Zürich und Schwyz wollen besseren Hochwasserschutz

Die Kantone Zürich und Schwyz wollen die Einzugsgebiete an Sihl und Limmat besser vor Extremhochwasser schützen. Mögliche Lösungen sind ein Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil oder ein Ausbau der Pumpspeicherung beim Etzel-Kraftwerk am Sihlsee.

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Der Sihlsee bei tiefem Wasserstand - hier im trockenen Frühling 2011. Der hier gesenkte Wasser-Pegel hat einen Einfluss auf die Hochwassergefahr im Raum Zürich. (Bild: Irene Infanger / Neue SZ)

Der Sihlsee bei tiefem Wasserstand - hier im trockenen Frühling 2011. Der hier gesenkte Wasser-Pegel hat einen Einfluss auf die Hochwassergefahr im Raum Zürich. (Bild: Irene Infanger / Neue SZ)

Die beiden Konzepte wurden am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Thalwil vom Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP) und seinem Schwyzer Amtskollegen Andreas Barraud (SVP) vorgestellt. Hervorgegangen sind die zwei möglichen Lösungen aus einem Workshop- Verfahren, in dem 35 völlig unterschiedliche Ideen geprüft wurden.

«Wir wollten keine Lösung ausser Acht lassen - und sei sie auf den ersten Blick noch so undenkbar», sagte Kägi. Der Hochwasserschutz im Einzugsgebiet von Sihl, Zürichsee und Limmat stehe ganz oben auf der Prioritätenliste. Das Schadenpotenzial in diesem dicht besiedelten Gebiet sei enorm hoch und entsprechend gross das Schutzbedürfnis.

Das Konzept «Kombilösung Energie» sieht einen Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks Etzel am Sihlsee vor. Der Sihlsee soll dabei grundsätzlich nicht höher gestaut werden als heute. Durch einen neuen, bedeutend grösser dimensionierten Druckstollen soll jedoch bei Hochwassergefahr mehr Wasser aus dem Sihlsee in den Zürichsee übergeleitet werden können.

Vor Hochwasser schützen und mehr Strom produzieren

Mit diesem Konzept würden sowohl die Schwyzer Gemeinden unterhalb des Sihlseedamms als auch die Zürcher Gemeinden Langnau am Albis und Adliswil sowie die Stadt Zürich langfristig vor extremem Hochwasser geschützt. Auch die Gemeinden im Limmattal könnten davon profitieren.

Gleichzeitig könnte mit der Kombilösung die Energieproduktion erheblich gesteigert werden. Das Etzel-Kraftwerk, dessen Konzession 2017 ausläuft, liefert heute zu 100 Prozent Strom für das SBB-Netz. Nach einem Ausbau wäre es laut Andreas Barraud, Vorsteher des Umweltdepartementes des Kantons Schwyz möglich, auch Normalstrom zu produzieren. Realisiert werden könnte die Kombilösung innerhalb von 15 bis 20 Jahren.

Sihl-Hochwasser in Zürichsee leiten

Das zweite Konzept sieht einen Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil vor, mit dem Sihl-Hochwasserspitzen in den Zürichsee geleitet würden. Von dieser Lösung würden die Schwyzer Gemeinden kaum profitieren. Der Kanton Zürich könnte aber dieses Konzept in einem Zug innerhalb von 8 bis 12 Jahren umsetzen.

Laut Gesamtprojektleiter Matthias Oplatka vom Zürcher Amt für Wald, Energie und Landschaft (AWEL) kann zum derzeitigen Zeitpunkt keine der beiden Lösungswege favorisiert werden. Beide Konzepte gewährleisteten den Hochwasserschutz und ermöglichten die ökologische und städtebauliche Aufwertung des Sihl-Flussraums.

Beide Konzepte seien zudem wirtschaftlich: Bei Investitionskosten von 70 bis 130 Millionen Franken könnten Hochwasserschäden in der Grössenordnung von bis zu 5 Milliarden Franken vermieden werden. Um einen definitiven Entscheid fällen zu können, müssten vorgängig für beide Konzepte jedoch vertiefte Grundlagen erarbeitet werden.

Entscheid erst 2015

Zu prüfen seien unter anderem die Auswirkungen auf Sihlsee und Zürichsee, die Linth sowie die Abflusskapazität der Limmat zwischen Quaibrücke und Platzspitz in der Stadt Zürich, erklärte Oplatka. Nach wie vor ein Engpass sei auch der Sihl-Durchlass unter dem Hauptbahnhof Zürich.

In einem grossangelegten Modellversuch an der ETH Zürich wird derzeit die Abflusskapazität dieses Durchlasses geklärt. Erst wenn dieser Modellversuch abgeschlossen ist, soll der Entscheid über die bevorzugte Lösung gefällt werden, wie Oplatka sagte. Das werde voraussichtlich 2015 der Fall sein.

Letztmals über die Ufer getreten sind Sihl und Limmat 1910. Nach Unwettern und heftigen Niederschlägen sei man 2005 aber nur ganz knapp grossen Hochwasserschäden entgangen, stellte Oplatka fest. Wäre das Niederschlagszentrum über dem Einzugsgebiet der Flüsse Alp, Biber und Sihl statt über dem Berner Oberland gelegen, wären der Zürcher Hauptbahnhof und grosse Teile der Stadt überschwemmt worden.

Sihlsee wird vorzeitig abgesenkt

Seither kann der Kanton Zürich zur Reduktion von Überschwemmungen veranlassen, dass die Etzelwerk AG den Sihlsee vorsorglich absenkt. Grundlage dafür sind Vorhersagen für die örtlichen Niederschlags- und Abflussmengen im Sihl- und Limmattal.

Um genügend Rückhaltevolumen zu schaffen, muss laut Oplatka die Absenkung des Sihlsees drei bis vier Tage vor einem möglichen grossen Hochwasser beginnen. Während des Hochwassers wird dann der Abfluss des Sihlsees so weit gedrosselt, dass im Raum Zürich die kritischen Abflusswerte der Sihl nicht überschritten werden.

sda