Männerchor Hünenberg: 100 Jahre Gesang und Kameradschaft

Am 7. Februar 1919 gründeten 26 Männer aus allen Teilen der Gemeinde im Restaurant Wartstein den Männerchor, der heute 35 aktive Sänger zählt. Der Verein gehört zu den ältesten im Dorf – sein Jubiläum feiert er gemeinsam mit der Bevölkerung.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Der Männerchor Hünenberg beim Laetare-Konzert mit den Männerchören Zug und Cham im März 2018 im Casino Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Der Männerchor Hünenberg beim Laetare-Konzert mit den Männerchören Zug und Cham im März 2018 im Casino Zug. (Bild: Werner Schelbert)

Die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Männerchors Hünenberg ist reich an Anekdoten und lädt zum Schmökern ein. Als Leser erfährt man zum Beispiel, dass die Tradition der Hünenberger 1.-August-Feier auf den Männerchor zurückgeht – hat er doch im Jahr 1919 die Durchführung angeregt und die Feier später während Jahrzehnte organisiert. Weiter liest man, dass die Sänger im Gründungsjahr ein Eintrittsgeld von 1.50 Franken zu leisten hatten und der Jahresbeitrag 3 Franken betrug. Oder, dass am 17. Juli 1921 die erste Chorreise über Zug zum Wildspitz nach Unterägeri stattfand, und dass mit Louise Pauli 1983 die erste Frau den Chor dirigierte. Auch über das Liedgut – das früher wie heute aus Volksliedern, geistlichen Liedern und Evergreens besteht – erfährt man Details.

Mit seinen 100 Jahren gehört der Männerchor zu den ältesten Vereinen in Hünenberg. Das Jubiläum will der heute 35 aktive Sänger zählende Chor mit der Bevölkerung feiern – mit einem Festgottesdienst am 7. Februar (siehe Hinweis) und einem Bankett für geladene Gäste. Dies auf den Tag genau 100 Jahre, nachdem 26 Männer im Restaurant Wartstein beschlossen hatten, den Männerchor zu gründen.

Der erste Unterhaltungsabend fand am 8. Februar 1920 statt (Bild PD)

Der erste Unterhaltungsabend fand am 8. Februar 1920 statt (Bild PD)

Zusammenarbeit mit anderen Vereinen

Bereit seit 57 Jahren mit dabei ist Josef Schelbert. Und der vitale 79-Jährige, der im zweiten Bass singt, hat die Begeisterung noch lange nicht verloren. Mehr als die Hälfte der Geschichte des Vereins hat er miterlebt. «Der Männerchor war der soziale Treffpunkt im Dorf. Das hat die Jungen motiviert, mitzumachen. Man hat erfahren, was alles läuft in Hünenberg», erzählt er. Zudem hätten die Vereine gemeinsam Anlässe organisiert. «Wir haben früher auch den Fasnachtsball durchgeführt.»

Die Zeiten haben sich geändert, der Männerchor musste sich den Gegebenheiten anpassen. Eigene Konzerte, bis vor zirka 20 Jahren ergänzt durch ein Theaterstück, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Nach dem Motto «Kommst du nicht zu mir, komme ich zu dir» begann der Verein, gesellige Anlässe in der Gemeinde zu organisieren. «Heute möchten sich die Leute nicht mehr genau festlegen, und es gibt viel mehr Freizeitangebote», beschreibt Marcel Scherer, seit fünf Jahren Präsident des Chors, das Problem vieler Vereine. Dennoch ist der 67-Jährige mit den Mitgliederzahlen zufrieden. «Sie sind stabil», sagt er. Der Erfolg eines Chors hänge massgeblich vom persönlichen Engagement der Vorstandsmitglieder und des Dirigenten ab. «Es braucht Macher.»

Integrationshilfe für Neuzuzüger

Als Scherer 1983 dem Männerchor beitrat, war es der damalige Präsident Heiri Meyer, der ihn überredet hatte, mitzumachen. Bei Bruno Briner, Chormitglied seit 1986, war es ähnlich, auch er wurde persönlich angesprochen. Briner ist Vizepräsident und hat die Festschrift zum Jubiläum verfasst. «Für mich als Neuzuzüger war der Männerchor ideal. Ich wurde sehr herzlich empfangen und fühle mich im Verein bis heute daheim.» Der 69-Jährige ist nach wie vor begeistert von den Harmonien, die beim gemeinsamen Singen entstehen. «Ein Notenblatt war für mich am Anfang etwas Abstraktes. Doch wenn die Stimmen schliesslich gemeinsam klingen, ist das für mich etwas Beeindruckendes und Schönes.»

Zu den Höhepunkten in der jüngsten Vereinsgeschichte zählen Scherer, Briner und Schelbert unter anderem das Laetare-Konzert gemeinsam mit den Männerchören Zug und Cham, das vor rund einem Jahr im Casino in Zug stattfand. Stolz sind die Sänger auch auf die Vereinsfahne – die übrigens seit 1935 die gleiche ist. Das Banner, welches das Hünenberger und das Zuger Wappen sowie Heinrich von Hünenberg auf seiner Burg zeigt, wurde an einem Sängertag vor 84 Jahren geweiht. Nach über 50 Jahren im Einsatz zeigte die Fahne Gebrauchsspuren und musste erneuert werden. Auf das 75-Jahr-Jubiläum 1994 hin reparierten die Klosterfrauen im Menzinger Gubel die Fahne in 190 Arbeitsstunden.

Jeden Mittwochabend wird geprobt

Die beiden ältesten Mitglieder im Chor können im Jubiläumsjahr ihren 88. Geburtstag feiern, der jüngste Sänger wird 51 Jahre alt. In Zukunft will der Verein mit einem zeitgemässen Liedgut neue Sänger gewinnen. «Wir setzen dabei vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda», sagt Marcel Scherer. Und Bruno Briner fügt an: «95 Prozent aller Leute können singen. Das Argument ‹Ich kann nicht singen› zählt nicht. Auch Noten lesen zu können, ist keine Voraussetzung.» Der Männerchor Hünenberg probt jeden Mittwochabend im Schulhaus Ehret C – Interessierte sind herzlich eingeladen.

Hinweis

Am Donnerstag, 7. Februar, findet nach der 101. Generalversammlung um 17 Uhr ein Festgottesdienst in der Kirche Heilig Geist statt. Weitere Informationen: www.mc-huenenberg.ch.