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ABENTEUER: Zwei Zuger am Marathon durchs ewige Eis

Nina und Stefan Aumann haben am 9. April bei Temperaturen von Minus 40 Grad am Nordpolmarathon teilgenommen. Danach flogen sie mit einem Helikopter zum exakten Nordpol und hissten dort die Fahne des Kantons Zug.
Christopher Gilb
Nina und Stefan Aumann am geografischen Nordpol. (Bild: PD)

Nina und Stefan Aumann am geografischen Nordpol. (Bild: PD)

Von der Terrasse ihres Hauses über Zug haben Nina und Stefan Aumann normalerweise eine wunderschöne Aussicht auf den See. Doch aktuell ist die Sicht eher düster. Der Winter ist noch einmal zurückgekehrt. Doch die Kälte dieser Tag ist nichts im Vergleich zu dem, was sie Anfang ­April erlebten. «Selbst in einer Wüste sieht man vereinzelt einen Berg, aber in der Arktis sieht man nur Schnee, soweit das Auge reicht. Die Temperaturen lagen oft zwischen minus 30 und minus 40 Grad», erinnert sich die 44-jährige Nina Aumann.

Der Nordpolmarathon, an dem sie teilgenommen haben, steht im Guinness-Buch der Rekorde unter «nördlichster Marathon der Welt». Er geht über 42 Kilometer und ist der einzige Marathon der Welt, der nicht auf Land, sondern einem zugefrorenen Gewässer stattfindet. «Dieses Jahr nahmen 50 Personen aus diversen Ländern teil, wir waren die Einzigen aus der Schweiz, erinnert sich der 46-jährige Stefan Aumann, der 2011 mit seiner Frau aus Deutschland nach Zug zog und in der Immobilienbranche tätig ist.

Schon auf allen Kontinenten gelaufen

Es ist nicht der erste spezielle Marathon, den er gelaufen ist. «Ich bin kein Stadtmarathon-Läufer, es muss eine spezielle Umgebung, also etwas Abenteuer vorhanden sein, dass ich mich für die Teilnahme motivieren kann. Anfang 2016 nahm er schon an einem Marathonanlass teil, bei dem die Läufer während sieben Tagen sieben Marathons auf sieben Kontinenten laufen. Der europäische Teil des Marathons fand in Madrid statt, wo ihn seine Frau Nina besuchte. «Mir gefiel der Stil dieses Marathons. Die Läufer absolvieren die Distanz über mehrere Runden auf der gleichen Strecke, so begegnen sie sich immer wieder, und es entsteht ein tolles Gemeinschafts­­gefühl.» Auch weil das Teilnehmerfeld bei diesen Marathons überschaubar sei. Diesen Winter verkündete Nina Aumann ihrem Mann, dass sie bei seinem nächsten Vorhaben, dem Nordpol­marathon dabei sein werde. «Das war eine tolle Überraschung», erinnert sich der dreifache Familienvater. Anfang April 2017 bestiegen sie ein Flugzeug nach Oslo und flogen von dort zur Inselgruppe Spitzbergen weiter. Sie haben Fotos von dort. «Wegen der Eisbärengefahr sind viele bewaffnet, und vor der Bank stehen Warnschilder, dass man sein Gewehr nicht mit reinnehmen darf», sagt Nina Aumann. Von Spitzbergen flogen sie mit einer alten russischen Transportmaschine in ein Forschungscamp, das 100 Kilometer südlich des geografischen Nordpols liegt. Dort liefen sie den Marathon, der nicht etwa am Tag, sondern mitten in der Nacht begann. «Der Marathon begann um elf Uhr abends, es ist nie wirklich richtig dunkel, das ist schon speziell.» Der Marathon ging über 13 Runden. Er lief sie vollständig. Sie hatte von Anfang an nur vor einen Teil zu laufen und lief deshalb neun Runden.

Erfrierungen an der Nase

Die Strecke war anhand von Wimpeln im Schnee markiert. Stefan Aumann brauchte acht Stunden für die Distanz. Er wurde damit 24. von 38. «Beim Zieleinlauf zog ich meine Gesichtsmaske ab. Die Veranstalter schickten mich dann ins Zelt, sie sahen, dass ich innerhalb kürzester Zeit Anzeichen von Erfrierungen an der Nase hatte.» Speziell am Marathon sei auch der Untergrund, erinnert sich Nina Aumann. «Dadurch, dass man über das Eis läuft und der Boden in Bewegung ist, klingt es immer anders, wenn man auftritt.»

Nachdem sie den Marathon gelaufen waren, bestiegen sie ­einen Helikopter, um zum Nordpol zu fliegen. Dieser verschiebe sich ständig um einige hundert Meter, da das Eis darunter drifte. «Deshalb wurde der exakte Punkt dann vor Ort noch einmal über GPS bestimmt.» Auch die Tafel mit den Distanzangaben sei deshalb erst fürs Foto aufgestellt worden. Sie selbst hatten eine Zuger Fahne dabei. «Es war schon eine besondere Erfahrung, an einem solchen Ort gewesen und dort auch Marathon gelaufen zu sein», sagt Stefan Aumann heute rückblickend.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.c

Wieder daheim auf der Terasse: Nina und Stefan Aumann in Zug. (Bild: Werner Schelbert/ZZ, Zug, 25. April 2017)

Wieder daheim auf der Terasse: Nina und Stefan Aumann in Zug. (Bild: Werner Schelbert/ZZ, Zug, 25. April 2017)

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