1150-JAHR-JUBILÄUM: Cham feiert – Schlossherr ist nicht eingeladen

Drei Tage lang lassen die Chamer sich und ihre Geschichte hochleben. St. Andreas als historische Keimzelle spielt dabei keine Rolle.

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«Herr Gemeindepräsident! Wissen Sie eigentlich, wo das alles angefangen hat?!» (Karikatur Jals)

«Herr Gemeindepräsident! Wissen Sie eigentlich, wo das alles angefangen hat?!» (Karikatur Jals)

Kein einziger Programmpunkt der üppigen Chamer 1150-Jahr-Feier hat mit Sankt Andreas zu tun. Geschweige denn findet irgendeine Veranstaltung auf dem Schlosshügel statt. Und sogar im Info-Flyer steht Cham tatsächlich Kopf – sind die Burg und der Park doch auf dem Ortsplan ausgespart. «Das haben wir bewusst gemacht», erklärt OK-Präsident und Cham-Tourismuschef Hans Martin Oehri. «Wir wollten nicht, dass Massen von Besuchern Richtung Privatbesitz manövrieren.»

«Um 858 war das Sankt Andreas gar kein Thema»
Aber ist es nicht trotzdem irgendwie komisch, dass Sankt Andreas als Urzelle von Cham und als Zentrum des ehemaligen Königshofs, den König Ludwig der Deutsche bekanntlich am 16. April 858 seinen Töchtern Hildegard und Berta im Frauenkloster Zürich vermachte, keine Erwähnung im Programm der Jubiläumsfeier findet? Schliesslich waren Ehrengäste auch schon bei der 1100-Jahr-Feier am 12. Juli 1958 aufs Schloss geladen, wo sie von Herr und Frau Schulthess Rech-Page bewirtet wurden.

«Das ist überhaupt nicht komisch», rechtfertigt sich Gemeindepräsident Bruno Werder. «Es geht bei unserer Feier um die erste geschichtliche Erwähnung Chams und um die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 858 – das Schloss Sankt Andreas ist gar kein Thema», sagt Werder. Der «Hof Cham» habe zudem viele Kirchen, Wohnhäuser, Felder, Wiesen und Besitztümer umfasst. «Ausserdem wollen wir erstmals im Dorfzentrum ein Fest veranstalten, bei dem zwei Tage lang die Luzernerstrasse gesperrt ist, und wir der Bevölkerung zeigen können, welche Veranstaltungen in Zukunft im Ort ohne Verkehr möglich sind.»

Der Schlossherr kommt als Privatperson an die Feier
Aber wäre es nicht wenigstens seitens der Gemeinde angebracht gewesen, die Familie Pacher – rein geschichtlich betrachtet – als Schlossbesitzer einzuladen? «Private Eigentümer haben wir nicht eingeladen», erklärt Gemeindechef Werder. Nur politische Honoratioren, Vertreter aus der bayerischen Partnerstadt sowie aus anderen Gemeinden habe man angeschrieben.

Trotz der fehlenden persönlichen Einladung zeigt Schlossherr Ferdinand Pacher Grösse und will als Privatperson an der Jubiläumsfeier teilnehmen. «Wir fühlen uns wie alle anderen Chamer. Wir haben keine Sonderrolle», gibt er sich bescheiden. Dass das Schloss inhaltlich bei der Chamer Party unter den Tisch fällt, nimmt er gelassen.

Wolfgang Holz

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Zuger Zeitung.