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850 stille Örtchen für die Schwingerfans des Schwingfests Zug

Die Verantwortung für die sanitären Anlagen am Schwingfest in Zug obliegt einer Firma aus Baar. Die Planung dauerte dreieinhalb Jahre.
Cornelia Bisch
Markus Niedermann (rechts) und Stefan Abt sind für sämtliche Sanitäranlagen des Esaf zuständig. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. August 2019)

Markus Niedermann (rechts) und Stefan Abt sind für sämtliche Sanitäranlagen des Esaf zuständig. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. August 2019)

Im Logistikzelt am Rand des Festgeländes stehen eine Reihe Waschtische und Massen von Papierrollen für den Einsatz am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) bereit. Hier haben sich die Elektriker und Sanitär-Installateure ihren Arbeitsbereich eingerichtet. «Es gibt sogar Schlafplätze für den Pikettdienst», erzählt Markus Niedermann des gleichnamigen Unternehmens aus Baar. Die Firma hat die Herkules-Aufgabe übernommen, für die geschätzten 350000 Gäste des Esaf die Toiletten- und Duschanlagen bereitzustellen. Einer der Wasserhähne im Zelt ist aufgedreht. «Den müssen wir leider offen halten», erklärt Niedermann, «damit das Wasser in den Leitungen nicht zu lange steht.»

Bereits vor dreieinhalb Jahren hat das Unternehmen mit der Konzeptplanung begonnen. Markus Niedermann und sein Stellvertreter Stefan Abt besuchten das Schwingfest in Estavayer, um sich von der dortigen Infrastruktur ein Bild zu machen. «Man muss das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden», ist der Fachmann überzeugt. «Wir haben dort Toi-Toi-Anlagen gesehen, die übergelaufen sind», erzählt Abt. Das soll in Zug definitiv nicht passieren.

Fast 1000 Urinale

Die Fachleute haben fürs Esaf 14 Anlagen mit gesamthaft 650 an die Kanalisation angeschlossenen Toiletten, 950 Urinale, 420 Waschtischen und 120 Duschen geplant. 200 mobile Toiletten der Firma Toi-Toi kommen vor allem in der näheren Umgebung des Festgeländes zusätzlich zum Einsatz. «Die Durchführung dieses Grossanlasses inmitten der Stadt ist eine Herausforderung», betont Abt. Es habe zwar bezüglich der Legung von Zu- und Abwasserleitungen wegen geringerer Distanzen durchaus Vorteile, jedoch müssten in der Stadt die Bauten besser vor «Wildurinierern» geschützt werden. «Deshalb stellen wir auch ausserhalb des Festgeländes, vor allem zwischen demselben und dem Bahnhof, mobile Toiletten auf.» Das Herti-Quartier werde überdies komplett abgeschirmt.

Beim Aufbau unterstützt wird die Firma Niedermann von fünf weiteren Sanitärunternehmen aus dem Kanton. «Wir haben ab Herbst 2018 in mehreren Etappen fast sieben Kilometer Werkleitungen für den Trinkwasserzu- und den Abwasserabfluss verlegt.» Zusätzlich seien mehrere Pumpenschächte, welche je 2000 Liter Abwasser fassen, in den Boden eingelassen worden, berichtet Abt. «Von dort wird es dann in die Kanalisation gepumpt.»

Knackpunkt Wetter

Das Abwasser wird über den Hauptkanalisationsschacht des Gewässerschutzverbandes Zug (GVRZ) direkt in die Kläranlage Schönau in Cham geführt. «Wir schätzen, dass zirka 30 Millionen Liter Frischwasser gebraucht werden. Das bedeutet, dass die Abwassermenge etwa dreieinhalb mal so hoch ist wie üblich», erläutert Niedermann. Eine enorme Belastung für das örtliche Kanalisationssystem. Doch was passiert, wenn es zusätzlich regnet? «Dann könnte es problematisch werden. Es stehen deshalb mehrere Rückhaltebecken für die Leistungsspitzen am Esaf bereit.» Diese werden vor allem in den Pausen zwischen den Gängen erwartet sowie abends und morgens im Campingbereich. Eine weitere Entlastungsmassnahme bei Regen ist das Entleeren der Toi-Toi-Anlagen direkt in die Kläranlage Schönau.

«Wir sind nun gerüstet für die 350 000 Besucher», stellt Niedermann fest. Sollten erheblich mehr Leute kommen, stehen zusätzliche Toi-Toi-Anlagen als Reserve bereit. «Es wird zwischendurch Wartezeiten geben. Das lässt sich bei dieser Menge Menschen kaum vermeiden.»

Gut erreichbar

Von jedem Punkt auf dem Festgelände ist eine Toilettenanlage innerhalb von fünf Gehminuten erreichbar. Einzig das Duschzelt in der Campinganlage ist nicht sehr zentral gelegen. «Wir mussten es aus praktischen Gründen direkt über dem Hauptabwasserkanal platzieren», bedauert Abt. Camper, die ihr Zelt am Rand des Feldes platziert haben, müssen deshalb einen etwas längeren Fussmarsch in Kauf nehmen.

Einige barrierefreie Toiletten, im Campingbereich sogar mit Dusche, sind im Lageplan vermerkt. Die Reinigung der Anlagen wurde an zwei professionelle Reinigungsfirmen übergeben. «Dafür werden zirka 60 bis 70 Leute im Einsatz stehen», erzählt Niedermann.

Die beiden Fachleute sind mit viel Freude am Werk. Die Zusammenarbeit im OK funktioniere hervorragend, sind sie sich einig. «Wir werden wohl nie wieder einen Anlass dieser Grösse betreuen können», sagt Stefan Abt. «Es war eine grosse, aber auch spannende Herausforderung für uns.» Ihren Platz auf der Tribüne werden die beiden wohl nur selten einnehmen können. «Aber am Sonntagabend werden wir ein kühles Bier zusammen trinken», nehmen sie sich vor. «Das haben wir dann redlich verdient.» Die Arbeit wird jedoch noch bei weitem nicht beendet sein. Bereits am Tag danach beginnt der dreiwöchige Abbau.

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