Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bis zu 1600 Franken für zwei Sitzplätze: OK des «Eidgenössischen» kämpft gegen Schwarzhandel

Auf der Plattform www.ricardo.ch werden Tickets für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug zu teilweise überhöhten Preisen angeboten. Der OK-Präsident Heinz Tännler verurteilt dies aufs Schärfste – und kündigt Massnahmen an.

Rahel Hug
Es ist ein stolzer Preis, den dieser Anbieter auf dem Online-Marktplatz www.ricardo.ch verlangt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Mai 2019)

Es ist ein stolzer Preis, den dieser Anbieter auf dem Online-Marktplatz www.ricardo.ch verlangt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Mai 2019)

Der Frust bei Heinz Tännler, OK-Präsident des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (Esaf), ist gross. «1600 Franken für zwei Sitzplätze zu verlangen, das ist schlicht und einfach Wucher», ärgert er sich. Tännler bezieht sich auf ein Inserat auf dem Online-Portal www.ricardo.ch des Anbieters Top-Tickets. Dieser Verkäufer hat mehrere Annoncen aufgeschaltet, die Preise für einen oder zwei Plätze bewegen sich zwischen 150 und 1600 Franken. Ein stolzer Betrag, um am Grossevent vom 23. bis 25. August 2019 teilnehmen zu können. Zum Leidwesen der Organisatoren hätten in den letzten Tagen Besitzer von Tickets ihre Karten auf dem Schwarzmarkt «zu völlig überhöhten Preisen» zu verkaufen versucht, teilte das Esaf-OK gestern mit. Man verurteile dieses Vorgehen scharf und behalte sich vor, gegen solche Verkäufer vorzugehen.

«Ich bedaure dies sehr. Dies ist überhaupt nicht in unserem Sinn. Wir entschuldigen uns dafür bei allen Fans des Schwingsports», wird Heinz Tännler in der Mitteilung zitiert. Leider könne man dies nicht gänzlich verhindern. «Auch andere Organisationen kämpfen mit denselben Problematiken. Für den eigenen Profit nehmen solche Leute den echten Fans die Plätze weg.» Das Ticketing eines Grossanlasses sei immer eine Herausforderung, ergänzt Tännler auf Anfrage. «Insofern ist es keine grosse Überraschung, wir mussten damit rechnen.» Es sei einfach «furchtbar ärgerlich», dass auch Zugerinnen und Zuger, die ihre Tickets zu den normalen Preisen bei einer Verlosung durch eine Gemeinde oder den Kanton erworben hätten, diese nun zu einem überhöhten Preis verkaufen würden. «Aus Goodwill haben wir entschieden, mit den Verlosungen mehr Leuten die Chance auf ein Ticket zu geben. Nun besteht das Risiko, dass der nächste Veranstalter dies nicht mehr machen wird.» Leidtragende sei dann die ortsansässige Bevölkerung. Laut dem OK-Präsidenten sind es die anfangs erwähnten Inserate auf www.ricardo.ch, durch die man auf den Schwarzmarkthandel aufmerksam geworden sei. «Es sind bis anhin lediglich eine Handvoll Inserate. Es ist eine Minderheit, die sich unfair verhält», sagt Tännler.

OK behält sich vor, Tickets zu sperren

In den allgemeinen Ticket-Bestimmungen ist festgehalten: «Der Weiterverkauf von oder der Handel mit Tickets zum nicht-offiziellen Preis ist strikt untersagt. Derartig erworbene Tickets verlieren ihre Gültigkeit. Bei entsprechendem Verdacht bleibt das Recht vorbehalten, die entsprechenden Tickets zu sperren, ohne dass eine Rückerstattung erfolgt.» Der OK-Präsident ergänzt: «Wir behalten uns vor, solche Tickets ungültig zu machen, das heisst Käufer von solchen Tickets müssen damit rechnen, dass ihr Platz in der Arena besetzt ist.» Heinz Tännler rät deshalb Interessenten dringend von solchen Käufen ab. Doch werden damit nicht die Falschen bestraft? Tännler sagt auf diese Frage:

«Es bleibt uns nichts anderes übrig. Wer ein Ticket für über 1000 Franken angeboten bekommt, sollte merken, dass etwas nicht in Ordnung ist.»

Doch die Organisatoren wollen auch auf das Unternehmen Ricardo.ch zugehen. Man werde mit den Anbietern in Kontakt treten und behalte sich vor, identifizierte Verkäufer zu belangen. «Ob es uns gelingt, an die nötigen Informationen zu kommen, ist zurzeit offen», so Tännler. Eine Lösung wären personalisierte Tickets, wie sie gewisse Open Airs in der Schweiz bereits eingeführt haben. «Wir haben dieses System auch diskutiert», sagt der OK-Präsident dazu. «Doch die nötigen ID-Kontrollen würden zu einem riesigen administrativen Aufwand führen.» Deshalb habe man sich dagegen entschieden.

Die Nachfrage nach den Tickets ist enorm

Simon Marquard, Kommunikationsverantwortlicher Rubriken & Marktplätze bei Tamedia und damit zuständig für Ricardo.ch, beurteilt die Situation als «nicht dramatisch». Er sagt auf Anfrage: «Zurzeit sind elf Angebote aufgeschaltet. Damit ist es noch im überschaubaren Rahmen.» Der Preis von 1600 Franken für zwei Tickets sei nicht die Regel, fügt Marquard hinzu. «Erfahrungsgemäss pendeln sich die Preise ein in einem Rahmen, der vertretbar ist. Die Nachfrage bestimmt schlussendlich den Preis.» Wenn Ricardo.ch den Hinweis erhalte, dass mit den Tickets auf der Plattform ein gewerblicher Handel betrieben werde, dann könne man einen Nachweis verlangen, ob der Verkäufer dazu berechtigt ist und falls nicht, gegebenenfalls den Anbieter blockieren. «Rechtlich ist es erlaubt, nicht personalisierte Tickets weiterzuverkaufen.» Man werde die Anliegen des Esaf-OK aber ernstnehmen und die Situation überprüfen, «doch Nutzerdaten können wir aus Datenschutzgründen nicht einfach so weitergeben».

Der Run auf die Tickets im öffentlichen Verkauf war am 24. Mai enorm. Über 50000 Personen mit über 180000 Ticketnachfragen haben sich auf der Plattform von Ticket-Corner für die 4000 Tickets registriert. Die ausgelosten Gewinner werden bis am 7. Juni 2019 direkt informiert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.