dem 9-Jährigen am Mittwochmorgen in einem Gespräch zusammen mit den Eltern aufgezeigt, wie ein Mathe-Studium an der ETH aufgebaut ist. «Das Gespräch ist positiv verlaufen», sagt Roman Klingler, Mediensprecher der ETH Zürich, auf Anfrage. Man habe verschiedene Möglichkeiten präsentiert, um den Schüler aus Meierskappel darin zu unterstützen, seine besondere Begabung zu fördern. So macht die ETH dem Bub das Angebot, einzelne Vorlesungen in Mathematik als Hörer zu besuchen und damit auch an den Übungen und Fachdiskussionen mit allen anderen Studenten teilnehmen zu können.

Als Student einschreiben kann sich der Schüler an der ETH Zürich jedoch nicht, denn die Zulassungsrichtlinien sind klar formuliert. «Wer an der ETH studieren will, muss entweder eine eidgenössiche Maturität mitbringen oder eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Beides kann Maximilian Janisch nicht vorweisen», sagt Klingler. Zudem sei ein Studium gerade im ersten Jahr sehr intensiv und herausfordernd. Eine Möglichkeit, sich einzelne Vorlesungen herauszupicken und in diesen eine Prüfung abzulegen, gebe es nicht. Ein Studium sei als Vollstudium angelegt und die Basisprüfung gegen Ende des ersten Jahres bedingt, dass sich die Studenten in allen Fächern «en bloc» prüfen lassen.

Die ETH schlägt zur Förderung des Jungen eine Studienwoche vor, die Jahr für Jahr für interessierte Gymnasiasten angeboten wird. So könne der Neunjährige unter kundiger Leitung von ETH-Dozierenden andere Jugendliche treffen und seine Leidenschaft für Mathematik teilen. Im Gespräch wurde auch auf die Schweizer Mathematik-Olympiade hingewiesen. Dieser jährlich stattfindende Wettbewerb biete sich für aussergewöhnlich begabte Jugendliche wie Maximilian Janisch geradezu an, sich mit Gleichaltrigen zu treffen und zu messen.

Der Schüler aus Meierskappel, der mittlerweile die erste Klasse des Gymnasiums Immensee besucht, hatte die Mathe-Matura als «kleine Denkübung» unter Prüfungsbedingungen mitgeschrieben. Das Resultat: die Note 6 im mündlichen und eine 5,5 im schriftlichen Test. Die Primarschule absolvierte er in drei Jahren.

Eltern sind enttäuscht

Maximilians Vater, Thomas Drisch, ist über den Verlauf des Gesprächs an der ETH alles andere als glücklich: «Wir sind enttäuscht und wurden um die Hoffnung gebracht, dass vielleicht eine besondere Regelung gefunden werden kann.» Zum Argument der ETH bezüglich des ersten, sehr intensiven Jahres sagt Drisch: «Das würde für Maximilian 60 Wochenstunden bedeuten. Damit setzte uns die ETH ins Aus.» Es handle sich um Spielregeln, die von aussen gesehen Sinn machen - «allerdings nicht für Maximilian». Im Moment wisse man noch nicht, wie man weiter verfahren wolle; man müsse das in Ruhe überlegen. Für Drisch ist klar: «Ich stelle mir fünf künftige Jahre ohne gymnasialbegleiteten Studienweg fürchterlich vor.» Auch für Maximilian sei es nicht zufriedenstellend: «Als er merkte, dass sich keine Sonderlösung abzeichnet, hat er das Interesse verloren und widmete sich einem ‹Donald Duck›-Heft.»

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