2000 WATT: «Wir sind gut unterwegs»

Die Stadt Zug hat seit der Abstimmung in diversen Bereichen in die Erreichung der Energieziele investiert. Vor allem in einem Punkt gibt es erfreuliche Ergebnisse.

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Heute bekommt ein Zuger Haushalt standardmässig Wasserstrom. Das Bild zeigt einen Kontrollgang im Unterwerk Zug der WWZ. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Heute bekommt ein Zuger Haushalt standardmässig Wasserstrom. Das Bild zeigt einen Kontrollgang im Unterwerk Zug der WWZ. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Samantha Taylor

Knapp vier Jahre ist es her, seit die Stadtzuger Stimmbevölkerung Ja gesagt hat zu einer grossen, wenn auch äusserst langfristigen, Umstellung: Am 15. Mai 2011 hat das Volk die Initiative «2000 Watt für Zug» angenommen. Äusserst knapp, denn nur 200 Stimmen machten den Unterschied. Die Initiative umfasst zwei Ziele bis ins Jahr 2050. Einerseits soll bis dahin eine Reduktion des Energiebedarfs auf 3500 Watt Dauerleistung pro Kopf erreicht werden. Andererseits wird eine Reduktion des CO-Ausstosses auf 2 Tonnen pro Kopf und Jahr angepeilt. Langfristig, bis 2150, sind 2000 Watt und 1 Tonne CO pro Person das Ziel.

60 Prozent Wasserstrom

Um diese Vorhaben umzusetzen, ist die Stadt in verschiedenen Bereichen aktiv geworden. Aber wie sieht die Bilanz nach den vier Jahren aus? Natürlich sei es noch reichlich früh, eine Bilanz zu ziehen, und es sei auch noch ein weiter Weg bis zu diesem Ziel. Aber: «Wir sind gut unterwegs», sagt dazu Stadtökologe Walter Fassbind. Gerade im Strombereich habe man einen grossen Schritt geschafft. Denn heute beziehen rund 60 Prozent der Zuger Haushalte Strom aus Wasserkraft, weitere 5 Prozent nutzen gar Naturstrom. Der Anteil des Stroms aus Kernkraft der 2010 noch über 60 Prozent ausmachte – liegt heute bei rund 35 Prozent. «Wir haben inzwischen einen ganz anderen Strommix als noch vor fünf Jahren. Das verdanken wir auch den neuen Stromprodukten der Wasserwerke Zug.» So bekomme heute ein Zuger Haushalt standardmässig Wasserstrom», erklärt Fassbind.

Es sei so auch gelungen den Primärleistungsbedarf um 20 Prozent von 6500 Watt auf rund 5300 Watt pro Person zu reduzieren. Damit ist man dem Ziel von 3500 Watt bis 2050 ein Stück nähergekommen. Eine grössere Herausforderung bilden laut Fassbind die CO-Emissionen, die vor allem durch das Heizen und die Mobilität verursacht werden. Hier hat sich der Ausstoss lediglich um 7 Prozent auf rund 7,2 Tonnen pro Person reduziert. «Auf die Mobilität können wir wenig Einfluss nehmen. Wir können ÖV und Langsamverkehr fördern, aber es bräuchte auch strengere Vorgaben vom Bund oder vom Kanton», führt der Stadtökologe aus.

Neue Quelle für Heizen und Kühlen

Im Bereich der Wärme hingegen hat die Stadt mehr Möglichkeiten. Und da hat man auch grosse Projekte in Planung. In Zusammenarbeit mit den Wasserwerken Zug soll ein neuer Energieverbund entstehen. Er sieht vor, diverse Gebiete der Stadt bei Neu- oder Umbauten an ein neues Heiz- und Kühlsystem anzuschliessen. Dieses wird mit Seewasser betrieben (wir berichteten). «Der Energieverbund ist ganz wichtig für Zug», sagt Fassbind. Das Gebiet, in dem das neue Versorgungsnetz vorgesehen sei, werde sich in den nächsten Jahren noch einmal stark verändern. «Und es ist dort nicht einfach, erneuerbare Ressourcen einzusetzen.» Der Energieverbund werde die nötigen Voraussetzungen schaffen, um künftige Anforderungen an Gebäudeheizung und Kühlung zu erfüllen. «Das Ganze hat auch einen wirtschaftlichen Effekt. Denn wenn wir die Kosten für Öl und Gas in das neue Netz umleiten können, dann bleiben auch Gelder hier in Zug», so Fassbind.

Förderprogramme begehrt

Walter Fassbind erinnert aber daran, dass die 2000-Watt-Gesellschaft nicht allein quantitative Ziele verfolge, sondern genauso auch qualitative. «Ich interpretiere den Begriff mehr als Synonym für eine Perspektive, die Ressourcen so zu nutzen, dass sie auch morgen noch für alle in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.» Die Stadt habe darum an verschiedenen Fronten angefangen zu arbeiten. So hat sie unter anderem einen Solarkataster erstellt, einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, eine Potenzialstudie stadteigener Dächer in Auftrag gegeben oder die Förderprogramme ausgebaut. «Aktuell führen wir in der Stadt ein Mehrjahresprogramm, das mit einem fixen Budgetbetrag von 400 000 Franken pro Jahr auskommen muss», sagt Fassbind.

Veranstaltung im Casino

Auf der anderen Seite investiere man auch regelmässig in die Kommunikation und Aufklärung. «Langfristig ist es wichtig, dass eine Verhaltensänderung stattfindet. Und damit das passiert, müssen wir informieren», ist der Stadtökologe überzeugt. So auch heute Abend. Im Theater Casino findet eine Veranstaltung für Hauseigentümer statt. Sie können sich dort über Solarenergie vom eigenen Dach informieren. «Solche Veranstaltungen werden regelmässig durchgeführt. Sie werden auch oft von der Wirtschaft organisiert und sind meist gut besucht», weiss Fassbind.

Und was hat die Stadtverwaltung selbst unternommen, um dem Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft näherzukommen? «Die Stadtverwaltung ist beispielsweise nur noch mit eMobil oder mit Hybrid unterwegs», erklärt Fassbind. Ausserdem betreibe man die Infrastruktur ausschliesslich mit Strom aus erneuerbaren Energien, und in der Informatik kämen effizientere Geräte zum Einsatz. Fassbind: «Unser Motto lautet: fördern, fordern und mit gutem Beispiel vorangehen. Und das tun wir auch.»

Hinweis

«Solarenergie vom eigenen Dach So geht’s!» heute Abend, Theater Casino Zug, Türöffnung 18.30 Uhr. Information und Anmeldung unter an www.energienetz-zug.ch