1. WELTKRIEG: «Als wir erwachten, hörten wir Kanonendonner»

Der Kanton Zug hat Fotos, Postkarten, Briefe und Tagebücher aus der Zeit des ersten Weltkriegs gesucht und archiviert. Jetzt wird die Sammlung vorgestellt.

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Eine Auswahl an Zuger Briefen, Postkarten und Schriften aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. (Bild: PD)

Eine Auswahl an Zuger Briefen, Postkarten und Schriften aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. (Bild: PD)

Das Projektteam «Bilder-Zug 14/18» sucht und sichert Fotos, Postkarten, Briefe und Tagebücher sowie weitere Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914–1918) im Kanton Zug. Ziel ist es, diese wertvollen Zeugen einer schwierigen Zeit aus Privathaushalten, Vereins- und Firmenarchiven professionell zu sichern, der Nachwelt zu erhalten und der Forschung zur Verfügung zu stellen. Das Staatsarchiv Zug begleitet und der Lotteriefonds des Kantons Zug unterstützt das Vorhaben.

Anlass ist der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Das Gedenkjahr soll auch in Zug Anlass sein, die Geschichte zu erforschen und in einer Reihe von Artikeln darzustellen, die in der wissenschaftlichen Jahresschrift Tugium erscheinen. Das Tugium ist die gemeinsame Publikation verschiedener Zuger Institutionen, die im Bereich der kantonalen Geschichte tätig sind: Staatsarchiv, Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Museum Burg Zug und Museum für Urgeschichte.

Hinweis: Am Montag, 20. Oktober um 17 Uhr findet im Kantonsratssaal des Regierungsgebäudes die öffentliche Buchvernissage statt.

Auszug aus dem Tugium

«Meine liebe Maria... als wir gestern morgen erwachten, hörten wir wieder fernen Kanonendonner», schreibt der Zuger Kompaniekommandant Josef Iten-Kerckhoffs (1879–1945) am 16. August 1914, zwei Wochen nach der Mobilmachung an seine Ehefrau in Zug. Von Hauptmann Josef Iten liegen aus der Zeit von 1914–1918 rund 100 Briefe und Karten an Maria Iten in den Magazinen des Museums Burg Zug. Der nachmalige Direktor der Zuger Kantonalbank schildert den Tagesablauf und die Speisezettel, die Unterkünfte und das soldatische Zusammenleben, das Wetter und die Aufenthaltsorte mit der Bitte an seine Frau, diese «geheim zu halten und nicht auf die (Brief)Adresse zu schreiben». Neben der regelmässigen Erwähnung des Kanonendonners von jenseits der Grenze, beschreibt Iten die nächtlichen Alarme und die Übungen in der Dunkelheit und Nässe, ist traurig darüber, am Hochzeitstag nicht bei seiner Frau sein zu können und endet z. B. im Brief vom 30. Oktober 1914 mit der Hoffnung «wenn immer möglich komme ich samstags nach hause. Recht herzliche Grüsse an Dich und den l. kleinen, Dein Josef».

Kanton Zug sucht weitere Bilder und Quellen

Gesucht werden Quellen wie Fotos, Postkarten, Briefe oder Tagebücher aus der Zeit des Ersten Weltkriegs im Kanton Zug. Dabei geht es hauptsächlich um historische Dokumente aus Kommoden und Schachteln, aus Kellern und Estrichen der privaten Haushalte, Institutionen und Firmen. Damit soll bisher unbekannte oder vernachlässigte und gefährdete Kulturgüter langfristig als wichtige Zeugnisse der Vergangenheit Zugs gesichert und als Grundlage für Forschungen und Publikationen zur Verfügung gestellt werden können. Auskünfte und Beratung: Walter Bersorger, Projektleiter, Tel.: 079 784 96 67, E-Mail: walter.bersorger@zg.ch

pd/rem