Abenteuer auf dem gelben Zuger Schiff 

In der Lagerwoche auf dem Zugersee kommen sozial benachteiligte Kinder mit Wissenschaft in Berührung.

Emily Flammer
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Vielseitig war das Programm im Ferienlager: Die 19 Kinder zwischen acht und elf Jahren gingen auf eine wissenschaftliche Entdeckungsreise. (Bild: PD)

Vielseitig war das Programm im Ferienlager: Die 19 Kinder zwischen acht und elf Jahren gingen auf eine wissenschaftliche Entdeckungsreise. (Bild: PD)

Auf den ersten Blick scheint das gelbe Zuger Schiff, die MS Yellow der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ), ganz ruhig auf dem Zugersee zu treiben. Doch dieser Zustand hält nicht lange an – denn kurz darauf kehrt die muntere 19-köpfige Crew, bestehend aus Kindern zwischen acht und elf Jahren zurück. Die vielen Kinder übernachten im Rahmen des Kovive-Kindercamps von Sonntag, 14. Juli, bis Samstag, 20. Juli, auf dem Schiff.

Das abwechslungsreiche Kovive-Kindercamp «Forscherreise auf der MS Yellow» bietet sozial benachteiligten Kindern die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Wissenschaft einzutauchen. Marion Alig Jacobson, zuständig für die Forschertage der Stiftung Science et Cité, führt aus: «Wir versuchen, den Kindern Wissenschaft mit kreativen Mitteln näherzubringen. Wichtig ist uns, dass es in einer Atmosphäre geschieht, in der die Kinder gut miteinander auskommen und niemand ausgeschlossen wird. Wir möchten ihre Freude und ihre Neugier wecken.»

Der Spass 
steht im Vordergrund

Im Lager werden auch die sozialen Kompetenzen der Kinder gefördert. «Die Kinder lernen, respektvoll miteinander umzugehen», fügt Denise Ammann an, verantwortlich für die Kommunikation beim Kinderhilfswerk Kovive. Es ist das zweite Mal, dass die Stiftung in Zusammenarbeit mit Science et Cité und dem Zurich-Basel Plant Science Center (PSC) das Camp auf der MS Yellow durchführt. Neben Alig Jacobson und Ammann trägt Veronika Bayer als Projektleiterin von Kovive die Hauptverantwortung des gesamten Lagers.

Laut Alig Jacobson sind alle Aktivitäten praktisch und spielerisch gestaltet und die Kinder haben keinen Leistungsdruck. Der Spass soll im Vordergrund stehen. Am vierten Tag des Lagers ist das Ziel der Gruppe, selbstgemachte Grusskarten inklusive sogenannter Voice-Chips zu basteln. Für die Vorderseite der Grusskarten müssen zuerst mithilfe von gesammelten Blumen und anderen Pflanzen Fotoabdrücke, auf Solarpapier gemacht werden. Die Voice-Chips ermöglichen den Kindern dann, eine Sprachnachricht aufzunehmen, die beim Öffnen der Grusskarte automatisch ertönt. Während einige Kinder eine Nachricht in das Mikrofon sprechen, nehmen andere ein Lied auf.

Die Persönlichkeit 
stärken

«Ich habe gelernt, dass man bei den Fotoabdrücken nicht in die Sonne stehen darf, da sie sonst nicht gut werden», erzählt die elfjährige Abigail aus Zürich, die bereits zum zweiten Mal am Lager auf der MS Yellow teilnimmt. «Ausserdem hatten wir ein Projekt, das Superhero-Pflanzen heisst, dadurch wurde mir bewusst, dass viele Pflanzen Superkräfte besitzen.» Im Experiment Superhero-Pflanzen säten die Kinder Pflanzen in Beton. Das Ziel dabei war, dass sie sehen, wie der Beton gesprengt wird durch die «Superkraft» der Pflanze.

Marion Alig Jacobson sagt, dass sie so den Kindern implizit mit auf den Weg geben wollen, dass nicht nur Pflanzen ungeahnte Kräfte entwickeln können. Jeder habe seine eigenen Stärken, und wenn die Kinder das verstehen, könne das wiederum ihre Persönlichkeit stärken. Denise Ammann verrät: «Viele Kinder besuchen über mehrere Jahre hinweg Camps und Kurse von Kovive und Science et Cité. Oft sind das die einzigen Ferien, die sich die Eltern für ihre Kinder leisten können.» Auch in der Schweiz sei es überhaupt nicht selbstverständlich, jedes Jahr in die Ferien fahren zu können. «In unseren Camps wird es möglich, die Stärken der einzelnen Kinder zu finden, spezifisch auf diese einzugehen und sie zu fördern», weiss die Projektleiterin Veronika Bayer.