35 Prozent der Plätze gestrichen: So sieht das Schutzkonzept des Open-Air-Kinos am See in Zug aus

Der Kinosommer bei der Badi am Siehbach begann am Montag und damit so spät wie noch nie. Es gibt noch weitere Neuerungen.

Marco Morosoli
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Beim Start zur Open-Air-Kino-Saison am Zugersee diese Woche herrschte Kaiserwetter. Auch der zunehmende Mond kam nach dem Eindunkeln so richtig zur Geltung. Der gezeigte Film «Rocketman» – eine Ode an den britischen Musiker Elton John – passte zur Szenerie. Kurz gesagt: Es herrschte eine Atmosphäre, welche die Open-Air-Film-Fans lieben. Dabei ging schnell vergessen, dass bei dieser Premiere für das Jahr 2020 vieles nicht mehr so wie früher war.

Das Open-Air-Kino beim Siehbach, hier noch im Aufbau begriffen.

Das Open-Air-Kino beim Siehbach, hier noch im Aufbau begriffen.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 23. Juli 2020)

Äusserlich sind auf den ersten Blick keine Veränderungen festzustellen. Einzig die VIP-Logen sind jetzt Geschichte. Im Weiteren strich der Veranstalter die erste Stuhlreihe. Dort liessen sich in der Vergangenheit diejenigen nieder, die einen Kassenschlager unbedingt sehen wollten, aber sich etwas spät zum Kinobesuch entschlossen. In der derzeit herrschenden Coronapandemie bleibt so gesehen kein Stein auf dem anderen. Um die Bundesvorgaben zu erfüllen, hat auch der Verband Swiss Independent Cinemas ein Schutzkonzept als Gerüst verfasst. Die Kino Luna AG, die derzeit 20 Open-Air-Kinos programmiert, hat diese für den Filmgenuss unter freiem Himmel angepasst.

Der Coronavirus schafft auch neue Stellen

Um jederzeit die staatlich verordneten Abstände zu anderen Filmliebhabern einhalten zu können, erlebt der Platzanweiser eine ungeplante Wiedergeburt. Diesem obliegt die Aufgabe der optimalen Platzwahl. Eine Luna-Sprecherin erklärt, dass gegenüber der Vor-Coronaviruszeit nur rund 65 Prozent der vorhandenen Plätze verfügbar sei. Das Zuger Open-Air-Kino meldete jeweils ausverkauft, wenn 900 Besucher ein Ticket erstanden hatten. Derzeit liegt diese Schwelle bei rund 600 Kinogängern.

Die Luna-Sprecherin, welche auch schon auf anderen Open-Air-Kinos vor Ort war, sagt: «Es läuft gut. Wir sind positiv überrascht.» Ebenso merkt sie an, dass «wir froh sind, wenn wir das Open-Air-Kino in diesem Rahmen anbieten können». Als Beitrag zur Vermittlung eines Sicherheitsgefühls seien, so die Luna-Sprecherin, die Mitarbeiter der Open-Air-Kinos gehalten, bei ihrer Arbeit eine Mund- und Nasenbedeckung zu tragen.

Datenerhebung ohne Personalisierung

Um bei einer allfällig auftretenden Erkrankung eines Filmbesuchers ihre Klientel zu informieren, müssen die Besucher eine App installieren. Dazu steht im Pflichtenheft auf der Website von www.open-air-kino.ch: «Wir erheben vor Ort – bei jedem Kinobesuch – die Kontaktdaten, um bei einem allfälligen Coronavirus-Vorfall eine Warnung senden zu können.» Die App eines Schweizer Unternehmens erhebt dabei keine Personalien. Nach vierzehn Tagen löscht das System die Daten der Kinobesucher.

Eine weitere Anpassung an die neuen Umstände betrifft die Vision des Films. Es gibt keine Pausen mehr. Ein Verfahren, welches in Nordamerika schon lange in Gebrauch ist. Leidtragende könnten allenfalls Glacehersteller sein. Zudem gibt es Kantone, in denen eine Maskenpflicht auf den Laufflächen besteht. Zug gehört nicht dazu. Für die Luna-Sprecherin ist eines wichtig: «Alles in allem ist es ein wenig kulturelle Normalität.» Derzeit könnten die Umstände schnell ändern. Das bedinge, dass Tag für Tag eine Lagebeurteilung notwendig sei. Der Bundesrat trifft sich am 12. August wieder. Welche Entscheide dort fallen, ist derzeit noch unklar.

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