5G-Netz im Kanton Zug wird ausgeweitet – so soll es aussehen

In verschiedenen Gemeinden sind bereits 5G-Antennen errichtet worden. Die Handhabung der eingereichten Baugesuche für neue Standorte unterscheidet sich allerdings. Eine Vereinheitlichung diesbezüglich wird von der Baudirektion angestrebt.

Vanessa Varisco
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Das Ziel wurde schon vor Längerem festgelegt: 90 Prozent der Bevölkerung wollte Swisscom bis Ende 2019 mit 5G versorgen. Zum Jahreswechsel hin teilte der Mobilfunkanbieter mit, das erreicht zu haben. Salt und Sunrise weiten die Abdeckung ebenfalls aus. Diese schweizweite Entwicklung schlägt auch im Kanton Zug Wellen. Wie ein Blick auf die Übersichtskarte der Sendeanlagen zeigt, gibt es auf kantonalem Gebiet bereits zahlreiche 5G-Antennenstandorte (siehe Grafik).

Die meisten Anlagen haben allerdings eine kleine Sendeleistung. Das bedeutet, die effektive abgestrahlte Leistung liegt im Bereich zwischen 10 und 100 Watt. Nur wenige eine mittlere, was einer Gesamtleistung zwischen 100 und 1000 Watt entspricht. Besonders in der Region um Baar, im Ennetsee und in der Stadt Zug häufen sich die Antennen.

Empfehlungen des Bundes zählen

Die 5G-Technologie, welche schnellere Reaktionszeiten und schnelleres Internet verspricht, ist allerdings nicht unumstritten und wurde in den Gemeinden rege diskutiert. Baar beispielsweise wehrt sich vorerst vehement. Bereits letztes Jahr teilte die Gemeinde mit, dass sie keine Baubewilligungen für solche Sendemasten genehmigen werde, bis «die Auswirkungen auf die Menschen und Umwelt fundiert abgeklärt sind», wie Bauvorsteher Jost Arnold angab. Auf Anfrage betont er, dass man an dieser Strategie festhalte. «Für die Gemeinde Baar zählen die Messempfehlungen, die der Bund derzeit ausarbeitet», gibt Arnold an.

Auf der gegenüberliegenden Seeseite, in der Gemeinde Hünenberg, wo ebenfalls 5G-Antennen zu finden sind, stösst die neue Technologie im Gemeinderat auf weniger Widerstand.

Effekte auf Gesundheit sind noch unklar

(vv) Stellt die 5G-Technologie ein Gesundheitsrisiko dar oder nicht? In der Debatte um den Aufbau des entsprechenden Netzes kommt diese Frage immer wieder auf. Laut dem Zuger Regierungsrat ist sie allerdings bis dato noch nicht abschliessend geklärt, wie er in der Antwort auf eine Interpellationsfrage der Kantonsräte Ivo Egger (Baar, ALG), Andreas Hürlimann und Anastas Odermatt (beide Steinhausen und ALG) betreffend Mobilfunkstrahlenbelastung schreibt. «Schädliche Auswirkungen von nichtionisierenden, insbesondere hochfrequenten elektromagnetischen Feldern – nicht spezifisch auf die 5G-Technik bezogen – werden kontrovers diskutiert», so der Regierungsrat. Während mögliche Folgen wie erhöhtes Krebsrisiko, Gen-Schäden, strukturelle und funktionelle Veränderungen im Fortpflanzungssystem, Lern- und Gedächtnisdefizite wissenschaftlich bisher «weder kausal nachgewiesen noch überzeugend widerlegt» werden konnten, gilt es als erwiesen, dass sich das Körpergewebe strahlungsbedingt erwärmt. «Ob die zunehmende Frequenzabdeckung sowie die räumliche Dichte der nichtionisierenden Strahlung hinsichtlich gesundheitlicher Risiken von grösserer Bedeutung als einzelne Frequenzbereiche sein dürften, ist noch offen», resümiert der Regierungsrat. Auf Bundesebene sind Grenzwerte für die nichtionsierende Strahlung festgelegt – sie sind technologieneutral. Die Grenzwerte sollen den Menschen vor schädlicher oder lästiger nichtionsierender Strahlung schützen. Laut dem Zuger Regierungsrat sind die Werte «um das Zehnfache tiefer angesetzt als internationale Immissionswerte». 

Es gelte abzuwägen. Auf Anfrage, wie man mit Baugesuchen für neue Antennen umgehe, verweist der Gemeinderat auf einen entsprechenden Beschluss im letzten Sommer. Daraus wird ersichtlich, dass Hünenberg die kantonale Übergangsregelung übernimmt. Demnach sollen solche Baugesuche nicht im einfachen Verfahren erledigt und nur erteilt werden, wenn die Anlage den Grenzwert maximal zu 80 Prozent ausschöpft (4 Volt pro Meter). «Mit der Lösung des Amtes für Umwelt können die Anbieter ihr Netz grundsätzlich erstellen und die Bevölkerung ist durch den tieferen Grenzwert geschützt», heisst es im Beschluss des Hünenberger Gemeinderates.

Künftig rund 30 Prozent mehr Mobilfunkanlagen

Auch der Kanton befasst sich mit der Thematik rund um den Ausbau des Mobilfunknetzes und der Strahlenbelastung. Letztes Jahr wurden im Kantonsrat zwei Interpellationen eingereicht. Die Antworten des Regierungsrats liegen nun vor und geben einen Einblick in die aktuelle Situation sowie das weitere Vorgehen. In der Antwort auf die Interpellation der Baarer Kantonsräte Pirmin Andermatt (CVP), Zari Dzaferi (SP) und Urs Andermatt (FDP) betreffend 5G, schreibt der Regierungsrat etwa, dass bislang einige Baugesuche eingereicht worden seien, welche die Kriterien der internen Weisungen erfüllen. Zum Zeitpunkt der Antwort im Dezember wurden aber noch keine genehmigt. Auf Nachfrage der Baudirektion erklärt Florian Weber: «Bislang wurden in der Stadt Zug und in Hünenberg je ein Gesuch durch das Amt für Umwelt als bewilligungsfähig beurteilt.»

Mitteilung Baudirektion zu 5G.pdf

Nur wenige Gesuche würden die Kriterien zur Bewilligung erfüllen. Für den weiteren Verlauf des Ausbaus gibt der Regierungsrat folgende Abschätzung ab: Die Zahl der Mobilfunkanlagen werde in den nächsten Jahren um rund 30 Prozent zunehmen. «Bei zirka 25 Prozent der bestehenden Anlagen wird ein Ausbau erfolgen», heisst es weiter in der Antwort.

Moratorium wird wohl nicht erlassen

Ebenfalls greifen die Interpellanten die gemeindliche und kantonale Zusammenarbeit auf. Eine Frage lautete entsprechend, ob der Kanton Zug bereit sei, die Gemeinden bei diesem Thema zu unterstützen. Sie wollten ausserdem wissen, ob allfällige Gesuche um Aufstellung von 5G-Sendeanlagen so lange zurückzustellen sind, bis die Ergebnisse für einen nicht gesundheitsschädlichen Betrieb dieser 5G-Antennen vorliegen, also ein Moratorium zu erlassen?

Ein Verbot oder Moratorium sei aus Sicht des Regierungsrats nicht gerechtfertigt. «Es ist aber wichtig, dass die gemeindliche Bewilligungspraxis im Kanton Zug möglichst einheitlich gehandhabt wird», so der Zuger Regierungsrat.

Deshalb unterstützt er die erwähnte Übergangslösung der Baudirektion, welche eine Bewilligung für adaptive Antennen zulässt, sofern sie 80 Prozent der maximal zulässigen Anlagegrenzwerte nicht überschreiten.

5G-Antennen im Kanton Zug werden Realität

Eine technologische Aufrüstung ist nötig, um das superschnelle Internet verfügbar zu machen. Laut den grossen Telefonkommunikationsunternehmen werden in Zug neue Antennen gebaut und bestehende aufgerüstet.
Vanessa Varisco