17 Stunden lang geschwitzt und gestossen

Das MFO-Gebäude beim Bahnhof Oerlikon ist an seinen neuen Standort gerollt. 17 Stunden dauerten die Arbeiten. Die grösste Hausverschiebung Europas lief fast problemlos. Der Backsteinbau steht bis auf wenige Millimeter genau an der neuen Stelle.

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Die Bilder zeigen die Verschiebung am Dienstag vor dem Start (oben), am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Mitte) sowie am Mittwochmittag um 13.30 Uhr. (Bild: Keystone)

Die Bilder zeigen die Verschiebung am Dienstag vor dem Start (oben), am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Mitte) sowie am Mittwochmittag um 13.30 Uhr. (Bild: Keystone)

Rolf Iten wirkt leicht angespannt. Hochkonzentriert und mit einem Funkgerät dicht am Ohr steht der Innerschweizer in einer Baugrube beim Bahnhof Oerlikon. Mit seiner Mannschaft verschiebt der Bauingenieur und Inhaber der Iten AG seit Dienstagvormittag die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Kurz vor 16 Uhr am Mittwoch sind die letzten Meter dran, und Iten, der sonst immer locker und gelöst wirkt und die Ruhe in Person ist, hat Herzklopfen.

Um 16 Uhr 03 hallt ein Böllerschuss durch die Luft, rote Ballone lösen sich am Gebäudedach und fliegen gegen den blauen Oerliker Himmel - es ist vollbracht. Neben der Baugrube stehen mehrere hundert Zuschauer, die applaudieren. Das MFO-Gebäude ist an seinem neuen Standort angekommen. Exakt 59,5 Meter musste es nach Westen verschoben werden, weil es buchstäblich den Ausbauplänen der SBB im Weg stand. Die Bahn baut für die Durchmesserlinie zwei neue Gleise, die den Platz brauchen.

Die Fabrik ist an seinem neuen Platz angekommen. (Bild: Keystone)
33 Bilder
Ein Bild fürs Album: Die Verschiebung ist geschafft. (Bild: Keystone)
Nach der Verschiebung prosten sich die Mitarbeiter zu. (Bild: Keystone)
Ballone steigen in den Himmel: Die Fabrik ist am Ziel. (Bild: Keystone)
Nach rund 17 Stunden ist die Fabrik verschoben. (Bild: Keystone)
Die Oberägerer Firma Iten AG war für die Verschiebung verantwortlich. (Bild: Keystone)
Hunderte Schaulustige verfolgten die Verschiebung beim Bahnhof Oerlikon. (Bild: Keystone)
Genau hier muss das Haus hin. (Bild: Keystone)
Zeugen harter Arbeit. (Bild: Keystone)
Die Bilder zeigen die Verschiebung am Dienstag vor dem Start (oben), am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Mitte) sowie am Mittwochmittag um 13.30 Uhr. (Bild: Keystone)
Die Bilder zeigen die Verschiebung am Dienstag vor dem Start (oben), am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Mitte) sowie am Mittwochmittag um 13.30 Uhr. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Rolf Iten von der Iten AG aus Obergägeri ist für die Verschiebung verantwortlich. (Bild: Keystone)
Während der Verschiebung kriecht ein Arbeiter unter dem Haus hervor. (Bild: Keystone)
Nass bis auf die Haut: Die Arbeiter trotzten am Mittwoch starkem Regen. (Bild: Irene Troxler / NZZ)
Die Bilder zeigen die Verschiebung am Dienstag vor dem Start (oben), am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Mitte) sowie am Mittwochmittag um 13.30 Uhr. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Bild: Keystone
vorher - nachher (Bild: Keystone)
vorher - nachher (Bild: Keystone)
Langsam wird das alte Fabrikgebäude verschoben. (Bild: Stefan Kaiser)
Die Verschiebung des Fabrikgebäudes ist ein kleines Volksfest. (Bild: Keystone)
Die Verschiebung des Fabrikgebäudes ist ein kleines Volksfest. (Bild: Stefan Kaiser)
Das Fabrikgebäude steht direkt beim Bahnhof Oerlikon. (Bild: Stefan Kaiser)
Zahlreiche Zuschauer verfolgen die Verschiebung des Fabrikgebäudes. (Bild: Stefan Kaiser)
Kinder der Klasse 2a der Schule Hofmatt in Oberägeri machen sich ein Bild von der Verschiebung. (Bild: Stefan Kaiser)
Kinder der Klasse 2a der Schule Hofmatt in Oberägeri machen sich ein Bild von der Verschiebung. (Bild: Stefan Kaiser)
Mit Hilfe von Hydraulik wird das Fabrikgebäude veschoben. (Bild: Keystone)
Langsam rollt das alte Fabrikgebäude an seinen neuen Standort. (Bild: Keystone)
Letzte Vorbereitungsarbeiten. (Bild: Keystone)
Die Schienen sind verlegt - alles ist bereit. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Bild: Keystone

Die Fabrik ist an seinem neuen Platz angekommen. (Bild: Keystone)

Höchstens drei Zentimeter Abweichung

Schwierigkeiten tauchen am Dienstagnachmittag erstmals auf, als das Gebäude plötzlich vorne und hinten leicht zu triften beginnt und ganz leicht von der Bahn abkommt. «Insgesamt betrug die Abweichung nie mehr als zwei Zentimeter», erklärt Rolf Iten. Seine Mannschaft korrigiert die Verschiebung laufend, indem über zwei hydraulische Pressen unterschiedlich stark Druck abgegeben wird. Am Schluss steht das Backsteinhaus bis auf fünf Millimeter genau an der neuen Stelle. Maximal drei Zentimeter darf die Abweichung betragen. Mehr Abstand wäre problematisch, weil die sanitären Anschlüsse für Ab- und Frischwasser nicht mehr passen würden. Die Leitungen wurden bereits im Vorfeld im neuen Fundament eingebaut. «Die Männer haben alles perfekt gemacht, das Gebäude ist unbeschädigt», lobt Iten seine Angestellten.

Offiziell ist die Verschiebung zwar am Dienstag gestartet - allerdings nicht bei Null, wie René Schütz, Ingenieur und Projektleiter von Henauer Gugler AG, verrät. «Wir haben letzte Woche bereits 1,20 Meter zurückgelegt.» Das Risiko, die Verschiebung vor Medien und Zaungästen nicht starten zu können, sei zu gross gewesen. Ab Dienstag um 11 Uhr rollt das Gebäude dann wie geschmiert - fast.

Verschiebung kostet 12 Millionen

Die Gebäudeverschiebung hatte am Dienstag um 11 Uhr begonnen. Am ersten Tag wurden insgesamt rund 32 Meter zurückgelegt. Das Projekt ist nötig, weil die SBB den Platz für zwei Gleise der neuen Durchmesserlinie benötig. Es kostet insgesamt rund zwölf Millionen Franken, 11,5 Millionen übernimmt die Swiss Prime Site. Sie ist die neue Eigentümerin des Gebäudes, davor gehörte es dem Industriekonzern ABB.

Das Bauvorhaben ist die grösste Gebäudeverschiebung Europas. Das Haus sollte ursprünglich dem Erdboden gleichgemacht werden. Dagegen wehrte sich eine Gruppe von Ortsansässigen, Politikern und ein Industrieverein, bis die ABB in letzter Minute doch noch einwilligte. Der Backsteinbau wurde 1889 erstellt und diente als Verwaltungssitz der Maschinenfabrik Oerlikon. Es ist einer der letzten Zeitzeugen der Oerliker Industrie.

jow/tox