Monika Barmet: Von 79 Augenpaaren beobachtet

Seit einem Jahr ist Monika Barmet Vorsitzende des Zuger Kantonsrates. Sie schaut auf ein ereignisreiches Jahr zurück.

Interview: Andrea Muff
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Kantonsratspräsidentin Monika Barmet geniesst die Aussicht von der Terrasse des Regierungsgebäudes in Zug.

Kantonsratspräsidentin Monika Barmet geniesst die Aussicht von der Terrasse des Regierungsgebäudes in Zug.

Bild: Maria Schmid (18. Dezember 2019)

Seit einem Jahr sitzt die CVP-Kantonsrätin, Monika Barmet, ganz vorne auf dem sogenannten Bock im Zuger Kantonsratssaal und betätigt die Glocke, wenn es im Saal zu unruhig wird. Die 58-jährige Menzingerin ist für zwei Jahre Präsidentin des Kantonsrates und somit die höchste Zugerin. Die Halbzeit ihrer Amtsdauer nutzt sie, um kurz innezuhalten und einen Blick zurückzuwerfen.

Monika Barmet, wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Monika Barmet: Es ist ein guter Moment, um zurückzuschauen. Die Amtsausübung ist herausfordernd. Es gefällt mir wirklich sehr, Kantonsratspräsidentin zu sein. Ich organisiere gerne und bin gerne unterwegs, das Amt passt zu mir.

Was ist Ihnen seit Amtsantritt besonders wichtig?

Die Sitzungsvorbereitung, eine effiziente Sitzungsleitung und eine straffe Struktur. Genau um diese Ziele zu erreichen, ist mir die Vorbereitung wichtig. Ich muss wissen, welche Traktanden behandelt werden und wie die Inhalte aussehen. Alleine erreiche ich meine Ziele natürlich nicht. Ich bin eine Teamplayerin und schätze sehr, dass ich die Sitzungen zusammen mit dem Landschreiber und dessen Vertreterin vorbereiten kann. Ich bin froh über die Unterstützung auch vom Parlamentsdienst.

Wie viel Zeit nimmt die Vorbereitung in etwa in Anspruch?

Mit meinem Arbeitgeber konnte ich es so einrichten, dass ich immer am Mittwoch vor einer Kantonsratssitzung frei habe. Morgens auf der Staatskanzlei gehen wir dann zusammen nochmals alle Traktanden durch und danach schaue ich für mich zu Hause nochmals alle Geschäfte an.

Aber auch dann kann noch Unvorhergesehenes passieren.

Natürlich werde ich oft von den Geschehnissen überrascht. Aber aufgrund der Fraktionssitzungen, Kommissionsberichten und Vorlagen weiss ich in etwa, was thematisiert werden könnte. Es braucht von mir aber immer allerhöchste Konzentration.

In diesem Jahr mussten Sie auch ab und zu zur Glocke greifen oder die Parlamentarier erinnern, sachlich über den Inhalt der Vorlage zu sprechen. Die Sitzungen scheinen von Ihnen gut geführt zu sein.

Ich gebe zu, den Anspruch habe ich auch an mich selber. Die Sitzungen sollen gut geführt, geordnet und vorbereitet sein.

Der Ratsbetrieb ist nur ein Teil Ihres Amts. Geht es nicht oft auch um Repräsentations­aufgaben?

Ja, es gibt viele Anlässe und Generalversammlungen im Kanton Zug oder in der Zentralschweiz, zu denen ich eingeladen werde. Ich versuche, so gut wie alle Einladungen wahrzunehmen und nicht zu priorisieren. Es steht und fällt einzig mit dem Termin. Bei Kollisionen hat ein Anlass im Kanton Zug natürlich Vorrang.

Liegen Ihnen die repräsentativen Aufgaben?

Wenn man nicht gerne organisiert und unterwegs ist, dann wäre das Amt als Kantonsratspräsidentin nicht das richtige. Ich bin mir als Mutter von drei Kindern gewohnt, zu organisieren und mit Terminen zu jonglieren. Das kommt mir jetzt zu Gute. Ich mache das gerne, auch wenn es Wochen gibt, in denen ich fünf bis sechs Abende nicht zu Hause bin. Für mich ist das keine Belastung.

Hatten Sie dieses Jahr überhaupt Zeit für Ferien?

Ja, natürlich. Ich bin aber immer erreichbar. Ich plane meine Ferien und nehme sie wahr.

Ihnen gefällt das Amt der Kantonsratspräsidentin. Stand dieses Ziel schon früh auf Ihrem Wunschzettel?

Nein, eigentlich nicht. Es ist eine Funktion, für die man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Das kann man nicht planen. Und bei mir hat jetzt alles gepasst.

Was hat Sie letztes Jahr im Kantonsrat besonders bewegt?

Das ist eine schwierige Frage. Ich werde natürlich meine erste Sitzung im Januar nicht vergessen. Damals wurde die zweite Lesung des Denkmalschutzgesetzes behandelt und es gab eine stattliche Anzahl an Anträgen. Das war als Einstieg sehr anspruchsvoll. Sogar die Abstimmungsanlage fiel zu Beginn aus. Da dachte ich mir, genau so habe ich mir das vorgestellt (lacht).

Haben Sie schon einmal den Faden verloren?

Ich wage jetzt, die Frage mit einem Nein zu beantworten. Konzentration und Zuhören ist sehr wichtig. Ich muss jederzeit reagieren und handeln können. Schlussendlich schauen mich 79 Augenpaare an und warten darauf, was ich mache.

Haben Sie sich gewisse Reaktionen von Vorgängern abgeschaut?

Eigentlich nicht. Für mich ist es wichtig, dass ich eine eigene persönliche Note einbringen kann. Bei der Gestaltung ist man einerseits an die Geschäftsordnung gebunden, andererseits hängt die Finesse von der Persönlichkeit ab, die gerade das Amt innehat. Wichtig ist, dass man einen respektvollen Umgang untereinander pflegt.

Gibt es etwas, das Sie vermissen?

Ja, besonders die Arbeit in den Kommissionen. Wenn man dort in einer kleinen Gruppe ein Gesetz beratet, um verschiedene Punkte feilscht, macht mir das grossen Spass. Auf die Kommissionsarbeit freue ich mich also wieder, aber vorher wünsche ich mir ein gutes zweites Jahr als Kantonsratspräsidentin.

Hinweis
Monika Barmet (58) wohnt mit ihrem Mann in Edlibach/Menzingen. Sie hat drei junge erwachsene Kinder und arbeitet als Pflegefachfrau im Operationsbereich. Sie wurde 2003 für die CVP in den Kantonsrat gewählt und steht ihm 2019/20 vor.