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Leserbrief

1919 – ein überaus interessantes Jahr

«Diese Geschichte braucht Zug», Ausgabe vom 4. Oktober

Seit rund 5 Jahren widmet sich das Tugium der Geschichte Zugs in den beiden letzten Weltkriegen. Mit Spannung wartete ich jeweils auf das Erscheinen. Nun ist die Ausgabe 2019 erschienen und schliesst den Rückblick auf die Zeit des 1. Weltkrieges und des Jahres 1919 ab. Für mich ist das Jahr 1919 ein eminent wichtiges Jahr, welches nicht genug gewürdigt werden kann. Wir leben heute noch mit den Folgen der völlig überheblichen Art und Weise, wie der Westen im Nahen Osten die «Angelegenheiten» neu geregelt hat. Dilettantischer ging es nicht (ausser vielleicht, was seit 1989 in Osteuropa geschieht). Kulturell ist aber das die Zeitepoche um das Jahr 1919 für die Innerschweiz von herausragender Bedeutung. Zuerst jedoch noch ein paar Worte zum 1. Weltkrieg und unseren Frauen!

Das Tugium würdigt die Rolle der Frauen im 1. Weltkrieg. Dies völlig zu Recht. Ohne unsere Frauen hätte die Schweiz den 1. Weltkrieg nicht überlebt. Die Männer waren an der Grenze und fehlten auf dem Hof und an der Arbeitsstelle. Eine finanzielle Absicherung gab es nicht, diese entstand erst später. Das ganze Ausmass des 1. Weltkrieges und der Rolle der Frauen ging mir erst auf, als ich den «Schweizerspiegel» von Meinrad Inglin las. Dieser Innerschweizer Schriftsteller hat den starken Frauen ein Denkmal gesetzt und dieses Buch gehört für mich zu den wichtigsten kulturellen Erzeugnissen der Innerschweiz. Anhand der fiktiven Familie Ammann wird eine die umfassende Sicht auf die schweizerische Gesellschaft ausgebreitet. Vor allem die starken Frauen beeindrucken, allen voran Gertrud, welche trotz immenser Widerstände ihren eigenen Weg zu gehen versteht.

Was jedoch den Roman lesenswert und aktuell macht, ist sein Bezug zu heute. Der interne Kampf zwischen den deutsch- und den franzosenfreundlichen Schweizern. Heute kann man dies eins zu eins auf EU-freundliche und EU-feindliche übertragen. Und auch hier gibt es wohl wieder eine Kluft zwischen der West- und der Deutschschweiz.

1914 hielt zudem der Luzerner Carl Spitteler am 14. Dezember seine berühmte Rede «Unser Schweizer Standpunkt». 1919 erhielt er nicht zuletzt deswegen als bisher einziger gebürtiger Schweizer den Literaturnobelpreis. In dieser Rede stellte er zum Beispiel die Frage: «Vor allem müssen wir uns klar machen, was wir wollen. Wollen wir oder wollen wir nicht ein schweizerischer Staat bleiben, der dem Auslande gegenüber eine politische Einheit darstellt?»

Diese Frage stellt sich auch heute wieder und deshalb ist seine Rede aktueller denn je. Seine flammende Rede für eine neutrale Schweiz müsste sich in uns einbrennen. Carl Spitteler sprach einer selbstbewussten neutralen Schweiz das Wort, und die Zeit von 1914 bis 1919 hat ihm recht gegeben. Unsere heutige Politik der Anpassung wäre 1914 einem Todesurteil gleichgekommen und hätte die Schweiz zerrissen. Ist es heute wirklich anders?

Zu guter Letzt sei darauf verwiesen, dass die Innerschweiz auch heuer eine überaus starke Literaturszene hat, welche was zu sagen hat und sich auch zu kritischen Themen selbstbewusst äussert und darauf können wir stolz sein, wie wir auf unsere Frauen stolz sein können. Aber das wäre ein anderer Leserbrief.

Michel Ebinger, Rotkreuz

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