68er-Stimmung bei der Zuger Jugend

Ein thematischer Stadtrundgang der etwas anderen Art führt an Orte, welche für die Jugendbewegungen der 1980er-Jahre in Zug von Bedeutung waren.

Andreas Faessler
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September 1980: Die Zuger Jugend weibelte fleissig für ihr gewünschtes Jugendzentrum. (Bild: PD)

September 1980: Die Zuger Jugend weibelte fleissig für ihr gewünschtes Jugendzentrum. (Bild: PD)

Fällt das Jahr 1968, so assoziiert man es mit Umbruchbewegungen und gesellschaftlicher Revolution. Die wichtigsten Schauplätze dieser Bewegungen vor 50 Jahren waren allen voran die USA, aber auch Frankreich oder die Tschechoslowakei (Prager Frühling) – und bei uns in der Schweiz war hauptsächlich die Stadt Zürich ein Herd des gesellschaftlichen Aufbegehrens. Und doch beschränkte sich der sichtbare Drang nach Veränderung nicht nur auf die Limmatstadt, er war auch in ländlicheren Zentren gegenwärtig, sicht- und spürbar. In Zug etwa gingen die Leute ebenfalls zum Demonstrieren auf die Strasse. So beispielsweise am 23. Juni 1968, als sich auf dem Landsgemeindeplatz um die 2000 Menschen versammelten, um ihre Solidarität mit der Tschechoslowakei zu bekunden.

Diese sogenannte 1968er-Bewegung legte praktisch den Grundstein für einen weiteren Schub in der Gesellschaftsentwicklung: die Jugendbewegungen in den 1980er-Jahren, welche sich ebenfalls nicht auf die urbanen Zentren beschränkten, sondern wiederum überall ihren Niederschlag fanden. Auch in Zug, wo sie so richtig in Fahrt kamen, als der Ruf nach einem autonomen Jugendzentrum und nach bezahlbarem Wohnraum laut wurde. In den 1980ern häuften sich die Proteste gegen die grassierende Wohnungsnot immer mehr.

Dieser einschneidenden Episode in der Entwicklung der (Zuger) Gesellschaft widmet sich das Museum Burg Zug mit einer thematischen Stadtführung. Im Fokus dabei stehen insbesondere die beiden erwähnten Motive der Zuger Jugend: Wohnungsnot und Jugendzentrum. Der Rundgang führt an Orte, welche im Zusammenhang mit den Jugendbewegungen in Zug von Bedeutung waren und es teils auch heute noch sind. Dokumente aus den Archiven respektive wichtige Passagen daraus begleiten die thematische Führung in die jüngere Zuger Vergangenheit. Bezugsetzungen zur Situation von heute werden wo immer möglich vorgenommen, um das Ganze noch greifbarer zu machen – die Frage nach Freiraum und bezahlbarem Wohnraum ist heute schliesslich ungemindert aktuell.

Die Führung «Damals in Zug» mit Regula Hauser, Leiterin Bildung und Vermittlung, dauert rund 90 Minuten und endet mit einem Apéro. Eine längere Strecke während der Tour wird mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. 

Hinweis
Die Führung findet statt am Donnerstag, 4. Oktober, 17.30 Uhr, sowie am Sonntag, 21. Oktober, 11 Uhr. Unkostenbeitrag: 10 Franken.