100 Bienenhäuschen für Zug

Der Zuger Kevin Keiser (21) hat ein Projekt zur Sensibilisierung für das Thema Wildbienen lanciert.

Vanessa Varisco
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Der ETH-Student Kevin Keiser aus Zug hat ein Herz für Wildbienen.

Der ETH-Student Kevin Keiser aus Zug hat ein Herz für Wildbienen.

Bild: Matthias Jurt
(Zug, 6. März 2020)

Für das Ökosystem haben sie einen nicht zu unterschätzenden Wert: die Wildbienen. So sind sie etwa zuständig für die Bestäubung von Blüten und übernehmen damit eine tragende Rolle in der Obstproduktion. Anders als ihre Verwandten, die Honigbienen, produzieren sie die zuckerhaltige Speise aber nicht. Fasziniert von den Insekten zeigt sich der Zuger ETH-Student Kevin Keiser, nachdem er vor sieben Jahren den Film «More Than Honey» gesehen hatte, in welchem das Leben und Schaffen der Bienen porträtiert wird. «Dass diese kleinen Tiere so viel leisten können beziehungsweise einen Einfluss auf das ganze Ökosystem haben, begeisterte mich unheimlich», gibt der 21-Jährige zu. Nicht zuletzt hat er damals ausserdem realisiert, wie prekär die Lage für die Insekten sei: «Das Bienensterben ist ein akutes Problem», betont er.

Neben dem Sterben der Honigbienen geht es auch den Wildbienen nicht viel besser, schwindet doch ihr Lebensraum zunehmend. «Die meisten Leute wissen gar nicht, dass es neben der Honigbiene noch über 600 weitere Bienenarten in der Schweiz gibt» erklärt Keiser. Um die Wildbienen den Leuten ein wenig näherzubringen, hat er ein Projekt auf die Beine gestellt. Dabei können die Stadtzuger ab dem 16. März zu einem günstigeren Preis als üblich von der Firma Wildbiene + Partner ein Bienenhäuschen mit einer Startpopulation von 25 Mauerbienen und sechs Wildblumen erwerben. Ergänzend dazu führt die Stadt Zug auch dieses Jahr wieder eine Wildstaudenaktion durch.

Bienen zur Obstbestäubung

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der Einbezug der Landwirtschaft: Ende Herbst wird ausgezählt, wie viele Bienen sich in den Zuger Bienenhäuschen vermehrt haben. Im darauffolgenden Frühling werden diese vermehrten Bienen dann zur Obstbestäubung an den Biohof in Zug abgegeben. Dieser führt dann einen Tag der offenen Türe für die Besitzer der Bienenhäuschen durch. So schliesst sich der Kreis wieder.

Zehn Plakatstelen, die in der Stadt aufgestellt wurden, verweisen auf dieses Projekt. Natürlich hat auch Kevin Keiser selbst ein solches Häuschen im Garten stehen. «Gerade in städtischen Gebieten fehlt es den Bienen häufig an Nistmöglichkeiten», begründet er den Entscheid, weshalb er sich für die Häuschen als Mittel zur Förderung entschieden hat. «Bienen werden oft unterschätzt. Wichtig ist, die Bevölkerung zu sensibilisieren», findet der ETH-Student. Neben dem kurzfristigen Effekt, dass Nistmöglichkeiten geschaffen werden, soll das Projekt auch einen langfristigen Einfluss haben. Den Leuten soll durch dieses Projekt der Zusammenhang zwischen den Wildbienen und der Obstbestäubung aufgezeigt werden.

Langfristig etwas bewirken

Obwohl der 21-jährige Zuger eher zufällig auf das Thema gestossen ist, so ist ihm doch mittlerweile die Leidenschaft anzuhören, wenn er von den kleinen Lebewesen spricht. Leidenschaft, die brauchte er denn wohl auch, hat er doch für die Umsetzung seines Projekts drei Jahre Zeit investiert. «Der Prozess war aufwendig», erinnert er sich. Weshalb genau? «Vor allem die Koordination der verschiedenen Parteien beanspruchte Zeit.» Keiser hat für sein Projekt mit der Stadt Zug zusammengearbeitet. Auch habe er einige Überzeugungsarbeit leisten müssen. «Umso schöner, dass am Ende alles geklappt hat», freut sich Kevin Keiser.

Digitale Angebote

Nicht nur in natura, sondern auch im digitalen Bereich will Keiser die Sensibilisierung vorantreiben. Deshalb hat er etwa eine Website mitentworfen, bei der einerseits auf das Projekt aufmerksam gemacht wird und zum anderen Tipps und Tricks erteilt werden, wie man den Wildbienen das Leben einfacher machen kann. «Die Tipps sind leicht umzusetzen», gibt Keiser Auskunft. Er ist überzeugt, dass sich die Stadtzuger ebenfalls begeistern lassen werden. «Das Thema Biodiversität ist in aller Munde. Wenn man der Bevölkerung zeigt, wie sie ihren Beitrag dazu leisten kann, wird sie sich bestimmt dafür engagieren.» Er ergänzt: «Und mit dem Frühling werden die Bienen kommen».

Weitere Informationen gibt es auf der Website: www.wildbienen-für-zug.ch.