Abgänge und eine Überraschung bei den Handballerinnen des LK Zug

Der LK Zug erfährt gewichtige Änderungen, darf sich aber auch über einen Rücktritt vom Rücktritt freuen.

Michael Wyss
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Jacqueline Hasler-Petrig mit dem Meisterpokal 2013

Jacqueline Hasler-Petrig mit dem Meisterpokal 2013

Bild: Christof Borner-Keller (Zug, 27. April 2013)

Die Saison 2019/20 endete auch im Handball aus bekannten Gründen jäh. Damit muss der LK Zug seine Meisterträume auf das Jahr 2021 verschieben. Das Team wird dann ein neues Gesicht haben. Nicht mehr dabei sind unter anderem Jacqueline Hasler-Petrig (32, Rückraum) und Laura Innes (30, Torhüterin) – Akteurinnen, die den LKZ während vieler Jahre prägten.

Die Torhüterin Laura Innes war jahrelang eine Erfolgsgarantin.

Die Torhüterin Laura Innes war jahrelang eine Erfolgsgarantin. 

Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 23. März 2014)

Zugs offensive Lebensversicherung Sibylle Scherer wollte eigentlich auch zurücktreten, wird dem LKZ nun aber eine weitere Saison erhalten bleiben. «Es war nicht der Abschluss, den ich mir erhofft hattte. Ich brauche einfach nochmals einige Spiele, um mit der Karriere bewusst Schluss zu machen. Der Verein gibt mir diese Möglichkeit», sagt die 28-jährige Rückraumspielerin. Sie wird so aller Voraussicht nach in der kommenden Spielzeit den Spitzenplatz in der ewigen Torschützenliste der höchsten Schweizer Liga erobern. Gegenwärtig liegt Scherer mit 1569 Toren 13 Treffer hinter der Brühlerin Azra Mustafoska zurück.

Schöne Erinnerungen herrschen vor

Wie gehen erwähnte Jacqueline Hasler-Petrig und Laura Innes mit ihrem Entscheid um? «Für die Zeit beim LK Zug bin ich jedoch sehr dankbar. Es war eine schöne Zeit mit vielen schönen Momenten», sagt Innes und führt jene aus: «Die Titel und auch die Spiele im Europacup.» Ihr erstes Spiel bestritt Innes im Jahr 2010 für den LKZ. Zu den weiteren Höhepunkten ihrer Karriere zählt die Teilnahme mit dem Nationalteam Grossbritanniens an den Olympischen Spielen 2012 in London. Hasler-Petrig sagt zu den Gründen für ihr Karrierenende: «Familie, Beruf und Handball sind nicht mehr unter einen Hut zu bringen. Die Hobbys der Kids werden zeitintensiver, den Fokus kann ich deshalb nicht mehr auf den Handball legen.»

Drei Zuzüge beim LK Zug

Neben Jacqueline Hasler-Petrig und Laura Innes (siehe Hauptartikel) hat auch Stefanie Javet (25, Flügel) den LK Zug verlassen: «Ich werde im Sommer ins Berufsleben einsteigen im Bereich der Informationstechnik. Durch die Anschaffung eines Hundes habe ich mir zudem einen Traum erfüllen können. Meine Prioritäten sind nun andere», erklärt sie. Ausserdem werden Daria Betschart (zu Brühl), Chantal Wegmüller (offen) und Sunna Pettursdottir (zurück nach Island) nicht mehr für die Zugerinnen auflaufen.

Eine erfahrene Torhüterin

Heute nimmt der vierfache Schweizer Meister (zuletzt 2015) die Vorbereitung auf die kommende Saison, die im Herbst beginnen wird, in Angriff. Neu im Team sind die Torhüterinnen Anezka Zuzanek (26, kam von Zweibrücken aus der deutschen Oberliga) und Desirée Ligue (19, von GC Amicitia Zürich). Sie ergänzen die in Zug gebliebene Jennifer Abt. Zuzanek ist die erfahrenste des Trios. Die 1,82 Meter grosse Torhüterin spielte zuerst für den Spitzenklub Olmütz in Tschechien, ehe sie in die 3. Bundesliga nach Deutschland wechselte und mit ihrem Team Kirchhof aufstieg. Von einer Rückenverletzung zurückgeworfen, kämpfte sie sich zurück. Im Januar 2019 führte sie den HSC Kreuzlingen zum Aufstieg in die SPL1, bevor sie wieder nach Deutschland wechselte.

Die einzige neue Feldspielerin beim LKZ ist die Kreisläuferin Harpa Rut Jonsdottir. Sie spielte zuvor im SPL2-Team der Zugerinnen. Überdies sollen in der kommenden Saison mit Svenja Spieler und Alina Berchtold zwei Talente aus dem eigenen Nachwuchs an den Aktivhandball in der höchsten Liga herangeführt werden.

Ihre lebhaftesten Erinnerungen an ihre LKZ-Zeit? «Die Meistertitel sind unvergesslich. Jede Saison hatte ihren Reiz und war erlebnisreich. Auch die Spiele, wo meine Familie in der Halle war und mich moralisch unterstützte, waren wichtig für mich.» Was fehlt in ihrer Bilanz? «Ein Cupsieg. Das wurmt mich», sagt sie und lacht. Die Einsiedlerin spielte erstmals 2002 für den LKZ und kehrte nach einer Pause im Jahr 2018 zurück. Ein Jahr zuvor war sie in die Hall of Fame aufgenommen worden. Als die Saison abgebrochen wurde, sei sie den Tränen nahe gestanden. «Meine Kinder sagten mir, dass sie sehr stolz auf mich seien, was ich geleistet hätte. Das bedeutet mir sehr viel.» In der ewigen Torschützenliste steht Hasler-Petrig mit 1348 Treffern im 3. Rang.

Nachfolgend haben sich Weggefährten der beiden gegenüber unserer Zeitung an ihre Erinnerungen mit den beiden geäussert:

Simona Cavallari (frühere Teamkollegin): «Es tut mir unendlich leid, dass Jacqueline ihre Karriere so beenden musste. Mit ihr hatte man immer etwas zu lachen und sie wird uns mit ihrer aufgestellten Art und ihrer Erfahrung sowohl auf als auch neben dem Spielfeld sehr fehlen. Zu Laura: Ich kenne keine Person, die den Rap-Teil des Spice Girls Hits «Wannabe» so gut rappen kann wie sie. Keine Frage, auch sie wird uns auf und neben dem Spielfeld enorm fehlen.»

Stefanie Eugster (frühere Teamkollegin): «Jacqueline ist eine 120-Prozent-Powerfrau, eine geballte Ladung an Energie und Emotionen pur. Sie war auch eine Art Team-Mami. Und Laura war Rückhalt und Motivatorin. Sie hat mir immer Rückmeldungen gegeben. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen.»

Michael Tremp (Präsident LK Zug): «Ich habe diese beiden Zuger Legenden als – sportlich wie menschlich – tolle Persönlichkeiten und absolute Teamplayer und Vorbilder erlebt. Apropos Vorbild: Zu Laura haben auch meine beiden Töchter eine spezielle Beziehung, da sie für sie ein genialer, herzlicher und humorvoller Coach im U11-Team war. Sie sind ‹Meister der LKZ-Herzen› und werden nicht nur dem LK Zug, sondern generell dem Schweizer Handball fehlen.

Christoph Sahli (LKZ-Trainer): «Jacqueline kam vor zwei Jahren ursprünglich nur zurück zu uns, um einmal die Woche zu trainieren. Da wir mit Shanice Kägi eine Langzeitverletzte hatten, fragte ich, ob wir daraus auch mehrere Trainings machen könnten und sie in dieser Zeit auch spielen würde. Aus dieser Idee aus der Not heraus entstand schliesslich eine Erfolgsgeschichte für beide Seiten. Für ihre Karriere zolle ich ihr grossen Respekt. Auch Lauras Rückkehr war ursprünglich nicht geplant. Ihr Rücken liess während knapp zwei Jahren keinen intensiven Sport zu. Ein sauberer Kraftaufbau führte dazu, dass Laura wieder schmerzfrei war und sich zu Testzwecken ins Tor stellte. Dabei überzeugte sie auf Anhieb und kämpfte sich zurück ins Team. Dass sie dies trotz kaufmännischer Vollzeitstelle und Engagement als Torhütertrainerin der Nachwuchsnationalteams schaffte, zeugt von ihrem starken Willen.»

Peter Stutz (Vereinslegende und aktuell Sportchef): «Laura war eine ganz grosse Stütze bei den Titelgewinnen. Sie kam erst mit 17 Jahren zum Handball und war zuvor Rugbyspielerin in England. Weil England für die Olympiade 2012 in London Sportlerinnen suchte, hat sie sich auf ein Zeitungsinserat gemeldet. Und ‹Shaggy›, wie wir Jacqueline nennen, hat eine tolle Karriere hingelegt. Für mich ist sie die spielintelligenteste Spielerin, die ich je trainiert habe.»

Keine Lust auf Ruhestand

Mit Jacqueline Hasler-Petrig (31) kehrt eine Grösse auf die Bühne der SPL1 zurück. Die 31-Jährige war bereits lange in Zug gewesen, bevor sie ihre Karriere ausklingen liess. Dann kam alles anders.
Michael Wyss